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Sophie
03.05.2006
10:36 Uhr
     
Das ist ein wunderschönes Gedicht, danke.
Aber dies ist Realität:
"Zion streckt ihre Hände aus, doch da ist niemand, der sie tröstet."
Mendelssohn, nach dem Buch der Könige, Mendelssohn, ein Konvertit, also ein Christ. Manchmal empfinde ich, dass sich das AT viel näher an der Realität bewegt als das NT. Ich bin froh, dass es nicht aufgegeben wurde.
Mich hat etwas beschäftigt, dass hier jemand sagt (a.), er/sie sei so von den Menschen enttäuscht, dass er/sie keinen neben sich aushält. Manchmal, wenn ich zu sehr enttäuscht war, hatte ich hinterher das Gefühl, von einer zu hohen Erwartungshaltung ge-täuscht worden zu sein. Mal darüber nachdenken?
 
ewige ruh'
02.05.2006
17:15 Uhr
     
Ich mag gerne ein helles bild hierherflechten -
zu Ehren des Großen Menschen Paul Spiegel und zu Ehren Aller Seelen, die auch getragen werden - oder getragen SIND.

Hin zum Paradies
mögen Engel Dich begleiten.
Wenn Du ankommst,
werden alle, die gemartert wurden,
Dich in ihre Arme schließen -
und dann tragen sie Dich mit
zu Der Stadt,
dem Heiligen Jerusalem.
Dort schart ein Chor
von Lichtgestalten
sich um Dich her,
und mit Lazarus, dem armen Bettler,
wirst Du sein in Ruhe und Frieden
alle Zeit.

von Huub Oosterhuis


 
Sophie
02.05.2006
09:46 Uhr
     
Ich hätte sie natürlich im Internet lesen können, habe es aber nie getan und somit heute aus der Zeitung erfahren: die Geschichte der kleinen Rose, 8 Jahre, Flüchtling in Flandern, deren Mutter putzen gehen musste, während sie auf den kleinen Bruder Paul aufpasste und einkaufen ging. Dabei wurde sie entdeckt und ins KZ Auschwitz verschleppt, wo sie ermordet wurde.
Vielleicht ist es seinem damaligen kindlichen Alter zu verdanken oder dem Rheinland oder auch einem Gnade-Gen, dass er Lachfalten um die skeptischen, melancholischen Augen hatte, die sein Gesicht, das in den letzten Jahren von Mühe und Sorge und Krankheit gezeichnet war, erhellten.
Ich werde ihn vermissen: Paul Spiegel. In der Welt heute eines der schönsten Photos von ihm.
Und heute traurig, um ihn und auch um Rose. Das Vergängliche macht traurig.
 
Traugott Giesen
01.05.2006
21:53 Uhr
     
Auferstehung jetzt
Am Abend aber waren die Jünger beisammen , die Türen waren verschlossen aus Furcht. Da kam Jesus, trat mitten unter sie, sein Auferstehungsleib trug noch die Wundmale. Du Jünger wurden froh. Er spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Und gebt ihn weiter.
Johannes 20, 19-23

Ostern verwandelt die Anhänger Jesu zu Christen: Der Mensch Jesus stirbt und wird zum Christus verwandelt. Der trägt weiter mit sich die Schleifspuren seines Erdenlebens, aber ist jetzt an aus Gottesmaterie. Er ist Teil der Allmacht Gottes, er ist Friedensenergie. Und haucht Seins den Seinen ein. Diese heilige Christus-Energie macht froh, wendet dich der Zukunft zu, lässt dich nicht stecken in der Depression des Vergänglichen, Verfuschten sondern verwandelt dich zum Friedensmacher. Geh nur davon aus, daß Du ein vom Geist angehauchter Mensch bist. Du denkst bestmöglich ab jetzt für dich und alle. Von Dir geht Friede aus. Du bist ein Gesandter des Herrn, also geschickt, die Umstände zu entwirren auf Frieden hin.

