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Monika Glaessel
05.06.2011
09:18 Uhr
     
In Israel gibt es ein Dorf, in dem Juden, Christen und Muslime friedlich seit vielen Jahren zusammenleben. Geht doch, wenn man will!  
Monika Glaessel
05.06.2011
09:14 Uhr
     
Die Frau Kässmann hat recht, irgendwann muß man damit anfangen Hass mit Liebe zu bekämpfen, eine ganze Religion nur wegen ein paar Extremisten zu verurteilen ist engstirnig!  
Baruch
04.06.2011
23:16 Uhr
     
@MG: Das ist schön für Sie. Ihr Präses hatte in DD auch so jemanden neben ihm auf dem Podium. Er heißt Mustafa Ceric und ist bosnischer Großmufti sowie Gründungsmitglied des European Council for Fatwa and Research. Im Juli 2003 legte der European Council for Fatwa and Research in Stockholm fest, dass Selbstmordattentate auf jüdische Zivilisten mit israelischer Staatsangehörigkeit gerechtfertigt sind.
Wie man die 'rausfindet? Notfalls so wie in Entebbe: Man lässt sich die Pässe zeigen und selektiert. So wie Hitler.
 
Monika Glaessel
04.06.2011
09:47 Uhr
E-Mail    
Ich kenne viele Muslime, die uns als Brüder sehen!  
Baruch
03.06.2011
13:17 Uhr
     
Ich habe hier ein wenig geblättert. Für die Punkte, die Winfried Schley und Sophie in der Gerichtssache Strauss-Kahn anführen, könnte ich Unterstützung bieten, will das aber aus folgendem Grund unterlassen: Es regt zu Spekulationstheorien und Ängsten an, die nicht im Interesse stabiler Staaten sind. Allen, die französisch sprechen, empfehle ich, alle Details in folgenden französischen Zeitungen zu verfolgen. Nouvel Observateur, Le Monde, Le Figaro und Libération. Zweifel sind angebracht.
Ihre ehemalige Vorsitzende Kässmann schlug in Dresden vor, mit den Taliban zu beten, statt Krieg zu führen. Mit Verlaub, das wirkt naiv. Ihre Kirche sollte sich, sechs Jahre vor der 500 Jahr-Feier, auf den Intellekt von Luther besinnen. Ich bin zwar nur sehr bedingt daran interessiert, mich für Luther einzusetzen, aber sein Intellekt ist in den Thesen unübersehbar. Juden und Christen können erst seit kurzer Zeit zusammen beten. Selbst manchen Katholiken fällt es noch schwer, mit anderen Richtungen im Christentum eins zu sein. Der Islam ist noch sehr viel weiter davon entfernt, Christen und besonders Juden als Brüder wahrzunehmen. Dies trifft auf die Taliban besonders zu.
Mein Chawer in New York wird am Shabbes in einer Synagoge beten. Wer Zweifel hat, möge für ihn mitbeten. Es drohen ihm 74 Jahre Gefängnis, Mladic (6000 Tote) nur 15.
 
Flogni
03.06.2011
10:29 Uhr
     
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort


Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren:Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke
 
Sophie
02.06.2011
20:46 Uhr
     
Nah ist
und schwer zu fassen, der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
das Rettende auch.
Hölderlin, Patmos
zu Christi Himmelfahrt
 
