Gästebuch


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:: lebensmut.de ::
Autor Nachricht
Dr. med. werauchimmer
11.05.2020
19:49 Uhr
     
Vollkommen richtig, Menke.  
Menke
10.05.2020
15:07 Uhr
     
Wenn Nachrichten davonlaufen!

Ich traf gestern an einer Reha Klinik einen Berufsfeuerwehrmann, der dort zur Wiederherstellung seiner Gesundheit weilt.
Corona Virus, dass erste was uns beiden so einfiel.
Aber auch Kritische Worte eines Praktikers, aus dem Notarztwagen.
Corona Patienten, hatte er mit seiner Mannschaft schon des öfteren ins Krankenhaus verbracht, wie er nüchtern feststellte.
Aber alle vom Virus befallenen, litten auch unter anderweitigen Erkrankungen, die zum Tode führen konnten.
Will die Öffentlichkeit denn keine Notiz mehr nehmen wollen, von anderweitigen Erkrankten?
Auch solche Menschen sterben in Corona Zeiten, im Krankenhaus oder an anderen Orten.
Ganz unbemerkt, von unserer Nachrichtengesellschaft.
Wie Sensation hungrig die Gesellschaft doch ist, je mehr Nachrichten um so wichtiger, oder unwichtiger wird ein Mensch.
 
Flügelfreundin
08.05.2020
22:01 Uhr
     
Es kann länger als drei Tage dauern. Am besten fand ich die Darstellung in "Das Geisterhaus". Oder habe ich das missverstanden? Könnte sein. Kryptisch.  
tg
08.05.2020
19:59 Uhr
     
Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
dass er, kräftig genährt, danken für Alles lern.
Und verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er will. Hölderlin


God first! Man muss Gott so denken,dass man nichts ohne Gott denken kann.
(Ingolf Dalferth)

Diotima gehörte zu den Menschen, die mit sich zufrieden sind und darum ihre Altersstufen wie eine Treppe ansehen, die von unten nach oben führt.
R.Musil

Jetzt hatten sie genug an der einfachen Seligkeit, zusammenzusein. Marques


Die Erde ist mit Himmel vollgepackt, und jeder gewöhnliche Busch brennt mit Gott –

Aber nur der, der es sieht, zieht die Schuhe aus.Die anderen sitzen herum und pflücken
Brombeeren.-

Elisabeth Barrett-Browning

Die moderne Geschichte ist der Dialog zwischen zwei Menschen; einer, der an Gott glaubt,ein anderer, der glaubt, Gott zu sein. (Georg Steiner)


Diese sechs Zitate hab ich letztens notiert. Sie beschreiben in Etwa meine jetzige Gedankenschar. Eben bin ich 80 geworden und hab nicht mehr viel zu melden. Bin einfach nur dankbar, bin gern ich, und hätt noch gern einige Zeit hier auf dieser schönen, armen Erde. Mit Frau Ingrid, die ich um mindestens drei Tage überleben will. Und vom Balkon des Lebens den Kinderfamilien zusehen dürfen. Und mit Freunden gern einen Roten teilen.
„Und vor allem sollen wir den großen Zusammenhang der Dinge nie vergessen. Sich abschließen heißt sich einmauern und sich einmauern ist Tod. Fontanes Stechlin
 
Monika Glässel
07.05.2020
17:38 Uhr
     
Lieber tg, wir wünschen Dir Alles Gute, viel Gesundheit, Glück und Gottes Segen Deine Lückenfüllerin Monika Glässel mit Familie  
Dr.med.werauchimmer
06.05.2020
09:27 Uhr
     
Dem schließe ich mich an. Herzlichen Glückwunsch an den wirklich außergewöhnlichen Prediger, der in vielen Menschen Spuren hinterlassen hat. Sicherlich wird das an einem schönen Sommersonntag nachgefeiert werden können. Aber vielleicht finden die beiden es auch ganz erholsam so. Die Spuren jedenfalls sind wertvoll, gerade jetzt. Gesundheit und Frohsinn wünsche ich!  
die Augustiner
06.05.2020
07:24 Uhr
     
