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Autor Nachricht
Winfried Schley
21.07.2012
18:42 Uhr
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Ob irgendein Gott menschliche Sehnsüchte erfüllt, kann man mittels Vernunft weder belegen noch ausschließen.

Dennoch ist es vorteilhaft, wenn man auf die Existenz Gottes setzt. Man fühlt sich dann wohl und hält sich damit seelisch gesund, wenn man ein sittlich gutes und sinnerfülltes Leben führt, das an einem göttlichen Willen ausgerichtet ist. Sollte sich mit oder nach dem Tod herausstellen, dass Gott nicht existiert, hat man nichts verloren.

Setzt man umgekehrt darauf, dass Gott nicht existiert, misst man notgedrungen sein eigenes Handeln an sich selbst, weil man nicht anders kann, als sich am eigenen Gutdünken, an der eigenen Willkür auszurichten, will man nicht von woanders her fremdbestimmt sein und sich damit an einen Ersatzgottglauben hängen. Sollte sich mit oder nach dem Tod herausstellen, dass Gott wider Erwarten doch existiert und Rechenschaft einfordert, hat man alles verloren.

So ist es aus philosophischer Sicht vorteilhafter, damit zu rechnen, dass es Gott gibt. Nicht beantworten kann die Philosophie allerdings die Frage, welcher Art dieser Gott ist, wenn sie nicht von vornherein, von nirgends her begründete sittliche Modelle wählt. Damit trifft sie Vorentscheidungen, die man jederzeit hinterfragen und anzweifeln kann. Ein auf diese Weise philosophisch erschlossener Gott wird dem Menschen nur kurzfristig oder gar nie den inneren Frieden schenken. Der Zweifel wird immer an ihm nagen, ob es sich bei diesem Gott nicht doch nur um ein Hirngespinst seiner eigenen Gedankenwelt handelt.

Will der Mensch diesen Zweifel umgehen, muss er sich aus freiem Willen vertrauensvoll beschenken lassen, glauben, dass da jemand ist, der um ihn weiß und an den er sicher jederzeit wenden kann. Er muss also die Gottesfrage theologisch und nicht philosophisch an sich heranlassen.

Jesus von Nazaret hat dies vorgemacht, indem er sich voll und ganz an jemanden außerhalb seiner selbst hängt, den er „Vater“ nennt, und dabei entdeckt, dass er ganz auf dessen Seite gehört. Davon sind auch seine Anhänger überzeugt und geben ihm daher die Namen Messias, Christus, Sohn Gottes oder Herr, je nach Horizont ihrer eigenen kulturellen Herkunft.
 
Monika Gläßel
20.07.2012
21:10 Uhr
     
An Luise:
Was wenn alles zu Ende ist, na dann brauchen wir uns ja nicht zu ärgern, denn dann merkens wir ja nicht mehr,
ich bin lieber für: Was wenn nicht alles zu Ende ist, ja dann können wir uns freuen. Wenn nicht alles zu Ende ist und wir hätten nichts geglaubt? Dann hätten wir wirklich ein Problem.
Den Gedanken, was ist wenn alles zu Ende ist, den hat fast jeder Mensch schon mal gehabt.........
Ach laßt uns glauben an einen Himmel, an dem ein Engel Abends am Tor steht und sagt wenn ich sterbe, steh auf und geh mit ! Für mich ist ein Beweis Gottes, daß Gebete helfen, auch in ausweglosen Situationen habe ich das immer wieder erleben dürfen und ich bin unendlich dankbar dafür.
 
tg
19.07.2012
15:02 Uhr
     
Stark, all die guten Gedanken. Dank Euch. Machen wir weiter.  
ohli
19.07.2012
07:33 Uhr
E-Mail    
Ja, Luise, oft hat es den Anschein, dass mit dem letzten Atemzug alles vorbei ist - ------ doch das, was wesentlich den Menschen ausmachte, kann ja nicht einfach weg sein.------ Es ist für uns unsichtbar geworden.  
Luise
18.07.2012
15:04 Uhr
     
@TG es ist Ferienzeit, da bleibt auch der Computer mal eine Weile aus.
und nächster Punkt: man schreibt aber niemand geht drauf ein, oft auch frustrierend, ein bisschen wie Selbstgespräch. Aber : es gilt was manche geschrieben haben: hier mitlesen regt immer zum denken an und wirkt auf diese Weise so auch der Text vom 10.7. Es braucht Zeit dazu zu schreiben.