 
Sophie
30.04.2006
11:50 Uhr
     
Ich las im Spiegel, der schon gestern erschien, ein Interview mit Bischof Huber, das selbst ich, nicht gerade zum harten Kern der Christenheit zählend, als provokativ, unverschämt und Tatsachen verleugnend von Seiten der Interviewer empfand.
Hat vielleicht jemand von hier Lust, einen Leserbrief darüber an den Spiegel zu schreiben?
Dass der säkulare Staat alle Aufgaben bestens erfülle, wie die Interviewer behaupten, widerlegt der Spiegel selbst im nächsten Artikel, in dem es um den Prozess gegen vier Jugendliche geht, die einen Jungen ca. eineinhalb Stunden brutal gequält haben. Keiner griff ein oder merkte etwas, obwohl sich die Tortur in aller Öffentlichkeit abgespielt hat. Schöner säkularer Staat. Frankreich geht auch den Bach runter.
Schöne Sonntagsgrüße
 
Karina
30.04.2006
11:36 Uhr
     
Die Geschichte von Maria Magdalena ist für mich die bewegendste und mich in meinem eigenen Unglücksein berührendste Geschichte der Bibel. Sie berührt in der Tiefe der Verzweiflung und daher sind ihre Umkehrbewegungen nachgespürte Innere Ausrichtungen. Der Tod des Geliebten und die damit verbundene unendliche Traurigkeit in dem tiefen Schmerz der Verlassenheit, lässt sie selbst wie versteinert, wie tot sein. M.M. spürt sich nicht mehr und so will sie wenigstens an dem Grab, an seinem Leib festhalten. Die "Leere" lässt sie rückwärts sich wenden hinein in die Vergangenheit in die Zeit mit IHM, er scheint ihr so nahe, so wirklich, er erscheint ihr in dem was er gewesen und sie hört ihn fragen: "warum weinst du?" . Damit findet sie ihren Geliebten wieder, hört sich so gar bei ihrem Namen "Miriam" gerufen und nun findet die dritte eigentliche Wendung in ihr statt. Sie fühlt sich durch IHN wieder ins Leben gerufen und auch er lebt, lebt in uns durch ihr Weitersagen seitdem als Christus in unseren Herzen, der alle Liebe ins Göttliche gehoben hat. Meine Gedanken hier auszudrücken fällt mir nicht gerade leicht, da ich nicht weiß, ob sie noch und überhaupt von Bedeutung sind, doch mir selbst ist das Schreiben hier wichtig gewesen, da Maria Magdalena eigentlich auch zu den Propheten gehört und über sie weiterhin geschwiegen wurde.
Einen frühlinghaften ersten Mai wünsche ich allen hier im GB Ka
 
Traugott Giesen
27.04.2006
08:34 Uhr
     
Dank für die Gedanken, sie führen weiter, nehmen mit auf den Weg  
molitor
27.04.2006
00:41 Uhr
     
Lieber Herr Giesen (tg),
eine schöne Auslegung von Joh. 20,11-18, ich werde sie mir aufheben, vielen Dank. Damit herzliche Grüße und nochmals Dank für frühere gute Worte.

Ein Gedanke zum Text: Erstaunlich, dass Maria Jesus erst erkennt, als er ihren Namen nennt. Als ob Jesus wüßte, dass es nicht so einfach ist, die Auferstehung zu glauben oder zu verstehen, wenn sie nur eine allgemeine Tat, nur eine richtige Lehre ist. Auferstehung muß (wohl) einen Menschen persönlich angehen, auf seinen Namen bezogen sein, vom Auferstandenen muß also ein Name genannt werden, damit ein Glaube, der Glaube entsteht.

Ein zweiter Gedanke: Maria wendet sich zwei Mal um:

"Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist."
"Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni!, das heißt: mein Meister, mein lieber Meister!"

Maria müßte sich im Kreis gedreht haben, wenn es nicht vielleicht anders war: Sie wurde und hat sich innerlich umgewandt, als ein schöner Ausdruck des zum Glauben Kommens.
Wenn Jesus unseren Namen nennt, wendet er uns sich zu, so kommt man wie Maria zum Glauben. Es ist fast so, als müßten wir Gott nur unseren Namen sagen hören.

Soweit zwei kurze Gedanken zum Text.

