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:: lebensmut.de ::
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JM
10.02.2016
11:48 Uhr
     
Kathrin, ein sehr schönes Gedicht.

Ich komme gerade von einer älteren Frau - Ehemann und 2 ihrer 5 Kinder verstorben. Sie kennt sicherlich jeden Strauch, jede Blume und jedes vorbeifahrende Auto, weil sie am Fenster sitzend nach draußen schaut. Sie verläßt das Haus nicht mehr, nicht nur wegen der Gesundheit. Große Freude kommt auf, wenn jeden morgen PAPS (Privater Ambulanz und Pflegedienst) kommt, spezielle Strümpe anzieht und abends wieder auszieht. Wenige Worte werden gewechselt, weil einfach die Zeit fehlt. Jeden Mittwoch schaue ich bei ihr vorbei, rede mit ihr und putze durch die Zimmer. Meine Frau besorgt den Einkauf. Probleme mit Ämtern, Versicherungen, Zeitungsverlage usw.; erledige ich für sie. Ich habe einmal zu ihr gesagt, dass sie keinen Fremden mehr reinlassen soll. Früher ließ sie sich alles andrehen und ich musste dann wieder alles kündigen, was nicht immer leicht war. Diese Menschen haben keine Lobby, weder in der Politik, noch in irgendwelchen Konzernen oder auch bei keinem Hilfeverein. Sie kosten dem Staat und der Krankenversicherung nur noch Geld. Sie konsumieren nicht mehr genug und fahren nicht mehr in den Urlaub.
Könnte es sein, dass man deshalb die Debatte über die Sterbehilfe so ungehindert führen kann? Weil sich diese Menschen ja nicht mehr wehren und sie für Staat und Gesellschaft nur noch lässtig sind?

Gerne würde ich mit ihr über etwas schönes reden, aber sie ist sehr niedergeschlagen und depressiv. Welche Hoffnung sie hat, was sie nicht verzweifeln läßt - ich weiß es nicht, sie redet nicht darüber. Manches mal sitzen wir uns schweigend gegenüber, tut beiden gut. Wenn ich mich auf dem Heimweg mache, spüre ich jedesmal, wie wichtig der christliche Glaube und die Hoffnung für mich ist. Ich wüßte nicht, was ich machen würde, wenn mir dieser Halt fehlen würde.

Diese Arbeit an der Basis würde ich so manchen empfelen, damit ihnen einmal die Augen aufgehen. Es gibt wahnsinnig viel Leid hinter den Türen. Man will es nur nicht wahrhaben.

Ich würde mich freuen, wenn diese Menschen auch so oft erwähnt würden, wie andere Gruppen. Aber das interessiert eben keinen, wie sie leben. Alles wird in Minuten abgerechnet, weil kein Geld da ist. An anderen Ecken wird es mit vollen Händen rausgeschmissen. Ich könnte dazu noch so vieles schreiben, aber ich merke jetzt schon, wie es wieder in mir kocht. Einfach nur noch zum k.....!

Danke Kathrin. Entschuldigen müssen sie sich nicht.
 
Kathrin
10.02.2016
10:05 Uhr
     
Vorsichtshalber entschuldige ich mich schon mal im Voraus. Das 'Gedicht' steht da jetzt so wie ein Abstandshalter, aber ich finde es einfach gut und dachte, vielleicht findet es ja noch jemand gut und fühlt sich verstanden. Es war einfach so ein Teilebedürfnis, aber ich wollte wie immer kein Gespräch unterbrechen, ich bin so eine Art Menke, die gern ab und zu hier eine kleine Spur hinterlässt, aus irgendeiner Sehnsucht heraus oder ich weiß nicht was.
Nicht böse sein.
 