Mich hat besonders der Satz der "knisternden Macht" angesprochen und ich dachte mir, dies zu spüren hält uns im Glauben. Denn ich habe mich dabei ertappt, in Gegenwart von Sterbenden - eine Erfahrung die ich im Moment mehrfach mache- zu hadern und mich Angesichts der Einsamkeit, die ein Sterbende offensichtlich empfindet und auch seiner Ängste, dass ich Gott in Frage stelle. Was, wenn dann doch alles einfach nur zu Ende ist. Glücklich bin ich mit diesem Gedanken nicht, aber er lässt mich nicht los.
 
Molitor
17.07.2012
21:03 Uhr
     
" Er gibt mir keine Zahnschmerzen, aber die von ihm geschenkten Zähne sind nur begrenzt haltbar. Letztlich hat er uns sterblich gemacht; nein, er hat uns lebendig gemacht, aber diese Art von Menschenlebendigkeit „geht nur sterblich“.

Das ist eine gute, schöne, auch traurige, aber eben traurig-schöne Erkenntnis zu der Frage: Wirkt Gottes alles?

Dank an TG und seine Art, selbst mit Zahnschmerzen gute Theologie zu treiben
 
ing
17.07.2012
20:54 Uhr
     
Du kannst deiner Familie und deinen Freunden Lebewohl sagen
und weit, weit weg reisen, und doch trägst du sie in deinem Herzen,
deinem Geist, deinem Bauch immer bei dir, weil du nicht einfach
in einer Welt lebst, sondern weil eine Welt in dir lebt.

Frederick Buechner: Telling the Truth


aus 'Die Hütte'.
Ich hab das Buch noch nicht gelesen. Ein Freund hat es mir ausgeliehen und meint, ich soll es lesen. Es liegt hier neben mir, und ich will es bald lesen. Hab jetzt darin geblättert. Ich mag die Widmung von William Paul Young
 
Monika Gläßel
17.07.2012
10:36 Uhr
     
Ja, ich habe die Hütte gelesen, hatte aber das Gefühl, daß dieses Buch nur für den Markt geschrieben wurde, es hat mir nicht gefallen.  
Delta
16.07.2012
20:03 Uhr
     
Hat jemand 'Die Hütte' gelesen?
Ich wusste bis zum Schluss nicht wirklich, ob mir das Buch gefällt.

Als ich von dem Unglück des Jungen auf Amrum erfuhr, musste ich spontan wieder an dieses Buch denken.
Ein kleines Mädchen verschwindet im Urlaub spurlos. Suchen und zermürbendes Warten beginnen.
Der Vater wird schließlich aufgefordert sich auf den Weg zu einer Hütte im Wald zu machen. Er zögert und macht sich dann doch auf den Weg. Angekommen bekommt er die Gelegenheit, seinem kleinen Mädchen noch einmal zu begegnen.
Die Gewissheit geliebte Menschen auf der anderen Seite wieder in die Arme schließen zu können ist für mich ein unendlicher Trost. Ich wünsche den Eltern von Sebastian, dass sie, wenn die größte Trauer abgeebbt ist, sich daran halten können.
 
flaschenpost
16.07.2012
14:16 Uhr
     
In einem Schaufenster durfte ich sie entdecken; sie war mit Herzen gefüllt, und mit dabei - noch diese Nachricht:


Du bist einmalig

Und wunderschön in meinen Augen.
Ich sage es dir: geliebtes Kind.
Nichts ist mir zu kostbar für dich -
ich bin bereit, alles, wirklich alles, für dich hinzugeben.
Mich selbst gebe ich hin für dich.

Was ich dafür von dir möchte?
Deine Sorgen, deine Not, deine Unsicherheit,
deinen Schmerz und deine Ängste.
Gib sie mir und dazu deine Tränen,
deine Verzweiflung.