Ein außergewöhnlicher Prediger, der die Menschen in seinen Bann zog und dafür sorgte, dass sogar der Platz vor St. Severin gefüllt war und der Gottesdienst nach draußen übertragen wurde, feiert heute seinen 80. Geburtstag.
Lieber Traugott, wir gratulieren dir von ganzem Herzen und wünschen dir und einer Ingrid eine weiterhin schöne, gesunde Zeit. Behalte deinen Esprit und deine positive Lebenseinstellung, auch wenn der Geburtstag heute anders ablaufen wird als sonst, wenn die Keitumer dein Haus "stürmten".
Genieße deinen guten Rotwein und sei sicher , dass heute viele Menschen an dich denken werden.
Deine Augustiner
 
Helmuth
05.05.2020
09:31 Uhr
     
späte Reaktion auf die Frage, warum grade dieser Text zu "Der Herr ist mein Hirte"? Dass "der Herr" im Psalm das Festmahl als Servicekraft (dienend) vorbereitet und begleitet, hatte mich vorher so noch nicht erreicht und es schloss sich erstmals zusammen mit "sich alle Dinge (des Lebens) zu Besten dienen" zu lassen. Gott, Liebhaber des Lebens und möglicherweise sogar "das Leben selbst".  
MUT
04.05.2020
14:22 Uhr
     
Dr. med. werauchimmer :-) SIE SPRECHEN MIR AUS DEM HERZEN  
Dr. med. werauchimmer
04.05.2020
10:40 Uhr
     
Die Augustiner sagen es, TG. Ohne Wirtschaft würden wir keine Medizintechnik mehr haben. Die meisten Geräte kommen von Siemens, Philips und GE. Die erste Impfung wird vermutlich aus Israel, den USA oder GB kommen, Zwei deutsche Firmen sind vorn dabei. Bei der Impfung wird es nebenbei darum gehen, ob sie Nebenwirkungen hat. Und es ist gar nicht sicher, ob eine machbar ist. Wichtiger ist die Entwicklung und vor allem Vorratshaltung von wichtigen Medikamenten. Es laufen Versuche mit Malariamitteln, Remdesevir und Plasma von Genesenen. Etwas fehlt in der heutigen Medizin: Die würdige Begleitung Schwerkranker, unterstützend mit Morphium, in Zusammenarbeit mit Theologen, vonseiten der Medizin. Die Begleirung in die andere Welt. Wird auch unterirdisch bezahlt. Nur Gerätemedizin ist lukrativ. Ein Labormediziner verdient um Klassen mehr als ein Kinderarzt, der viel Zeit damit verbringen muss, mit den Eltern zu reden. Es ist mir ein Grausen geworden, zu beobachten, wie man Ältere, Kranke isoliert und dann einsam sterben lässt, wie man das einfach so für sie "organisiert". Zuerst gesehen in China - dort nicht verwunderlich - und dann im katholischen Italien und in Spanien. Grauenvoll. Auch für einen würdigen Lebensbeginn musste von Müttern gekämpft werden. Am Lebensende ist Not am Mann. Die Medizin wird zum Menschenfeind, aber wir, Krankenhausärzte und Schwestern, haben das nie gewollt und nicht bestellt.  
die Augustiner
02.05.2020
08:52 Uhr
     
Ja, das sind gute Gedanken treffend formuliert, doch dürfen wir u.E. nicht vergessen, dass wir das alles nur mit einer gut funktionierenden Wirtschaft stemmen können. Die Situation ist für alle Beteiligten äußerst schwierig, denn niemand weiß wirklich etwas über das Virus.
Uns bleibt nur , in Wartestellung zu verharren , zu hoffen und zu beten.
 
tg
28.04.2020
10:28 Uhr
     
Gut, Bruder Schäuble: Leben ist nicht alles. Aber gegen alle Mißverstehenden: Nicht die Wirtschaft soll den Vorrang haben. Sondern die Menschenwürde. Also nicht Leben verlängern um jeden Preis, sondern auch sterben dürfen, wenn es gut ist, vom Leben zu lassen. Und Brot, Bildung, Arbeit, Kultur, gemeinsames Beten brauchen Raum. Und man kann nicht eingesperrt bleiben, damit das Virus einen nicht erreicht. Menschennähe, Freiheit, Liebe müssen möglich bleiben. Auch müssen wir wieder unsere Grenzen öffnen für Verhungernde, müssen Medizintechnik weitergeben, werden unserm Land nicht mehr Anticorona-Impfstoff - wenn er gefunden ist- sichern als wir ihn anderen Ländern mit beschaffen. Wir brauchen uns alle mehr denn je.  
tg
23.04.2020
19:45 Uhr
     