Ein herzlicher Gruß
H.-U. Müller

 
a.
26.04.2006
18:45 Uhr
     
Jesus auch noch in der eigenen Hölle neben sich zu spüren, das ist sicherlich wahrer Glaube, und ich muss gestehen, es gelingt mir nicht immer, ganz oft bin ich allein.
Nur durch die Natur ist Gott immer bei mir, auch in furchtbaren Momenten, ein ganz wahrer und tiefer Trost.
Doch an eine Menschengestalt kann ich nicht neben mir glauben, so furchtbar tief enttäuscht bin ich von den Menschen.
Irgendwann gelernt, ein ganz feines und sensibles Gespür für die Stimmung und Laune meines Gegenübers zu haben, kann ich im Beisein anderer nicht mehr bei mir sein, verliere mich.
Ein einziger Mensch ist da für mich, ignoriert mich nicht, verschliesst die Augen nicht, sieht mich so wie ich bin und - bleibt.
 
Sophie
26.04.2006
15:42 Uhr
     
Zwei Möglichkeiten: 1. Es ist wirklich der Gärtner, und er hat auch noch beobachtet, wie die Jünger ihn im Morgengrauen weggetragen haben. Da kommt sie auf ihn zu, siebenfach zerrissen, mit weit aufgerissenen Augen, und da er nicht wie Schäuble enden will oder Lafontaine oder wie der vorige Papst oder gleich tot wie John Lennon (und so etwas mag es früher noch mehr gegeben haben), sagt er sicherheitshalber, er sei selbst Jesus, er sei auferstanden. Eine naheliegende Idee, da Jesus angekündigt hatte, er werde auferstehen.
2. Wenn er aber auferstanden ist, war er natürlich der Gärtner, denn Gott ist der Gärtner über neues Werden. Und wenn Erinnerung ein Garten ist, und dieses wäre nur ein Bild, ist es ein sehr würdiges Bild.
 
Traugott Giesen
26.04.2006
10:14 Uhr
     
Mehr Bibelenergie

Sie meint, es sei der Gärtner


Maria weinte am Grab, dann ging sie hinein. Da sieht sie zwei Engel in Weiß, die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingetan haben.
Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast.
Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni!, das heißt: mein Meister, mein lieber Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.
Johannes 20,11-18


Maria von Magdala will den Toten in ihrer Liebe lebendig halten. Tot sind nur die Vergessenen, sagt sie, hilflos, trotzig. Durch den Kraftakt ihres Gedenkens will Magdalena ihn bei sich halten. Aber Jesus ist im Leben, weil ja Gott im Leben ist und Jesus bei Gott ist. Darum – wenn er auch nicht mehr leibhaftig zu kriegen ist- flirrt die Luft flirrt von ihm. Die Gegenwart ist voll Christus, so real wie der Gärtner- nur: wir müssen seine Stimme hören. Wie er uns anspricht, das erhebt uns auf das Niveau des Auferstandenen. Du, hör dich angesprochen von ihm: ...(dein Name).. fürchte dich nicht, ich, der Engel Gottes bei den Menschen, ich, Christus gehe mit Dir. Und fährst Du durch die Höll, ich bin doch Dein Gesell. Du mit mir im Konvoi- ich hab alles durchstanden, jetzt durchsteh ich Deins auch mit Dir. Und zieh Dich in Freude, Himmel, Ganzwerden, zersorg dich nicht. Sag es weiter. Du bist in leuchtender Gemeinschaft, bist im Werden- vor Dir Gott, alles andere ist Weg und auf dem Weg zu ihm.


 
Traugott Giesen
26.04.2006
09:44 Uhr
     
wer Liebes uns starb- wir haben doch viel von ihm empfangen-konnten auch geben- aber nahmen wir nicht mehr? Lassen wir ziehen die, die von uns gingen. Sie sind doch im Glück, in der Freude, im Licht, "wovon die sonne hier doch nur ein schatten ist" (Schopenhauer). Warum schwerer Stein? Das Bild vom Schmetterling hilft . Es ist ein altes Symbol für Auferstehung: wo Raupe war, wird Schmetterling. Wir Hinterbliebene sind auf der "Dienstreise Leben" noch im Lauf. Sie sind schon am Ziel.  
molitor
25.04.2006
23:14 Uhr
     