tg
02.06.2011
11:58 Uhr
     
Wo dein Schatz, da dein Herz: Worum du dich mühst, da bist du selbst, das ist dein Selbst. Ein Bild: Ein Mensch putzt seine Wohnung, kein Stäublein, kein blinder Fleck soll sein- oder sein Auto, sein Oldtimer, wie aus dem Ei gepellt soll er glänzen und Glanz verbreiten. Oder geschickt die Bewegungen an der Börse, die Bewertungen einzelner Unternehmen vorwegahnen und entsprechend Anteile abstoße oder erwerben, bevor die Meute wind bekommt. – Mensch, warum dies: Sachen streicheln, Werte häufen- Du mühst dich so- aber macht es dein Herz fröhlich? Mehrt es dein Selbst? Dann doch lieber einer Bewegung angehören, große Ideen teilen, der Glaube an einen Verein, oder die Geschwisterlichkeit der Welt- dann weiß man doch, wozu man gehört, man ist Glied an einem Leib, aber wärmt es dein Herz? Bist du gern Du selbst? Oder entwichtigt dein Schwärmen dich? Nach dem großen Freudenfest im Stadion oder auf der Kirchentagswiese, kommt da der Katzenjammer des Alleinseins?
Sammeln wir uns Himmelsschätze, Säen wir Himmel ein hier unter uns. Vermehren wir Freude, Lebens-Chancen, leben wir Liebe, in vielen Variationen. Untergehende Menschen rette. Vereinsamte lade hinzu. Du vermehrst ihnen ihr Selbst, sie sind/ werden wieder gern sie Selbst und du mit.
Schreib hier weiter Deine Gedanken. Wenn schon nicht in Dresden dabei, wo ist dein Schatz? Schwärm mal von Dir.
 
Winfried Schley
02.06.2011
09:03 Uhr
E-Mail Homepage  
Jeder Abschied birgt einen Neubeginn.

Wenn einer geht,
gibt es andere, die bleiben.

Wenn einer heimgeht,
gibt es andere, die dort nicht zu Hause sind.

Wenn einer zu seinem Vater geht,
gibt es andere, die auf einen solchen Vater hoffen.

Wenn einer zu Gott geht,
bleiben andere zurück,
um in seinem Namen von diesem Vater zu sprechen.


Die Einstimmung darauf feiern Christen am Fest "Christi Himmelfahrt".
 
Baruch
01.06.2011
14:22 Uhr
     
Ich sehe den Hauptinhalt auf dieser letzten Seite am 29.5., 11:12h, unter tg, Traugott Giesen, nehme ich an. Äußern sich alle evangelischen Christen so wenig über einen so gewichtigen theologischen Inhalt? Das packenste Beispiel im Älteren für einen nicht sündenfreien Menschen war vielleicht der Harfenist und König. Wo sind die Reaktionen zu tg's Eintrag? Außer einer (von Sophie) sehe ich keine. Was also ist der Inhalt dieser Seite? Außenstehenden wie mir erschließt sich das nicht. Juden sind immer in lebhaftem Gespräch. Wo zwei Juden, da drei Meinungen.  
rbBln
01.06.2011
13:25 Uhr
     
Die letzten Einträge nehmen seltsame Formen und Inhalte an, es scheint mir wie eine Lawine, die losgetreten wird. können wir nicht alle mal zu den eigentlichen Inhalten dieser Seite zurückkehren?
Ich war hier immer gern dabei - lesen und gelegentlich auch etwas beitragen - , es ging mir um Glauben, Kirche, und vieles, was im weiteren Umkreis damit zusammenhängt. Dies entgleist im Augenblick - wer
gebietet Einhalt und "Umkehr"? Stehe ich mit dieser Meinung allein (dann würde ich mich verabschieden) oder gibt es andere, die auch so empfinden?
 
Feigheit
01.06.2011
09:29 Uhr
     
Empfehlung zu weiterem Nachdenken:
Franz Kafka: Der Prozess
 
Mut
31.05.2011
21:51 Uhr
     
Was sollen diese dämlichen Hasstriaden auf Amerika - hier bei LebensMUT?????  
Sophie
31.05.2011
18:57 Uhr
     