Drank für den Tipp. Aber was ist Dir wichtig, hilfreich, wie ist Dir der 23. Psalm mit Roths Auslegung inniger geworden, ganz persönlich?  
Helmuth
20.04.2020
14:12 Uhr
     
Von Patrick Roth gelesen, Anlass Corona,Worte zum 23. Psalm. Ostern 2020«, neue Fassung 13 Minuten https://www.youtube.com/watch?v=afJRhkaUdqw&feature=youtu.be  
Luise
20.04.2020
11:13 Uhr
     
Was wäre ein geistig- spiritueller Klimawandel meines Herzens? könnte ich mich fragen - weiterhin im komfortablen Konjunktiv. Hilde Domin spricht im Indikativ:

So wie der Vogel
innehält und sich wendet im Flug,
so jäh, so ohne Grund
dreht sich das Klima des Herzens.
Weiße Flügelsignale im Blau,
Auferstehung
all unserer toten
Blumen
im Osterwind
eines Lächelns

Hilde Domin (aus "Osterwind")
 
Flügelfreundin
17.04.2020
08:25 Uhr
     
Die Niederungen meines Alltags waren schon sehr niedrig, wenn ich Ihn ansprach. Allein die Anrede, meistens nachts, machte, dass das Niedrige unscheinbar wurde oder Schweres leichter. Ich war regelmäßig dankbar, dass ich ihn überhaupt ansprechen konnte. Viele Menschen haben diese Möglichkeit aus ihrem Leben ausgeschlossen, lächeln gar über andere, die sie nutzen. Ich kannte mal ein altes Haus mit einer Geheimtreppe hinter einem Kamin. So ähnlich ist es geworden. Etwas ist schwierig, und dann nutze ich die Geheimtreppe. Sie ist erstaunlich gut beleuchtet. Er sagt übrigens zu Maria, sie könne ihn "noch" nicht anfassen. Interessant ist auch - die Predigt arbeitet das gut heraus - dass er Maria erst mit ihrem Namen anspricht, als sie sagt, dass sie ihren Herrn suche, vorher nicht. Es ist an sich ähnlich wie mit dem Wissen. Es ist da, aber man muss es suchen, sich darum kümmern. Daher war es für mich nie eine Glaubensfrage. Alles das ist für mich ein Teil vom Wissen, von einer Weisheit, die wir nur in Umrissen sehen.  
tg
16.04.2020
18:36 Uhr
     
Wir bekommen wohl nicht mehr vom Auferstandenen als den Ruf: "Folge mir nach!"- Er geht uns voran als Bergprediger und wir folgen ihm hoffentlich. „Liebe! Und tu was du willst“(Augustin).- Im Geschehen, das in meinem Tun und Lassen dann wirklich wird, lebt die Gefährtenschaft mit dem Herrn.
Was wir dabei nicht finden ist die Erlösung aus den Niederungen unseres Alltags. Aber diesen Alltag nehmen als Treffpunkt mit dem Auferstanden- und er gestaltet unser Leben grundlegend, bis ins ewige Leben. Kann das nicht so sein?
 
Helmut Edelmann
16.04.2020
11:00 Uhr
     
Die Osterwoche geht in ihre zweite Hälfte, die Emmausjünger erleben einen Auferstandenen, der mit ihnen geht. Er kommt dazu und ist zur Stelle. Um sich mitzuteilen braucht er seiner Freunde Gestimmtheit. Der Kontext, das Milieu sind wichtig für das Ankommen können des Auferstandenen. Erkannt 'vergeht' er voraus in eine andere Wirklichkeit. Die Herzen brennt und wollen nachgezogen werden in eine andere Sinnlichkeit. Die Jünger bleiben zurückgeworfen in ihren Alltag. Frage: Wie haben sie gewuchert mit ihrer Gotteserfahrung um den auferstandenen Christus?