Liebe Sonja.
Ich bin zum ersten Mal im Forum und habe Ihren Hilferuf gelesen und muß sagen, es ist für mich schwierig, Ihnen etwas zu raten oder Sie als Unbekannter zu trösten. Ich würde Sie vielleicht eher vorsichtig und in offener Form fragen wollen: Wie ist es, wenn Sie zum Friedhof gehen und am Grab stehen? Und es ist keiner dabei... - War der Pfarrer, die Pfarrerin, der oder die die Beedigung gehalten hat, vielleicht so gut, dass Sie sie einmal anrufen können, um nochmal über die Beerdigung zu sprechen? - Hatten Sie eine gute Freundin, die Sie in den schlimmen Tagen begleitet hat und die jetzt immer noch für Sie da sein kann? - Oder gibt es vielleicht in Ihrer Stadt eine Trauergruppe, die Sie einmal antesten können?
Ich wünsche Ihnen jedenfalls eine Person, mit der Sie konkret reden können, die Ihnen Zeit und Raum gibt, und auch den Schutz, richtig losheulen zu können.

Ich grüße Sie und wünsche Ihnen, dass Sie so jemanden finden.

H.-U. Müller
 
flügel
25.04.2006
17:49 Uhr
     
Es war an Einem Tag, der zu TrostSamt wurde.
Mein Vater war gestorben. Heimgeholt.
An einem Abend - ich wollte nicht alleinSein, lud ich liebe Menschen zum Abendessen.
Es war an einem November. Ich stand am Herdfeuer und vollendete die Köstlichkeiten. Im linken Augenwinkel sah ich - tief berührt, auf dem weißen Hemd, auf der linken Schulter einen Schmetterling. Seelenruhig saß er da. Im November.
Ich dachte im ersten Augenblick, es sei ein Traum; doch es war wahrhaftig wahr.
Und ein wundervolles Bild. Ganz ganz nah' .
Meine Freunde umringten uns leise und Elisabeth flüsterte: " Es ist Ein Gruß von Deinem Vater " . Ich weinte Tränen zum FreundesMahl.
Irgendwann - da flügelte er weg. In den Raum.
Während des Essens zeigte er sich wieder. An einem sehr feinen Platz: Er landete auf dem Rücken des kleinen Holzengels über'm Runden Tisch. Und ich konnte es im ersten Augenblick nicht fassen.
PfauenaugenFlügel inmitten EngelsFlügeln.
In Worten kann ich ' s nicht ehrenvoll genug beschreiben. Es War Und Bleibt - ein wärmendSchöner Schatz für's Leben.

Nun sind über zwei Jahre vergangen. Und Immer - wenn mich Einer umflügelt, dann weiß ich, Er hat Wärme und Trost und auch Freude geschenkt. Oder will es noch thun.
Sie Sind auch Boten für euch - die Schmetterlinge. WIE schön sie sind.
Und fürDich Sonja. In Deinem Namen liegt die Sonne - und das Ja. Das ist Guth.
Leise Grüße, von Ingrid.
 
...
24.04.2006
22:26 Uhr
     
Herausgerissen aus dem ´Normalen´, Verlust , ein Halt weniger, unfassbar, Schock, ein Teil der eigenen Vergangenheit fort , warme Liebe - wohin? , Geborgenheit - wohin? , kann nicht sein, darf nicht sein!! Nimm dir Ruhe, kehre ein, an einem Ort, der die Gefühle zulässt, nimm die Traurigkeit an, lass sie fliessen! Sturzbäche von Tränen wollen geweint werden, damit du nicht ertrinkst darin ! Liebe Sonja, nimm meine Hand, lehne deinen Kopf an meine Schulter und weine Dich aus, ich halte dich in Gedanken ganz fest!  
Sonja
24.04.2006
10:00 Uhr
E-Mail    
bin 36 j und meine geliebte mum ist tot,schleppe seit drei wochen einen riesen stein auf meiner brust!!! ich kann nicht weinen! nix geht mehr,laufe wie in trance durch den tag!kann es nicht glauben. liebe grüsse sonja  
Christine H.
22.04.2006
18:08 Uhr
     