Kathrin
10.02.2016
09:05 Uhr
     
Ich bekomme jetzt viele
Anrufe. Sie sind alle
gleich. „Sind Sie Charles
Bukowski? Der all diese
Sachen schreibt?“
„Ja", sage ich.
Sie sagen mir, dass sie
mein Zeug verstehen,
und manche sind selber
Schriftsteller oder
wollen welche werden
und sie haben öde
schauerliche Jobs
und rufen mich an
weil sie es an diesem
Abend nicht mehr aus-
halten in ihrer Wohnung
in ihrem Zimmer
in ihren vier Wänden −
sie wollen mit jemand
reden
und sie wollen nicht
begreifen, dass ich ihnen
nicht helfen kann,
dass ich die erlösenden
Worte nicht weiß.
Sie können nicht be-
greifen, dass ich jetzt
oft in meinem Zimmer
einknicke und mir die
Hände in den Bauch presse
und stöhne: „O Gott, nicht
schon wieder!“
Sie können nicht begreifen,
dass die abgestumpften
Mitmenschen
die Einsamkeit
die Straßen
die Wände
auch für mich
dieselben sind.
Und wenn ich auf-
lege, denken sie,
ich hätte ihnen mein
Geheimnis verschwiegen.
Ich schreibe nicht, weil
ich etwas besser weiß.
Wenn das Telefon läutet,
würde ich auch gerne
Worte hören, die mir
einiges leichter machen.
Deshalb steht meine Nummer
im Telefonbuch.

Charles Bukowski
 
Abendrot
09.02.2016
20:01 Uhr
     
Man darf nicht von seinen eigenen Gören ausgehen. Was ich manchmal sehe, stellt mir die Nackenhaare auf: I-Phone, I-Pad mit vier Jahren, Eltern mit ihren Kindern bei Tisch im Restaurant, und die Kleinen malen nicht mehr, sondern tippen herum. Die werden total steuerbar sein (wie bei Huxley, Orwell). Und nicht nur von Deutschland. Die Amerikaner haben bots im Netz und die Russen auch. Deswegen müssen wir Älteren wachsam sein. Und jeder einzelne Denker fehlt.  
Abendrot
09.02.2016
19:35 Uhr
     
tg, ich möchte hier nicht so genau werden mit der Schule, sonst könnte ich schon über einige Verformungen berichten und sagen, wie viele daraus ausbrechen: Ca. zwanzig Prozent.

Aber im Moment ist etwas Hoffnung, da einige Autoren aus dem Mainstream ausbrechen. Frau Merkel hat sich das vermutlich bei Sarkozy abgeschaut: Schrieb einer was, das ihm nicht passte, war der weg vom Fenster. Und Obama ist da auch nicht ohne. Der Beste war Frank Schirrmacher, und wo ist er?: Bei Gott.

Und wenn ich mal fragen darf: Wie viele Pastoren haben sonst noch die Perikopenordnung ignoriert und gemacht, was ihnen gerade gefiel? Und wie viele Kirchen sind so voll wie St. Severin war? Bitteschön, gern geschehen. Ich hatte immer ein Faible für solche Leute, auf jedem Gebiet, und das hatte einen Grund: Ich wollte mich nicht unsäglich langweilen. Ich bin keine Kuh und brauche kein alternativloses Regurgitieren und keinen Staatschef, der was von alternativlos murmelt. Nichts ist alternativlos.
 
Mein Kind wir waren Kinder
09.02.2016
19:16 Uhr
     
TG: Lustig.

Heine auch:
Wir saßen auch oft und sprachen
Vernünftig, wie alte Leut',
Und klagten, wie alles besser
Gewesen zu unserer Zeit.
 
JM
09.02.2016
18:00 Uhr
     
Die nachfolgenden Zitate stammen von Aldous Leonard Huxley (* 26. Juli 1894 in Godalming, Surrey (England); † 22. November 1963 in Los Angeles), einem britischer Schriftsteller:

1. Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.
2. Noch nie waren so viele so sehr wenigen ausgeliefert.
3. Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit.

Für mich irgendwie passend zur Asylpolitik.
 
tg
09.02.2016
16:18 Uhr
     
Schon Brecht dichtete: "Nach uns wird kommen:Nichts Nennenswertes. "Das ist doch nur arrogant. Ich will es lieber mit dem Landsknechtlied halten: "Geschlagen ziehen wir naach Haus, he-i-oho; die Enkel fechtens besser aus,He-i-oho". .  
Abendrot
09.02.2016
12:41 Uhr
     
Kathrin: Was mich daran berührt, ist der Eindruck, dass nichts Wesentliches mehr nachkommt. Hoffentlich täusche ich mich.

JM: Der wesentliche Punkt für mich war, dass sechs Kanzler, ihr Volk, zu dem ich gehöre, unsere Bemühungen, die Vielfalt usw. einfach einkassiert wurden, als wären wir nichts und hätten uns nie bemüht. Und ihren Überflug hat Schröder vorbereitet, sie sahnt nur ab.
 