Diese Frage stelle ich mir auch beim Predigttext vom Ostersonntag. Die Predigerin hat mir geholfen, die Begegnungssituation näher zu betrachten und Maria Magdalenas Christuserfahrung nachzuspüren. Schon am Ostermorgen ruft der Auferstandene einer sich bereits Abwendenden (abgewandten) hinterher. Mit Namen und Stimmenklang wird es für sie Ostern. Freilich, Maria Magdalena sucht und fragt und bringt ihre Karsamstagsenergie mit in den Morgen danach. Das Wunder: Jesus Christus ist da, ruft und gestaltet ihr Leben grundlegend.

Mein Ostermorgen, am Sonntagsfeiertag und am Ostermontagsfeiertag, wie lade ICH mich ein zur Begegnungssituation, wie erreicht der Auferstandene mich. - Die vielen gepredigten emphatischen und akklamatorischen Herold-Triaden sind es nicht. Diese degradieren mich zum Zuschauer eines Mysterienspiels.

Wie schaue ich den mir nahe sein Wollenden Auferstandenen? Wie verwandelt sich das Angelt meiner Auferstehungshoffnung in ein Auferstehungserlebnis. Diese andere Wirklichkeit, die im Garten-Rabbi aufscheint, ist Glaubenssache, gewiß. Doch sie hat nach den Evangelien eine sinnlich-reale dieseitige Komponente. - Ich laufe zurück zur weitgehend verbrürgten Historie, und zur Geschichte der Glaubenszeugen und zur Osterpredigt und bleibe im Bittgebet um Erlösung aus den Niederungen meines Alltags. Mein Osterglaube will aufgerufen werden. Meine Gestimmtheit bittet um Gehörtwerden, um meinen Ostermorgen!
 
Flügelfreundin
15.04.2020
11:54 Uhr
     
Vorsichtshalber sage ich dazu, dass die Frau Präses es einwandfrei formuliert hatte. Nur landete es dann wohl auf einer tschechischen oder polnischen Tastatur. Die Predigt verdient, viel geteilt zu werden. Ich werde sie privat vorlesen. Sie ist eins dieser Haftfüßchen, mit denen Menschen eintauchen können in Religion, auch nur kurz, aber immer etwas davon behalten. Der erste Absatz hat es übrigens in sich.  
Flügelfreundin
15.04.2020
11:20 Uhr
     
TG, wunderschön. Ich habe mir vor dem Ausdrucken die Lücken eingefügt und die wohl polnische Buchstaben statt Zeichen verbessert. Sie können es gern so übernehmen und mit TG versehen, wenn sie möchten. Es ist so lesbarer und verdient, gelesen zu werden. Und vielen Dank dafür.

Sonntag, 12. April 2020Dr.h.c. Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von WestfalenPredigt zu Johannes 20, 11-18ZDF-Ostergottesdienst aus der Saalkirche in Ingelheim am 12. April 2020