Mit dem Frühling kommt der Frühjahrsputz falls man Lust hat dazu, im Zuhause, Garten, auch in der Seele, Geist u. Hirn !!??!! Helfer wären gut, wenn sich viel angesammelt hat, so wie bei mir zum Beispiel !! Aber laßt euch nicht hetzen dabei, die Arbeit läuft nicht fort ..... Wenn die Sonne scheint, dann lieber diese genießen u. sich mit anderen darüber freuen u. den Spatzen zuschauen u. den Vögeln, wie sie Nester bauen !!!!! Schönes Wochenende allen Lieben u. gesund bleiben oder werden !!! Herzlichst Christine H.  
DS
21.04.2006
15:04 Uhr
     
Sophie, habe nichts hinzuzufügen......
noch einen aus TG´s Segensspeicher : "Frühlingserwachen läßt die Sprengkraft von Jesu Auferstehung erahnen..." Selbst weiterlesen in der Kolumne vom 11.4.98 !! Eben Speicher, gut gefüllt !!
Gutes Wochenende euch allen DS
 
Sophie
21.04.2006
11:59 Uhr
     
Lieber Delf, er hat recht, der Pastor, wenn er sagt, wir bräuchten die Träumer. Aber die Träumer sollten dort sein, wo sie hingehören, in Büchern, auf der Bühne, in Filmen, in der Kunst. Heute hat sich alles zu einem undurchschaubaren Kuddelmuddel vermischt. Die Politiker haben zehn Jahre lang mindestens, gut versorgt, geträumt, während wir uns auf der Bühne Blut und Schleim anschauen.
Zwei Beispiele: Giuseppe Verdis Opern sind Märchen. Der Rigoletto in München wurde zum Planeten der Affen verdreht, die Traviata in Salzburg zur Unerträglichkeit modernisiert. Ich gehe heute nur noch in ein Theaterstück oder eine Oper, wenn ich die Rezensionen gelesen habe und das Originäre nicht zu sehr verfremdet wurde. Die Autoren werden gar zu oft missachtet. Blut fließt außerdem genug im Fernsehen, und ich muss das nicht auf der Bühne haben. Dort brauche ich das Märchen, den Traum.

In der Politik brauche ich dagegen den Realisten, der sagt, was Sache ist und nicht ständig versucht, uns für dumm zu verkaufen. Wir haben aber auf jeder Ebene Vertreter, die keine Volksvertreter mehr sind, sondern Volksverdeher, Leute, die
a) keinen Rentenbeitrag zahlen, unseren jetzt arbeitenden 50jährigen aber eine längere Lebensarbeitszeit auf's Auge drücken, was im Klartext eine Rentenkürzung bedeutet, da die meisten schon vorher im Rahmen von Rationalisierungen entlassen werden,
b) aus Finnland die Ganztagsschule importieren wollen, aber nicht das, was die Finnen wirklich gut macht: kleine Klassen und zwei Lehrer in jeder Klasse. Das kostet Geld. Dieses Geld ist reichlich vorhanden, aber es steckt in
c)gläsernen Prachtpalästen in Berlin-Mitte, die ein Vermögen gekostet haben. Das ganze Geld steckt im Elfenbeinturm in Berlin, und schon einige Straßen weiter, in Charlottenburg, sieht man erste Zeichen von Verfall. Man muss gar nicht nach Neukölln fahren. Die Ludwigs unserer Zeit leben abgehoben und gut versorgt und träumen von besseren Zeiten. Sie vergessen das Bürgertum.

Und nicht mal auf der Bühne darf das Bürgertum noch träumen. Nebenbei wird auch Missgunst gesät von arm gegen reich. Die Mitte, die Stütze, wird einfach vergessen.

Ich bin ein zu guter Träumer und muss meine Träume limitieren und den Realismus pflegen, um lebensfähig zu sein.
Anm.:Ausnahme verlängert. Herzliche Grüße
 
DS
21.04.2006
08:47 Uhr
     
Ich wünsche mir,
dass wir die Welt
nicht nur den Realisten überlassen,
die stets vernünftig sind,
die immer richtig funktionieren
und sich durch nichts begeistern lassen.
Wir brauchen für unsere Welt
auch die Träumer und die Kinder,
die Clowns und die Versager,
die Tänzer und Sänger und Lebenskünstler.


Rainer Haak, Pastor und Buchautor

 
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