Und ich gebe dir dafür
Anteil an meinem Frieden,
an meiner Liebe, an meiner Kraft,
an meiner Geduld, an meiner Stärke,
an meiner Freude, an meinem Königreich.

Keinen Schritt machst du, ohne dass ich bei dir bin.
Geh du deinen Lebensweg in der Gewissheit:
Du bist nicht allein - und in der Gewissheit,
dass er dich nach Hause führt
zu deinem himmlischen Vater und zu mir.

Dein Freund Jesus
 
dst
16.07.2012
13:14 Uhr
     
Nun hab ich einige Tage die Stille und die Gedanken hier begleitet und möchte nun doch noch meine Gedanken mitteilen.Für mich ist es ein Geschenk,an den einen Gott,der alles bestimmt ,glauben zu können.Ich denke,man lernt es auch erst richtig im Laufe eines Lebens,am besten in der Not,bei Problemen,wenn da keiner erreichbar ist,kein Arzt etc und durch Geld auch nicht geholfen werden kann-dann kann man verzweifeln oder hoffen auf Hilfe von Gott-man lernt,das Problem anzunehmen und fühlt sich getragen-ja,wohl schon so:"der uns erhält,wie es ihm selber gefällt."Wie oft denken wir im normalen Alltag,wir können alles selbst regeln,aber Gott möchte uns eben manchmal auf andere Wege schicken,auch wenn sie nicht so einfach sind-er kennt uns ja besser,als wir uns selbst kennen.So wünsche ich den Eltern des kleinen verstorbenen Jungen von Amrum,dass sie bei Gott Trost finden,auch wenn dieses Schicksal für uns nicht zu begreifen ist.Und ich denke,es würde Gott gut gefallen,wenn wir alle mit mehr Achtsamkeit und Liebe miteinander umgingen,mitfühlen und einander auch tragen ,wie Gott uns trägt.  
Winfried Schley
16.07.2012
08:07 Uhr
E-Mail Homepage  
„Für seine Mitmenschen ist ein Christ jemand, der die Dinge dieser Welt gemäß ihrem Wert und in ihrer Wirklichkeit liebt. Er ist aber auch jemand, der Gott allen weltlichen Dingen vorzieht. Dass er Gott vorzieht, führt ihn zu gewissen Entscheidungen, denen man ansieht, wie er den unsichtbaren Gott wählt. Eine solche Wahl stellt die Welt immer neu vor die Frage, ob es etwas diese Welt Übersteigendes gibt.“

Madeleine Delbrêl (1904 – 1964), französische Schriftstellerin und katholische Mystikerin.

Diesem Gästebuch entnehme ich durchaus solche Menschen, wie Madeleine Delbrêl sie sich wünscht, auch wenn mal für ein Weilchen Funkstille herrscht.
 
webmaster
15.07.2012
22:46 Uhr
     
Liebe Monika Glässel, danke Ihnen für Ihren Eintrag. Und: ich freue mich aufrichtig mit, dass Sie eine bezahlbare Wohnung in Westerland finden konnten! Ich weiß, wie schwer das geworden ist... Das tut schon weh.
@ TG: die Bemerkung von "C" war, glaube ich, spitz, provokativ gemeint.
Nicht enttäuscht sein über wenig Resonanz.
Jeder der hier mitliest hat Seins, das ihn umtreibt und beschäftigt und Sorgen macht, und doch sind jedem Ihre Worte und Gedanken wichtig. Erwarten Sie nicht zu viel von den Menschen.
Anna_HD, Monika Gläßel und Indrasun haben das schön ausgedrückt. -

Morgen (Montag) 17:00 Uhr, Trauerfeier für Sebastian, den 10jährigen Buben aus Österreich, der in seinem Paradies, beim Buddeln im feinen Sand auf Amrum ums Leben kam...
Ich werde an ihn denken, an seine Eltern, seine Schwester, seine Verwandten, auch an die Polizisten und alle Helfer, die drei Tage lang verzweifelt nach ihm suchten...
 