Ostern ist anders, liebe Gemeinde. Ganz anders. Gähnende Leere in den Straßen. Kein buntes Treiben in den blühenden Gärten der Stadt. Kein Besuch von Familie oder Freunden. Alle bleiben für sich, daheim, mit den Allernächsten. Halten Abstand, schotten sich ab. Vorsichtshalber. Es ist zu gefährlich da draußen, heißt es, seit sie Jesus ans Kreuz geschlagen haben. Erst wenige Tage ist das her. Seitdem herrscht Ausnahmezustand bei den Jüngern damals in Jerusalem. Sie sind auf der Hut, nehmen sich in Acht. Viel zu groß ist die Gefahr, verpfiffen zu werden. Viel zu hoch das Risiko, sich zu infizieren mit der Wut der anderen; angesteckt zu werden vom Hass, der Jesus ans Kreuz brachte. Schlimmstenfalls könnten sie selbst dabei draufgehen so wie er. Ja. Ostern ist anders. Ganz anders. Und zwar schon immer! Von Anfang an. Das erste Osterfest begann mit Abstand und Einsamkeit, mit Furcht und Trauer. Maria ist die Allererste, die sich aufmacht am Ostermorgen. Die Allererste, die merkt, dass etwas nicht stimmt. Hören wir, was der Evangelist Johannes erzählt: Lesung: Johannes 20, 11-18 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen.
II. Maria steht am Grab und weint. Die meisten von uns haben schon an Gräbern gestanden. Manche in den letzten Wochen erst. Nur fünf oder zehn durften mitkommen, höchstens. Einige standen dort vielleicht ganz allein. Allein wie Maria. Das Grab, an dem Maria steht, ist das Grab Jesu. Sie nannten ihn Christus, und sie sagten, er sei Gottes Sohn. Er hatte einzelne Menschen geheilt,und sie ahnten: In ihm war Gott selbst da und schuf neues Leben. Er hatte zu ihnen gesprochen, und sie ahnten: Durch ihn sprach Gott selbst und berührte die Herzen. Dieser Jesus, den sie Christus nannten, Gottes Sohn, der war gestorben. Maria steht vor dem Grab und weint. Sie will Jesus nah sein. Einmal noch. Und wenn es auch nur der tote Jesus ist. Sie will ihm nah sein: Was hat dieser schlichte Wunsch in diesen Wochen für einen Klang! So viele sehnen sich danach, einander nah zu sein. Berühren und sich berühren lassen, in die Arme nehmen und umarmt werden. Es tröstet und wärmt und schützt. Zur Zeit ist leider auch das anders. Einander-nah-Sein ist jetzt vor allem gefährlich, ansteckend, verboten. In mancher Wohnung, in mancher Beziehung, in manchem Flüchtlingslager verkehrt es sich in quälende Enge, in gewaltsame Übergriffe, in bedrängende Not. Was weinst du, fragen zwei Engel aus dem Grab heraus. Behutsam fragen sie, fürsorglich und zart. Aber ihre Nähe tröstet Maria nicht. Jetzt nicht. „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! Was für ein verzweifelter Satz in einer Zeit, in der aus Turnhallen Intensivstationen werden und auf den Hinterhöfen mancher Krankenhäuser Kühlwagen stehen für die Toten. Ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! Maria hat all ihre Hoffnung auf ihn gesetzt. Und jetzt ist er tot. Weg. Nicht einmal der Leichnam ist aufzufinden. Maria stellt fest: Jesus hat mich allein gelassen. Viele Menschen stellen das so fest, für sich, nicht nur an Gräbern: Mein Gott hat mich allein gelassen.
III. Maria dreht sich um vom Grab und sieht, so wird erzählt, Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. In diesem kleinen Halbsatz, liebe Gemeinde, steckt das ganze Geheimnis des Ostertages. Sie sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Der Auferstandene ist da, und sie erkennt ihn nicht. Während sie mit Haut und Haaren verstrickt ist in ihre Situation, überwältigt von ihrer Einsamkeit, gefangen in ihrer Not - ist er längst da. Das heißt doch: Auch wenn ich nicht weiß, auch wenn ich gefangen bin in meiner Situation, auch wenn ich im Moment keinen Zugang finden sollte zum auferstandenen Christus, dann macht das dessen Lebendigkeit nicht zunichte! Dass er lebt, hängt nicht von meinem Glauben ab. Wo ich wie gebannt auf das starre, was mein Leben bedroht, steht er, der Lebendige, längst hinter mir und wartet darauf, mir zu begegnen.