Kathrin
09.02.2016
09:15 Uhr
     
Alle gehen sie dahin.

Habe Roger Willemsens Parlieren mehrere Male live erleben dürfen und bin sehr traurig.

"Wir ahnen, dass wir auf verlorenem Posten stehen..." (Marlen Haushofer)
 
JM
08.02.2016
16:30 Uhr
     
In meinem Freundeskreis befindet sich eine Mutter, welche 3 Kinder hat. Sie ist geschieden, 1 Kind schwerstbehindert verstarb vor ca.; 8 Jahren. Ein weiteres Kind ist schwerstbehindert, sitzt im Rollstuhl und wohnt in einer Einrichtung für Körperbehinderte wo es auch einer beruflichen Tätigkeit nachgeht - so gut es geht. Zu dieser Frau habe ich einen sehr guten "Draht" und wir diskutieren über Gott un die Welt. Als dieser Junge noch eine Schule für Körperbehinderte besuchte, habe ich auch eine sehr enge Freundschaft mit einem Lehrer mit einer Lehrerin geschlossen.

Warum ich das schreibe? Weil Sie - Abendrot - das Wort Inklusion genannt haben. Wenn Sie mit diesen 3 Personen, die ja wirklich an der Basis arbeiten, sprechen, werden sie Ihre Aussagen zur Inklusion bestätigen. Es trifft wirklich den Nagel auf den Kopf. Unglaublich, was in Schulen, Kindergärten und Arbeitsstellen bezüglich der Inklusion stattfindet, nach aussen aber als so toll dargestellt wird. Aber nicht nur die Inklusion, sondern auch das, was bezüglich des Gender Mainstreaming gelehrt und verbreitet wird - einfach unglaublich.

Und da gibt es tatsächlich noch Menschen, die an eine Demokratie glauben - alle Macht geht vom Volke aus? Selten so gelacht. Da muss man nicht einmal die aktuelle Situation betrachten: Oder hat irgendjemand mitbekommen, dass im Parlament eine Diskussion stattfand, als es um die Grenzöffnung im September vergangenen Jahres ging? Griechenland - auch da hat eine Person gesagt wo der Hase herzulaufen hat. Wozu brauchen wir also ein Parlament? Keine Ahnung! Ob ich Politikverdrossen bin? JA! Ob ich noch einmal wählen gehe? NEIN! Und ich lasse mir auch kein schlechtes Gewissen einreden, wie es bei den vergangenen Wahlen oftmals gewesen ist. Ob ich meine Meinung nochmals ändere? JA, wenn sich die Politik ändert und wir so etwas wie eine Demokratie bekommen. Ob ich meine Meinung mit meinem Gewissen vereinbaren kann? Ein klares JA! Noch kann ich entscheiden ob und wen ich wähle. Ob ich einmal eine andere Meinung hatte? JA, zu der Zeit, als wir Politiker hatten, wie Sie, Abendrot sie schon genannt haben.

Interessant ist folgendes: Bis vor einigen Jahren habe ich meine Meinung aus 2 Fernsehprogrammen und 2 Tageszeitungen geholt. Für mich war alles glaubhaft, was ich sah, las oder hörte. Irgendwann, währen einer Diskussion, bekam ich den Hinweis, sich solle mir auch einmal andere Medien ansehen, anhören und lesen. Dadurch habe ich erstmals etwas von der Macht von Bildern und Worten mitbekommen. Anfangs unglaublich, was ich mitbekam. Bis heute bin ich erstaunt, was Bilder und Worte für eine macht haben. Wirklich unglaublich.
 