indrasun
15.07.2012
20:38 Uhr
     
Lieber Herr Giessen, nichts für ungut,
ich habe den Eintrag gelesen und habe dann innerlich DANKE gesagt. Danke, dass ich mich nicht auch noch für`s Hadern schuldig fühlen muss. Schuld und perfekt sein wollen ist immer wieder mein Thema. Und dann ist es ja klar, dass ich immer wieder gegen Wände renne... Hadern mit Gott ist hadern mit mir selbst, ist Selbstanklage. Und dass das eben manchmal zwar nicht in Ordnung aber als menschlich liebevoll von Gott (von dem Großen, an dem ich kleines Stück Gott dranhänge, wie eine Welle des Meeres) angenommen wird, das tut gut.
indrasun
 
Monika Gläßel
15.07.2012
14:32 Uhr
     
Lieber Traugott, mir ist nichts Gescheites eingefallen, was ich dem hinzufügen hätte können.....war ja irgendwie schon alles enthalten..........., ach was Weltliches, Oberflächliches am Rande, konnte mir vorletzte Woche endliche ne winzige Wochnung in Westerland leisten freu, freu, freu..........  
anna_hd
15.07.2012
13:57 Uhr
     
Ich lese hier schon längere Zeit mit. Bin 45 Jahre alt und lebe in Heidelberg. Der Beitrag von TG regt wie immer zum Nachdenken an.

Warum es keine Antworten gibt, die auf den Beitrag Bezug nehmen, kann ich nicht beurteilen.

Ich stelle mir die Frage, woher man die Sicherheit nimmt, zu wissen, was Gott will und meint, was er aushält und was nicht. Die Frage ist nicht provokativ gemeint, bitte nicht falsch verstehen.
 
tg
15.07.2012
09:40 Uhr
     
Diesen Eintrag jetzt finde ich schade - Ich warzte wirklich auf Antwort. TG  
C
14.07.2012
17:22 Uhr
     
Lieber Flogni, wie war das Wandern im Harz?  
tg
14.07.2012
10:55 Uhr
     
Staune über Schweigen. Dabei, gehts im letzten Eintrag doch ums Ganze, den Ganzen? Sagt mal was
A keine Lust zu theologisieren
B unverständlich
C hätte mal eine ganz andere Frage. Also
 
tg
10.07.2012
10:40 Uhr
     
Mal wieder ein Stück Bibelenergie: Zur Losung vom 9. Juli:
Gott spricht- sagt der Prophet- Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr; außer mir ist nichts. Ich mache das Licht und schaffe die Finsternis, ich gebe Frieden und schaffe Unheil. Ich bin der Gott, der dies alles tut.
Weh dem, der mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du?, und wirft sein Werk ihm vor: Du hast keine Hände!
Aus Jesaja 45,6-9

Alle Handlungen in der Welt denken als Handlungen eines Gottes- was kann das bedeuten? Ich eine Filiale (filia, lat.=Tochter) des Einen, ein Glied an seinem Leib, ein Sensor seinerselbst. Er gibt mir keine Zahnschmerzen, aber die von ihm geschenkten Zähne sind nur begrenzt haltbar. Letztlich hat er uns sterblich gemacht; nein, er hat uns lebendig gemacht, aber diese Art von Menschenlebendigkeit „geht nur sterblich“.
Das Licht des Lebens geht uns auf. Das ist das Wunder. Und wenn uns das Licht verlöscht, ist Finsternis da, sie ist Gottes Dunkel- das ist Tiefen-Glück in allem Unglück. Gut, daß niemand anderem als Gott das Leben und die Liebe und die Zeit gehören- und der Tod und der Haß und das Verfliegen der Zeit eben auch.
Gottes Sein besteht in Seingeben. Wir, die Kreatur, wir sind nichts anderes als Seinnehmen (Tauler). Darum - Gott zu verklagen ist nicht angemessen. Aber manchmal brauchen wir es, mit ihm zu hadern. Er hält das aus. Er ist ja die letzte Adresse für Dank und Klage, wer sonst.
Gott ist das dynamische Zentrum des Universums. Gott ist sowohl im Unendlichen wie im Einzelnen. Er ist der eine Künstler, verteilt auf tausend Millionen Inkarnationen, „die leise knisternde Macht“ (H.H.Jahnn).
 
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