IV. Wer sich hinein begibt in diese Ostergeschichte; wer sich buchstäblich hineinstellt in die kleine Szene, neben Maria ans Grab, und ihre Bewegungen mitvollzieht, wird eine verblüffende Entdeckung machen: An einer Stelle stimmt etwas nicht! Maria wendet sich vom Grab um, sieht Jesus stehen, der spricht sie an, sie erkennt ihn nicht, hält ihn für den Gärtner, fragt ihn nach dem Leichnam, und Jesus ruft ihren Namen: „Maria! Darauf heißt es im biblischen Text: Sie wandte sich um und sagt zu ihm: Rabbuni – Meister! Seltsam, eigentlich müsste sie ihm bereits zugewandt sein, er stand ja am Grab direkt hinter ihr. Offenbar fehlt da ein Satz. Offenbar hat es in dieser Begegnung zwischen Maria und Jesus einen Moment gegeben, den der Evangelist Johannes nicht erzählt. Einen Moment, in dem Maria losgelaufen ist, vom Grab weg, auf der Suche nach dem Toten, am Lebendigen vorbei. Doch der Auferstandene unterbricht ihren Lauf, sagt ihren Namen: „Maria! Dabei muss er sich nach ihr umgedreht haben, sie ist doch gerade an ihm vorbeigelaufen. Er, der Auferstandene, wendet sich um und ruft ihr hinterher: Maria! Sie hört ihren Namen, hält inne, dreht sich um, und jetzt, endlich - stehen sie einander gegenüber. Jetzt endlich - treffen sich ihre Blicke. Jetzt endlich - sehen sie einander an. Jetzt endlich erkennt sie ihn. Als sie merkt: Er kennt mich! Sie muss nicht mehr suchen, sie ist ja gefunden. Sie braucht nicht mehr dem Toten nah zu sein, der Lebendige ist ja da und berührt sie mit seinem liebevollen Blick. Kann es größere Nähe geben? In diesem winzigen Moment der Geschichte steckt Ungeheuerliches. Das Heil der Welt liegt darin; deine und meine Zukunft: Gott selbst wendet sich um nach dir und nach mir, ruft uns hinterher. Gott seinerseits findet uns, während wir ihn verzweifelt suchen. Gott gibt sich zu erkennen, indem er dich und mich beim Namen nennt. Dich meine ich. Du liegst mir am Herzen. Dich lasse ich nicht im Stich.
Maria erkennt ihn. Und jetzt will sie ihm wieder nah sein, so wie früher. Nichts hat sie sich doch sehnlicher gewünscht. Jetzt endlich will sie ihn wieder berühren. Umarmen. Ihn am liebsten nie mehr loslassen. Aber der Auferstandene sagt: „Rühr mich nicht an! Das klingt hart und streng. Ganz anders als das liebevolle „Maria!. „Rühr mich nicht an!: Ein traurig vertrautes Verbot in dieser Zeit! Menschen kommen uns vor Augen, voller Sorge, einsam, strikt isoliert. Womöglich, liebe Gemeinde, sind diese Worte der Clou an der ganzen Sache. Womöglich liegt ausgerechnet in diesem Nicht-Berühren-Dürfen die Kraft des Ostergeheimnisses. Nähe, die mehr ist als Anfassen und Umarmen. Nähe, die auch dann gewiss bleibt, wenn wir uns so wie jetzt körperlich nicht nah sein können oder dürfen. „Rühr mich nicht an!: Ohne dieses Verbot des Auferstandenen bliebe Ostern trügerisch und missverständlich. Ein Jesus, den Maria umarmen, be-greifen und festhalten könnte, müsste irgendwann doch wieder sterben. Maria aber begegnet dem Auferstandenen. Für ihn ist der Tod Vergangenheit, ein für alle Mal. Sie kann und darf ihn nicht festhalten, als wäre wieder alles beim Alten. Sein Leben ist nicht wie vorher. Das Leben ist neu. Auch für uns. Der Auferstandene sagt: Ich rufe dich bei deinem Namen. Du gehörst zu mir. Im Leben. Im Sterben. Und durch den Tod hindurch.
V. Ostern ist anders, liebe Gemeinde. Rettend anders. Heilsam anders. Und: Ostern macht anders. Ostern verändert. Dich und mich. Und die ganze Welt. Wie auch immer uns unsere Wege führen: Wir gehen auf das Leben zu. Die Frau, die weinend am Grab stand und gefangen war in der Welt des Todes, bleibt nicht die Alte. In sie kommt neues Leben. Schon jetzt. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«.
Maria will es nicht für sich behalten. Sie muss davon erzählen. Anfassen, berühren, be-greifen kann und darf sie ihn nicht. Aber ihr Herz ist berührt durch die Liebe des Auferstandenen. Ihr Leben ist berührt durch eine neue Aussicht, die stärker ist als der Tod. Ihr Glaube ist berührt durch eine Hoffnung, die über alles hinausgeht, was wir zu denken vermögen. Und wenn wir gleich, am Ende des Gottesdienstes, mit unzähligen Menschen in ganz Deutschland gemeinsam singen und musizieren: Christ ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein - dann mag es geschehen, dass dieser alte Osterhymnus uns ganz neu berührt. Dass im Singen und Musizieren etwas mit uns geschieht. Dass wir spüren: Es reißt uns mit weit hinaus über unseren kleinen Mut und unsere zaghafte Hoffnung. Nicht nur in dieser verrückten Zeit. Das gebe der lebendige Gott. In diesem Sinne: Ein ganz anderes, hoffnungsvolles Osterfest. Amen.
 
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