@ Grässl: 1. Mr. Bush - egal wie man zu ihm steht - hatte einen gewaltigen Vorteil: Er machte das, was er sagte. Sein Nachfolger ist ein völlig unklarer Mann.
2. Mr. Bush' Nachfolger sind seit den letzten Kongresswahlen wieder mit am Regieren. Man merkt, dass Sie von amerikanischer Politik wenig wissen, wenn Sie den POTUS überschätzen.
3. Spekulieren tut hier niemand, weder Schley noch ich. Schley zeigt eine Möglichkeit auf, ich trete nach dem Prinzip "Im Zweifel für den Angeklagten" auf.
4. Bei Ihnen selbst kann der Eindruck nicht ausbleiben, dass Sie latente Aggressionen gegen mächtige Männer haben à la Alice Schwarzer, die jetzt auch weint und klagt, weil ihr gesichtetes "Schwein" Kachelmann straffrei ausgeht mangels Beweisen.
5. Die Tendenz, dass Frauen Männer einen Hinterhalt legen oder hierzu angeregt werden, weil das so praktisch ist, ist unverkennbar, siehe Julian Assange oder Bill Clinton. Erst später kam raus, dass die Tonbandunterhaltungen mit Jennifer Flowers "gedoktort" waren. Da es heute nicht mehr so einfach ist, jemanden einfach umlegen zu lassen (John F. und Robert Kennedy wie auch vermutlich Martin Luther King), liegt die Methodik mit der Frau nahe.
6. Der Prozess sagt nur etwas aus, wenn DSK trotz allen witch huntings im Vorfeld freigesprochen wird. Falls nicht, wird nie klar sein, wie voreingenommen die Jury schon war. Die Anwälte dürfen je drei Juroren austauschen. Die Juroren werden auf Herz und Nieren durchleuchtet, ihr ganzes Leben liegt auf dem Tablett, und das nicht wegen eines Mordes, sondern wegen leichteren Verletzungen, die ich gern mal sehen würde.
7. Sie denkt über eine Zivilklage nach. Da man in dem Land der unbegrenzten Beschränktheiten schon eine Million Dollar kriegt, wenn McDonalds den Kaffee zu heiß eingegossen hat und man sich den, auch gern freiwillig, oben zwischen die Oberschenkel gießt, wird sie wohl fünf bis zehn erstreben. Das ist "vom Tellerwäscher zum Millionär" mal anders. Lesen Sie John Grisham oder Scott Turow, dann wissen Sie, was da abgeht.
 
Monika Glaessel
31.05.2011
18:05 Uhr
E-Mail    
Wenn Mr. Bush noch an der Macht wäre, würde ich Eueren Verschwörungstheorien vielleicht glauben!Mr. Obama hat es nicht nötig so zu handeln. Schon die Bewertung: "Zimmermädchen aus der Bronx" gefällt mir nicht. Würdet Ihr einer Weißen aus Brooklyn mehr glauben?Könnte ja auch sein, daß er feine Herr wirklich schuldig ist. Erst mal den Prozess abwarten.  
Sophie
30.05.2011
14:57 Uhr
     
Lieber Winfried Schley! Ganz genau. Zu 3: Ob das am. Großkapital bzw. Kreise im Rahmen der Davos- oder Bilderberg-Eliten Interesse haben, jemandem einen solchen Fallstrick zu legen, der an sich zu ihnen gehörte, weiß ich nicht genau. Es kann sein. Beim Recherchieren habe ich viele Gruppen gefunden, die ebfs. ein Interesse an so was haben könnten.
Zu den Kindern: Nach wie vor haben sie keine Lobby. Und den Emanzen nehme ich sehr übel, dass sie immer nur mit ihren eigenen Belangen (u.a. Quotenaufstieg in die Vorstandsetagen, also zur Not ohne entsprechende Qualifikation) beschäftigt sind so wie früher mit ihrem Bauch und ihr Einsatz für die Nöte von Kindern und Kindern als Opfer gen Null tendiert, sie also mit 180 Sachen seit 1968 auf dem Ego-Trip sind und dort, wo tonangebend, oft kinderlos. Daher auch wenig Einsatz für Schulen und mehr Lehrerstellen.

Lieber tg! das ist ganz wunderbar und erinnert mich an alte Zeiten in St. Severin. Ich bin froh, dass wir das schriftlich noch haben. Die Sonntage waren immer ein Höhepunkt der Woche, selbst wenn es nur online war, aber durch die fleißige Bettina oft schon am späten Nachmittag zu haben. Als ich zum ersten Mal in St. Severin war, war ich eigentlich kurz vor'm Atheismus, vielleicht auch mitten drin, also ein roher Acker. Der Regen von der Kanzel mit der Saat aus der Bibel, die Bibel so prächtig umgesetzt, hat mich zweifellos geändert. Es war gut, in so unbehauenem Zustand so prächtige, logische und zutreffende Bibelinterpretationen, manchmal mit Humor gewürzt, zu erleben, einen Menschen zu erleben, der sich so intensiv in Jesus einfühlen kann und, statt ihn zu einem unberührbaren Heiligen oder einem mahnenden Gott hochzustilisieren, ihn als klugen Menschen mitten unter uns sein lässt mit all seinem Verständnis für unsere Schwächen und allem Wissen um unsere Stärken, als Weisen, als Heiler, als einen, der lieber die mit dem erhobenen Zeigefinger, die mit dem Balken im Auge, die Steinewerfer mahnte, als die mit den ganz und gar menschlichen Schwächen. Vielen Dank für diesen Auszug, den ich gestern dreimal gelesen habe.
 