Abendrot
08.02.2016
11:47 Uhr
     
Das ist wieder einer der Tage, an denen das Geschriebene in mir weiter arbeitet. Als die Politik Ende 13/14 mit Inklusion auftrat, habe ich den Kopf geschüttelt. Mein Mann und ich haben immer mit jedem geredet, versucht, eine Ebene zu finden, entsprechend haben wir unsere Kinder ernst genommen, hatten nie diese Kinderstimme und sind nicht mit den Hunden auf der Erde herumgekrochen. Viele Deutsche und Europäer können das. Meine Nachbarin hatte ein paar Gehhilfen draußen stehen und ich klingelte, weil ich dachte, sie hätte sich was gebrochen. Dann hätte ich ihr mit eingekauft. Viele machen das. Da kommt die Politik und meint, sie müsste uns zwingen, andere zu inkludieren. Sie behandelt uns also wie Zellen. Seitdem habe ich mit ihr fertig, mehr oder minder. Man muss uns nicht infantilisieren. Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt, auch Kohl und Schröder haben uns in internationale Beziehungen eingebunden, irgendwie selbstständig gemacht, was schwer war nach 12 Jahren NS, also sie waren insgesamt gut. Plötzlich tritt eine Regierung auf, die uns entgegentritt, als wären wir Kinder. Und dafür haben sie Rechte geerntet. Sie sind selbst daran schuld, wenn sie ihr Volk plötzlich schrumpfen. Sie sind seit 2013: "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft." Jetzt dampft die Antwort, und sie kriegen den Deckel nicht mehr drauf.  
Abendrot
08.02.2016
11:17 Uhr
     
JM:
Ich habe jemanden gelesen, der eindeutig in jeder Beziehung über mir steht, Geburt, Ausbildung, Finanzen. Der steht zu sich und drückt das aus. Gott, ist das erholsam, dachte ich. Ich habe diese Selbstentschuldigungen, dieses Buckeln und Schämen und Fremdschämen und outcry und Empörung, vor allem Gruppenempörung, über. Ich wünsche mir lieber wieder Menschen, die zu sich stehen, ob sie jetzt minderprivilegiert sind oder etwas geleistet haben oder einfach nur von Geburt begünstigt sind oder Malocher, die von unten nach oben kommen. Erholsam war der Mann, mit dem ich nicht mithalten könnte, was mich nicht davon abhalten würde, mich zu äußern.
Jesus redete davon die halbe Zeit: Bist du blind, wirst du gefälligst sehend, bist du lahm, wird es Zeit loszugehen. Jesus redete von der inneren Selbstständigkeit und Angstfreiheit. Es muss Sadismus gewesen sein, als er diesem Schisser Petrus die Last einfach auf die Schultern packte. Es ist klar, dass die Römer ihn fürchteten, wie der Teufel das Weihwasser. Politiker haben einen Horror vor zu vielen selbstständigen Menschen.
 
Abendrot
08.02.2016
10:23 Uhr
     
JM, das ist mir wichtig:
Sie können sich sehr gut ausdrücken. Vielleicht hat Jakobus mehr gelesen, ich vielleicht auch, aber an Ihrem Ausdruck ist nichts auszusetzen, zumal etwas Persönliches darin enthalten ist. Mein Mann, gut ausgebildet, hatte übrigens am liebsten Handwerker um sich. Er holte reichlich zu essen und fragte sie aus, besonders Spediteure. Als Junge wollte er natürlich Lok-Führer werden, sein Sohn entsprechend mit vier Jahren Bauarbeiter. Mutter, entsetzt: "Bauarbeiter geht in dieser Familie nicht. Wenn, dann Architekt." Der Kleine: "Wieso?" Tja. Wir sind doch auch manchmal nur verbildet, nicht Jakobus, ich wohl auch nicht, aber manche.

Jakobus, als ich die Zerstörung der Heiligtümer von Ninive und von Palmyra gesehen habe, wusste ich, dass das nicht das Geringste mit Religion zu tun hat; ich muß nur einen Moment an die Alhambra denken oder noch besser, an die Mezquita. Ich möchte Ihnen erzählen, wie ich mit den Kindern nach der Monet-Ausstellung nach Rouen fuhr. Wir fuhren an der Seine lang, suchten, und durch eine Lücke sah man sie: Die Kathedrale, deren Westportal Monet in unterschiedlichem Licht gemalt hat. Die Kinder sagten bewundernd: "Oh." Und das sagt eigentlich alles. Ich musste später nochmal mit ihnen hinfahren und auch schon mehrfach nach Canterbury und Salisbury sowie Chartres. Aber die kleineren romanischen und Cluny, die zerstörte, aber gut vorstellbare Abtei stehen noch aus. Man kann in Frankreich ja sehr gut Kirchen und Schlösser zusammen besichtigen. Die Kirchen haben die innere Größe, die Schlösser nur die Pracht. Das schönste an Amboise ist die Freundschaft von Francois I und Leonardo da Vinci.
Einige der größten Kathedralen liegen wie Perlen an einer Kette auf etwa derselben Breite, von West nach Ost: Salisbury, Winchester, Canterbury, Rouen, Amiens, Laon, Reims, Strasbourg, Freiburg, Ulm. Faszinierend. Schöne Reiseidee. Immer geradeaus, drei Länder.
 
