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Abendrot
08.02.2016
11:47 Uhr
     
Das ist wieder einer der Tage, an denen das Geschriebene in mir weiter arbeitet. Als die Politik Ende 13/14 mit Inklusion auftrat, habe ich den Kopf geschüttelt. Mein Mann und ich haben immer mit jedem geredet, versucht, eine Ebene zu finden, entsprechend haben wir unsere Kinder ernst genommen, hatten nie diese Kinderstimme und sind nicht mit den Hunden auf der Erde herumgekrochen. Viele Deutsche und Europäer können das. Meine Nachbarin hatte ein paar Gehhilfen draußen stehen und ich klingelte, weil ich dachte, sie hätte sich was gebrochen. Dann hätte ich ihr mit eingekauft. Viele machen das. Da kommt die Politik und meint, sie müsste uns zwingen, andere zu inkludieren. Sie behandelt uns also wie Zellen. Seitdem habe ich mit ihr fertig, mehr oder minder. Man muss uns nicht infantilisieren. Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt, auch Kohl und Schröder haben uns in internationale Beziehungen eingebunden, irgendwie selbstständig gemacht, was schwer war nach 12 Jahren NS, also sie waren insgesamt gut. Plötzlich tritt eine Regierung auf, die uns entgegentritt, als wären wir Kinder. Und dafür haben sie Rechte geerntet. Sie sind selbst daran schuld, wenn sie ihr Volk plötzlich schrumpfen. Sie sind seit 2013: "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft." Jetzt dampft die Antwort, und sie kriegen den Deckel nicht mehr drauf.  
Abendrot
08.02.2016
11:17 Uhr
     
JM:
Ich habe jemanden gelesen, der eindeutig in jeder Beziehung über mir steht, Geburt, Ausbildung, Finanzen. Der steht zu sich und drückt das aus. Gott, ist das erholsam, dachte ich. Ich habe diese Selbstentschuldigungen, dieses Buckeln und Schämen und Fremdschämen und outcry und Empörung, vor allem Gruppenempörung, über. Ich wünsche mir lieber wieder Menschen, die zu sich stehen, ob sie jetzt minderprivilegiert sind oder etwas geleistet haben oder einfach nur von Geburt begünstigt sind oder Malocher, die von unten nach oben kommen. Erholsam war der Mann, mit dem ich nicht mithalten könnte, was mich nicht davon abhalten würde, mich zu äußern.
Jesus redete davon die halbe Zeit: Bist du blind, wirst du gefälligst sehend, bist du lahm, wird es Zeit loszugehen. Jesus redete von der inneren Selbstständigkeit und Angstfreiheit. Es muss Sadismus gewesen sein, als er diesem Schisser Petrus die Last einfach auf die Schultern packte. Es ist klar, dass die Römer ihn fürchteten, wie der Teufel das Weihwasser. Politiker haben einen Horror vor zu vielen selbstständigen Menschen.
 
Abendrot
08.02.2016
10:23 Uhr
     
JM, das ist mir wichtig:
Sie können sich sehr gut ausdrücken. Vielleicht hat Jakobus mehr gelesen, ich vielleicht auch, aber an Ihrem Ausdruck ist nichts auszusetzen, zumal etwas Persönliches darin enthalten ist. Mein Mann, gut ausgebildet, hatte übrigens am liebsten Handwerker um sich. Er holte reichlich zu essen und fragte sie aus, besonders Spediteure. Als Junge wollte er natürlich Lok-Führer werden, sein Sohn entsprechend mit vier Jahren Bauarbeiter. Mutter, entsetzt: "Bauarbeiter geht in dieser Familie nicht. Wenn, dann Architekt." Der Kleine: "Wieso?" Tja. Wir sind doch auch manchmal nur verbildet, nicht Jakobus, ich wohl auch nicht, aber manche.

Jakobus, als ich die Zerstörung der Heiligtümer von Ninive und von Palmyra gesehen habe, wusste ich, dass das nicht das Geringste mit Religion zu tun hat; ich muß nur einen Moment an die Alhambra denken oder noch besser, an die Mezquita. Ich möchte Ihnen erzählen, wie ich mit den Kindern nach der Monet-Ausstellung nach Rouen fuhr. Wir fuhren an der Seine lang, suchten, und durch eine Lücke sah man sie: Die Kathedrale, deren Westportal Monet in unterschiedlichem Licht gemalt hat. Die Kinder sagten bewundernd: "Oh." Und das sagt eigentlich alles. Ich musste später nochmal mit ihnen hinfahren und auch schon mehrfach nach Canterbury und Salisbury sowie Chartres. Aber die kleineren romanischen und Cluny, die zerstörte, aber gut vorstellbare Abtei stehen noch aus. Man kann in Frankreich ja sehr gut Kirchen und Schlösser zusammen besichtigen. Die Kirchen haben die innere Größe, die Schlösser nur die Pracht. Das schönste an Amboise ist die Freundschaft von Francois I und Leonardo da Vinci.
Einige der größten Kathedralen liegen wie Perlen an einer Kette auf etwa derselben Breite, von West nach Ost: Salisbury, Winchester, Canterbury, Rouen, Amiens, Laon, Reims, Strasbourg, Freiburg, Ulm. Faszinierend. Schöne Reiseidee. Immer geradeaus, drei Länder.
 