tg
29.05.2011
11:12 Uhr
     
Ja, 185 Kinder werden ermordet in unserm Land- unermesslich fürchterlich, dabei sehnen sich viele kindelos Gebliebene nach einem Menschlein, für das sie daseinkönnen. Wie kann man überforderten Müttern, Eltern ihr Kind auslösen? Trauer und Schmerz, wohl wahr.
Erlaubt noch einen Schritt zurück Will gern die von Sophie ins Bild gehobene Frau nochmal uns vorstellen. Auch in Bibelenergie zu finden:


Das ganze Evangelium in einer Geschichte

Ein Gesetzeskundiger hatte Jesus zu Tisch geladen. Es gab aber im Ort eine Frau, die war als Hure verschrien. Sie vernahm, dass er dort war und sie ging hin mit einem Glas Salböl. Sie trat von hinten zu seinen Füßen, kniete nieder, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu netzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen und küsste seine Füße und salbte sie mit Öl.
Lukas 7,36-38

Eine Männerrunde- das geistliche Oberhaupt des Städtchens hatte seine Freunde zum Mahl gerufen. Und den Wanderprediger, der gerade großen Zulauf hat, lädt er hinzu, höflich, herablassend, neugierig. Eine Frau drängt sich von hinten an Jesus, der mit den andern wie üblich halb sitzend zu Tische lag. Oft gemalt ist diese Szene völliger Hellhörigkeit. Jesus ist in zwei Gespräche getaucht: Vorn ist er mit den Männern beschäftigt in gelehrtem und lautem Reden. Und hinter seinem Rücken lässt er die Frau gewähren, lässt sie sich über seinen Füßen ausweinen und ihr Werk der Liebe an ihm tun.

Als das der Hausherr sah, sprach er zu sich selbst: Wenn dieser ein Prophet wäre, wüsste er, was für eine Frau das ist, die ihn anrührt. Jesus sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen.
Lukas 7,39.40

Auch an einer dritten Front ist Jesus geistesgegenwärtig: Er hört das das innere Gespräch des Gastgebers mit: Das ist doch ein Skandal, dass Jesus die Frau nicht abwimmelt. Er müsste doch wissen... Weiss er es, und distanziert sich nicht, ist sein Ruf als Meister der Schrift dahin. Weiss er aber nicht, wer sie ist, dann hat er sich entlarvt als Irrläufer. Und in beiden Fällen würde Simon blamiert sein, und hätte den Spott, wen er sich da denn eingeladen habe. Jesus hat wohl auf Simons Stirn dessen Argwohn geschrieben gesehen. Er spricht ihn direkt an.

Simon, ich will dir was erzählen. Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. einer war fünfhundert Silberstücke schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, erließ er es beiden. Sag, wer von ihnen wird ihn am meisten lieben. Simon antwortete: Ich denke, der, der am meisten erlassen bekam. Und Jesus: Recht hast du geurteilt. Und nun:
Sieh diese Frau. Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht gesalbt; sie aber konnte mit Salben gar nicht aufhören.
Lukas 7, 41-47