JM
07.02.2016
19:59 Uhr
     
Jakobus, wunderbar geschrieben. Ich kann mich oftmals nicht so richtig ausdrücken und freue mich dann umso mehr über solche Texte.

Sie und auch Abendrot können - so habe ich zumindest den Eindruck - meine Gedanken lesen.

Deshalb bitte ich all diejenigen, welche meine Gedanken falsch verstehen, um Nachsicht. Leider geht es nicht besser. Aber ich gebe mir wirklich Mühe.
 
jakobus
07.02.2016
19:40 Uhr
     
Ich möchte nochmal auf JM zurückkommen: Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass die besondere Spiritualität unserer Kirchen und Kapellen von vielen Menschen neu entdeckt wird, sei es durch Stille, Gebet und Meditation. Die Kirchen, in denen Jahrhunderte Glück, Leid und Trauer vor Gott gebracht wurden, in denen Abendmahl gefeiert wurde, kurz, in denen in Zeiten des Verlustes von Tradition und Gedächtnis eine Kultur der Erinnerung erfahren werden kann, sind durchbetete und auch von Nichtgläubigen als heilig empfundene Räume. Ihrer Besonderheit, ihrem "gebieterischen Schweigen" (Mercier) kann sich kaum jemand entziehen. Im "Nachtzug nach Lissabon" heißt es: "Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen." Und weiter "Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt."
Grüße von jakobus
 
JM
06.02.2016
19:08 Uhr
     
"Meiner Meinung nach werden wir armselig, wenn wir nicht verschiedene Standpunkte zulassen und diskutieren..."

Ja, Abendrot, wenn wir in den Diskussionen ihren Satz berücksichtigen würden, dann würde sich keiner auf den Schlips getreten fühlen.

Grundsätzlich ist es in einer Diskussion erforderlich, das beide Seiten ernstgenommen werden. Egal, welche Meinung jemand vertritt. Ich bin Katholik - sollte ich deshalb die Haltung der Kath. Kirche zu Themen wie bspw. Abtreibung, Ehe, Homosexualität, Zölibat, den Sakramenten usw.; nicht aus- und ansprechen dürfen? Die Haltung der Ev. Kirche in all den Dingen respektiere ich selbstverständlich. Auch wenn sie nicht mit meiner Meinung übereinstimmt.

Was Sie zu Matthias Matussek schreiben, würde ich unterschreiben. Für mich ein hervorragender Mann, der weiß, wovon er spricht.

Unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=1TeCtgU8S_4 ist eine interessante Diskussion zu sehen. Leider hat nicht jeder Zeit und Lust sich das 2 Stunden Video anzusehen. Aber es lohnt sich wirklich.
 
Abendrot
06.02.2016
14:21 Uhr
     
JM: Klingt schön. Danke für die Beschreibung. Was mir noch einfiel zu Ihren Bildern: Ich habe Gedichte verfasst und finde sie grottenschlecht. Aber aufgehoben habe ich sie. Für meine Kinder. Sie werden nie das nicht Perfekte daran sehen, sondern den Ausdruck.

Googeln Sie mal Matthias Matussek, zum Katholizismus konvertierter brillanter Journalist. Er traf nach dem 13.November (Paris, Terror) eine Aussage, die von der Realität eingeholt wird, setzte ein Smiley dahinter, auf seinem FB-Account und wurde daraufhin von der Zeitung "Die Welt" entlassen. Ich glaube, dass er in Wirklichkeit entlassen wurde, weil ihnen seine Homophobie auf den Senkel ging. Ich habe ihn immer gern gelesen und manchmal einfach gelacht. Meiner Meinung nach werden wir armselig, wenn wir nicht verschiedene Standpunkte zulassen und diskutieren, auch wenn Autoren zuweilen im Sinne von Stilmitteln deftig sind.
Ich sehe Meinungsfreiheit durch solche Aktionen mehr bedroht als z.B. den Katholizismus oder andererseits den Staat.
 
JM
06.02.2016
05:37 Uhr
     
Abendrot, nicht nur die Walfänger brauchen einen Ort der Ruhe und Geborgenheit.