Höchst geschickt geht Jesus mit diesem Rechtschaffenen um, er führt ihn zur Erkenntnis seinerselbst. Simon sieht sich bei Gott und Mitmenschen wohl angesehen, er lebt ordentlich und geachtet. Er zensiert Menschen, sagt ihnen, wo es langgeht und was sich gehört. Und erhöht sich durch deren Herabstufung oder Belobigung.
Er meint, keinem was schuldig zu bleiben und keinem was schuldig zu sein. Jeder bekommt, was er verdient- meint Simon; er bekommt ja auch genug Achtung und Privilegien- und dazu noch das Diplom, er sei im Himmel gut angeschrieben.
Ganz anders dran ist die Frau. Sie ist bei den Ordentlichen verachtet. Sie wird ausgenutzt, wird irgendwie auch gebraucht, aber keiner will bei Licht ihre Gesellschaft. Doch sie spürt, da ist einer, der sie als Person wertschätzt. Sie nimmt Jesus Achtung an als Zeichen, dass ihr vergeben ist bei Gott.
Ja, sie liebt Jesus, da hat Simon recht, und im „ehrenwerten Haus“ mag ihre Zuneigung ungehörig scheinen. Aber Jesus sieht die Bedürftigkeit dieser Frau; sie hungert nach Würde, sie will als Person bejaht sein.
Klar, dass in der Beispielgeschichte der Schuldenerlasser mehr geliebt wird von dem, dem mehr Schulden erlassen sind. Dann ist es nur ein kurzer, steiler Erkenntnisschritt für Simon, sich selbst als wenig Liebenden zu sehen. Warum? Weil Simon meint, sich seine Achtung selbst zu verdienen, er braucht keine Vergebung. Während die Frau weiß, ihr ist die Achtung als Zuschuss, als Geschenk gewährt. Sie weiß sich vielgeliebt von Gott; Simon weiß sich geachtet, bestenfalls. Aber das reicht ihm. Simon weiß sich auf Augenhöhe mit Gott. Die Frau sieht sich als geliebte Tochter. Und aus Dankbarkeit liebt sie viele. Simon misst sich und vergleicht sich, Simon ist immer im Wettstreit mit anderen, muss immer der Erste sein- er führt ein anstrengendes Leben; eins, das auf den Herzinfarkt zutreibt. Es sei denn, er lernt von der Frau.

Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in den Frieden!
Lukas 7,50

Die Frau dieser Geschichte hat keinen Namen. Doch unsere Phantasie wünscht sie an Jesu Seite. Eine Maria aus Magdala hatte Jesus von Besessenheit geheilt, die ist auch bei Jesu Tod und Begräbnis anwesend, ihr wird auch die anrührendste Begegnung mit dem Auferstandenen zugeschrieben ( bist du der Gärtner? Wo hast du meinen Jesus hingetan? Johannes 19,15). Jedenfalls hat diese unbekannte Frau den Jesus zärtlich geliebt- und man sollte ihr dankbar sein bei all dem barschen Umgang, dem Jesus oft ausgesetzt war.
Romane und Filme dichten unserm Jesus eine Liebesgeschichte an, vielleicht mit heimlicher Ehe und Kind. Aber so gut wie sicher hat Jesus die einzige echte Alternative zur Ehe gelebt: er war mit vielen befreundet- und Ehe ist nun mal das exklusive Ja zu einem Menschen, das das Nein zu vielen anderen einschließt.
In Frieden Leben kann, wer liebt. Dazu muß er wissen, daß er geliebt ist, auch wenn er versagt und schuldig wird. Jesus sagt uns das auf den Kopf zu, massiert es uns in Herz und Sinn: „Du geliebt, gebraucht, geliebt, gebraucht:“ Unser Lieben ist immer nur Antwort, Echo, Reaktion auf Gottes großes Bejahen. Und die Frau hat Jesus als die Verkörperung der Liebe Gottes genommen; sie hat dem Jesus die Vergebung abgeglaubt, glaubt sich geliebt, und liebt ihn zurück.
Gutestun ist Folge und Wirkung von Beschenktsein und Begabtsein. Darum hat Jesus sicher nicht gesagt: “Ihr ist viel vergeben, weil sie viel geliebt hat“- so Lukas, der es falsch verstanden haben muß. Jesus hat sicher, entsprechend der Geschichte von den zwei Schuldnern, es andersrum gesagt: Weil ihr viel vergeben ist, hat sie viel geliebt- entsprechend dem Schuldner, der den Gläubiger mehr liebte, weil ihm mehr erlassen war.
Und warum schreibt Lukas diese Geschichte so moralisch um- oder hat sie aus der Gemeinde schon so verdreht aufgefangen? Für den Gesetzesglauben, dass Gott uns nach unsern Werken richten würde, hätte Jesus nicht zu kommen brauchen. Aber das Evangelium von der Liebe Gottes musste erst erblühen- und Paulus war der erste, der es auf den Punkt gebracht hat: Gott macht die Gottlosen gerecht (Römer 4,5).
Doch schon bald schwang auch die Kirche wieder die Keule von Leistung und Moral, bis Martin Luther die Rechtmachung aus Gnade wiederentdeckte. Und sie muss immer wieder frisch gesagt werden, weil uns allen die Selbstgerechtigkeit im Blut liegt.
Auch das kann man fragen: Warum steht der Satz des Lukas, der Jesu Botschaft auf den Kopf stellt, noch immer so in der Bibel? Allermeist ohne eine Bemerkung. Es ist darum, weil das Moralisieren noch kein Ende hat.



**************
 
Monika Glaessel
29.05.2011
10:53 Uhr
E-Mail    
Jetzt warten wir erst mal den Prozess ab und hoffen auf Wahrheit und Gerechtigkeit und beenden das Thema, einen frohen Sonntag wünsche ich Euch Allen.  
Winfried Schley
28.05.2011
20:18 Uhr
E-Mail Homepage  
@Sophie und DSK-Affäre trotz meines Zweifels, ob dieses Gästebuch der richtige Ort dafür ist:
1. In einem gut geführten Hotel bleibt kein Zimmermädchen länger als wenige Sekunden im Zimmer, wenn sie bemerkt, dass der Gast unter der Dusche steht. Wenn es bleibt, will es stöbern, stehlen, oder auf ihn warten.
2. Kein Mann kann in einem Hotelzimmer eine Frau mit Gewalt zum Oralsex zwingen, außer sie hat entsetzlich schmerzhaftes Zahnfleischbluten, so dass sie nicht kraftvoll zubeißen kann. Den anderen Fall überlebt er nicht, zumindest nicht als Mann.
3. DSK hat es geschafft, den IWF klammheimlich von der Blutsaugerbank für Entwicklungsländer, gesteuert vom amerikanischen Großkapital, in Richtung Förderbank für Entwicklungsländer zu lenken. Heute sind dort viele Fachkräfte beschäftigt, die diesen Weg weitergehen werden. Selbst ein schuldig gesprochener DSK wird diese Entwicklung nicht allzu sehr bremsen. (Die Wahrheit selbst werden wir wohl nie erfahren.)
4. Die mediale Inszenierung ist ein Auflagen steigernder Voyeurismus, ein Bombengeschäft, das DSK als Potenzbär braucht. Ein vom Stress ausgemergelter Körper eines 62-Jährigen, ohne Erektionsfähigkeit und Samenerguss, käme einer kommerziellen Katastrophe gleich. Wenn man schon nicht mehr über den alten IWF dicke verdienen kann, dann eben anders herum. Hauptsache, der Rubel rollt.
5. Gott kann auch auf krummen Zeilen gerade schreiben. Warten wir halt mal geduldig ein paar Jährchen.

P.S.: Andere Opfer verdienen aus meiner Sicht mehr mediale Aufnerskamkeit, werden sie aber nie erhalten. (vgl. "Jeden zweiten Tag wird in der BRD ein Kind getötet.")
 