Seit einigen Jahren helfe ich unserer Kirche als Küster aus. Ich schließe gegen halb sieben morgens die Kirche auf und sauge zunächst diese Stille auf. Absolute Ruhe, ja, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber ich verspüre etwas Göttliches. Wunderbare Momente. Tagsüber kommen dann andere Kirchenbesucher, zünden Kerzen an, beten und schauen sich in der Kirche neugierig um.

Ganz besonders ist die Atmosphäre, wenn die Jahreszeit noch oder schon wieder ihren dunklen Schleier über den Tag legt.

Abends schließe ich dann ab und finde eines ganz besonders beeindruckend: Nachdem ich die Außentüren verschlossen habe, schließe ich gleichzeitig beide Beichtstühle bis zum anderen morgen auf. In einem der Beichtstühle setze ich mich vor einem kleinen Tisch auf dem ein Kreuz, und genieße eine Atmosphäre, die unbeschreiblich ist. Ja, ich verspüre so etwas wie Gänsehaut. Auf einem kleinen Mp3 Player höre ich mir den Barmherzigkeitsrosenkranz, oder einen anderen Rosenkranz an. Gaaaanz leise lausche ich über meine Ohrenstöpsel dem Text und der Musik. Jesus und ich – so empfinde ich es – sind in diesem Augenblick eins. Und obwohl kein Priester anwesend ist, bekenne ich Gott meine Vergehen. Und in dieser wahrlich himmlischen Atmosphäre fällt mir einiges ein. Es sprudelt aus mir heraus, einfach so, ich kann gar nicht anders. Einfach wunderbar.

Nachdenklich verlasse ich „meine“ Kirche und gehe erleichtert nach Hause. Das Beichtsakrament der kath. Kirche - wenn es dieses noch nicht gäbe, es müsste erfunden werden. Für mich sind alle 7 Sakramente eine Gnade Gottes. Die Heiligen Messen, die 7 Sakramente, die Musik, die Lieder alles das zieht mich immer wieder magisch zu Ihm – zu Gott hin. Generationen vor mir haben, wie auch ich, gerade in schweren Krankheiten durch die Sakramente Trost und Heilung erfahren.

Abendrot, DANKE für ihr Stichwort.
 
Abendrot
06.02.2016
00:07 Uhr
     
Die Kirche ist das andere. Man findet so etwas nicht wieder. Wir haben alle Kirchen auf Rügen angeschaut, aber es ist nicht dasselbe. Man kann allein in ihr sitzen, was wir machten, mein Mann und ich, jeder für sich, und man fühlte sich zuhause. Warmgebetet nennt die Gemeinde das ja. Ich glaube, dass es an den Walfängern liegt. Sie brauchten einen Ort der Geborgenheit. Man kann sich ihr Leben gut vorstellen, wenn man Moby Dick gelesen hat. Sie wussten nie, ob sie wieder nach Hause kommen. St. Martin hat auch davon. Eine der größten Tragiken ist wohl, dass de grote Mandränke die anderen zehn Kirchen weggerissen hat. Gott der Herr ist Sonne und Schild passt genau. Es ist fast ein halbes Jahrhundert her, dass ich sie kennen gelernt habe. Damals war Sylt anders. Schöner, ehrlich gesagt. Einfacher. Leiser.
Aber das ist überall so. Will man die Essenz von San Marco oder Notre Dame spüren, muss man um sechs Uhr aufstehen. Und Chartres hat abends ein Lichtspiel, das an einen amerikanischen Weihnachtsbaum erinnert, womit ich nicht sagen will, dass man es nicht schön finden darf, auch wenn es in die Kategorie Edelkitsch gehört.
Einen einzigen kleinen Fehler hat die Kirche: Man soll den Hund nicht mit auf den Kirchhof nehmen. Ich habe mich natürlich darüber hinweggesetzt, schon weil Hunde dort aus dem Brunnen trinken können. Man sollte ein Hundeklo mit Tüten von der Gemeinde aufbauen lassen - nur ein Vorschlag. Früher waren die Tiere mit in den Kirchen, weil dort Markt war. Besonders im Sommer sollte man Hunde nicht im Auto lassen.
Das Blau lässt einen nie los. Wenn ich an die Kirche denke, denke ich blau und könnte fast ein Gedicht schreiben.
Das Blau und der Schriftzug: Gott der Herr ist Sonne und Schild. Fürwahr.
 
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