Sophie
28.05.2011
12:09 Uhr
     
Um mein Anliegen einmal zu beschreiben:
Überschrift: "Es ist egal, ob nur einer kämpft oder zehntausend; wenn der eine merkt, er muss kämpfen, so kämpft er, ob er Mitkämpfer hat oder nicht." Otto Quangel in dem Roman "Jeder stirbt für sich allein" von Rudolf Ditzen alias Hans Fallada.
Erinnerung: "Oh du Fallada, da du hangest..."
"Oh du Königstochter, da du gangest, wenn das deine
Mutter wüsste, das Herz tät ihr zerspringen."
Es geht also bei dieser Namenswahl um die Wahrheit.
Hier wissen wir nicht um die Wahrheit. Wir wissen nur um Clichés. Reicher Mann (automatisch schlecht) legt angeblich militant schwarze Zimmerfrau (automatisch gut). In vielen verschrobenen Köpfen, leider sehr vielen, viel zu vielen, kommt im Unterbewusstsein noch dazu: 'Jüdische Finanzkreise'. Hierzu kann man im Spiegel S. 79 noch ein außerordentliches Clichés lesen: "Niemals wäre Strauss-Kahn eine ähnliche Behandlung in seiner Heimat widerfahren, selbst wenn er das Blut von Zimmermädchen aus großen Tassen zum Frühstück getrunken hätte." Das ist gleichzeitig absolut francophob und bedient ein antisemitisches Clichés aus dem 'Stürmer' und aktuell von der Kölner Domplatte, wo ein verkrachter Künstler ungestraft über längere Zeit ein Bild von einem Israeli zeigen durfte, der ein palästinensisches Kind verspeist.
Ich handle hier nach zwei Grundprinzipien:
1. Die Rechtssprechung sagt: Im Zweifel für den Angeklagten. (Deswegen muss die Betroffene noch nicht automatisch schuldig sein).
2. Jesus betrachtete jeden Menschen individuell. Ein reicher Pharisäer wie Nikodemus hatte genauso seinen Platz bei ihm wie ein armer Samariter. Besonders entscheidend ist für mich, dass eine gefallene Frauen bei ihm einen Platz hatten und hierbei auch Frauen die im damaligen Rotlichtmilieu ihr Auskommen verdienten. Die Sünderin war bei Jesus zuerst ein Mensch, und wer Steine nach ihr warf, hatte bei ihm nichts zu melden. Hier müssen wir die Geschlechter umdrehen. Eine in diesem Bereich recht auffällige Vita ist zunächst einmal nur die Angelegenheit seiner Ehefrau. Das wird aber so nicht betrachtet: Die gesamte amerikanische Presse wie auch die französische Regenbogenpresse machen sich über den Fall her. Da sitzt einer, nach dem werfen sie Steine, einer, den sie vorher bejubelt haben. Einer mit einer reichen Frau, das macht noch mehr Spaß. In allen Teilen dieser Presse wird betont, dass sie einen reichen Kunsthändler zum Großvater hat. Der Vater, der französische Widerstandskämpfer, wird dagegen selten erwähnt, denn der ist einfach zu gut. Auch die Verdienste des Angeklagten findet man in Suchmaschinen nur noch ganz weit hinten. Da sitzen Leute im Glashaus, die eine wahre Schmierkampagne gegen einen vorher Umjubelten starten, plus ein prüde-spießiges-heuchlerisches Amerika, das seine Glashausbewohner hat und sie nach politischem Bedarf bei passender Gelegenheit exponiert. Da sitzen Leute im Publikum, in Kommentarbereichen, die sind wie der Plebs, der geschrien hat: "Kreuziget ihn", oder der Plebs, der bei Hexenverbrennungen die Marktplätze bevölkerte oder bei Guillotinierungen jubelte und heute noch in einem bestimmten Teil der Welt jubelt, wenn ein Ehebrecher bzw. die Frau dazu, gesteinigt oder gehängt wird. Wir haben das Mittelalter nicht ganz abgeschafft, sondern verwirklichen es weiter medial, ohne dass einer sich die Hand schmutzig macht. Die Leute, die darauf reinfallen, sind nichts weiter als Gaffer auf einem Marktplatz.
Ich bin lieber wie Veronica, die Jesus den Schweiß abwischte, als er sein Kreuz trug. Und lieber wie der 12. Geschworene, verkörpert von Henry Fonda in Sidney Lumets großem Film. Im Zweifel für den Angeklagten. In meinem recht gut belesenen Wissen um die vielen Kloaken auf dieser Welt spreche ich für Dominique Strauss-Kahn und habe die Arbeitshypothese, dass er in den Anklagepunkten unschuldig ist. Sollte ich unrecht haben, habe ich eben einen Sünder verteidigt, aber das ist längst nicht so verwerflich, wie im Glashaus zu sitzen und nach Gefallenen mit Steinen zu werfen.
Ich entschuldige mich für die Länge. Es geht mir um einen Menschen, einen Menschen, der recht viel für ärmere Länder getan hat, zumindest hat er das versucht, und die Gemeinde aus Guinea in New York ist deswegen auch völlig zerrissen in ihrem Urteil. Es geht mir um die mediale Vorverurteilung eines Menschen. Nach Luther: "Ich stehe hier und kann nicht anders."
 
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