JM
07.02.2016
19:59 Uhr
     
Jakobus, wunderbar geschrieben. Ich kann mich oftmals nicht so richtig ausdrücken und freue mich dann umso mehr über solche Texte.

Sie und auch Abendrot können - so habe ich zumindest den Eindruck - meine Gedanken lesen.

Deshalb bitte ich all diejenigen, welche meine Gedanken falsch verstehen, um Nachsicht. Leider geht es nicht besser. Aber ich gebe mir wirklich Mühe.
 
jakobus
07.02.2016
19:40 Uhr
     
Ich möchte nochmal auf JM zurückkommen: Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass die besondere Spiritualität unserer Kirchen und Kapellen von vielen Menschen neu entdeckt wird, sei es durch Stille, Gebet und Meditation. Die Kirchen, in denen Jahrhunderte Glück, Leid und Trauer vor Gott gebracht wurden, in denen Abendmahl gefeiert wurde, kurz, in denen in Zeiten des Verlustes von Tradition und Gedächtnis eine Kultur der Erinnerung erfahren werden kann, sind durchbetete und auch von Nichtgläubigen als heilig empfundene Räume. Ihrer Besonderheit, ihrem "gebieterischen Schweigen" (Mercier) kann sich kaum jemand entziehen. Im "Nachtzug nach Lissabon" heißt es: "Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen." Und weiter "Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt."
Grüße von jakobus
 
JM
06.02.2016
19:08 Uhr
     
"Meiner Meinung nach werden wir armselig, wenn wir nicht verschiedene Standpunkte zulassen und diskutieren..."

Ja, Abendrot, wenn wir in den Diskussionen ihren Satz berücksichtigen würden, dann würde sich keiner auf den Schlips getreten fühlen.

Grundsätzlich ist es in einer Diskussion erforderlich, das beide Seiten ernstgenommen werden. Egal, welche Meinung jemand vertritt. Ich bin Katholik - sollte ich deshalb die Haltung der Kath. Kirche zu Themen wie bspw. Abtreibung, Ehe, Homosexualität, Zölibat, den Sakramenten usw.; nicht aus- und ansprechen dürfen? Die Haltung der Ev. Kirche in all den Dingen respektiere ich selbstverständlich. Auch wenn sie nicht mit meiner Meinung übereinstimmt.

Was Sie zu Matthias Matussek schreiben, würde ich unterschreiben. Für mich ein hervorragender Mann, der weiß, wovon er spricht.

Unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=1TeCtgU8S_4 ist eine interessante Diskussion zu sehen. Leider hat nicht jeder Zeit und Lust sich das 2 Stunden Video anzusehen. Aber es lohnt sich wirklich.
 
Abendrot
06.02.2016
14:21 Uhr
     
JM: Klingt schön. Danke für die Beschreibung. Was mir noch einfiel zu Ihren Bildern: Ich habe Gedichte verfasst und finde sie grottenschlecht. Aber aufgehoben habe ich sie. Für meine Kinder. Sie werden nie das nicht Perfekte daran sehen, sondern den Ausdruck.

Googeln Sie mal Matthias Matussek, zum Katholizismus konvertierter brillanter Journalist. Er traf nach dem 13.November (Paris, Terror) eine Aussage, die von der Realität eingeholt wird, setzte ein Smiley dahinter, auf seinem FB-Account und wurde daraufhin von der Zeitung "Die Welt" entlassen. Ich glaube, dass er in Wirklichkeit entlassen wurde, weil ihnen seine Homophobie auf den Senkel ging. Ich habe ihn immer gern gelesen und manchmal einfach gelacht. Meiner Meinung nach werden wir armselig, wenn wir nicht verschiedene Standpunkte zulassen und diskutieren, auch wenn Autoren zuweilen im Sinne von Stilmitteln deftig sind.
Ich sehe Meinungsfreiheit durch solche Aktionen mehr bedroht als z.B. den Katholizismus oder andererseits den Staat.
 
JM
06.02.2016
05:37 Uhr
     
Abendrot, nicht nur die Walfänger brauchen einen Ort der Ruhe und Geborgenheit.

Seit einigen Jahren helfe ich unserer Kirche als Küster aus. Ich schließe gegen halb sieben morgens die Kirche auf und sauge zunächst diese Stille auf. Absolute Ruhe, ja, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber ich verspüre etwas Göttliches. Wunderbare Momente. Tagsüber kommen dann andere Kirchenbesucher, zünden Kerzen an, beten und schauen sich in der Kirche neugierig um.

Ganz besonders ist die Atmosphäre, wenn die Jahreszeit noch oder schon wieder ihren dunklen Schleier über den Tag legt.

Abends schließe ich dann ab und finde eines ganz besonders beeindruckend: Nachdem ich die Außentüren verschlossen habe, schließe ich gleichzeitig beide Beichtstühle bis zum anderen morgen auf. In einem der Beichtstühle setze ich mich vor einem kleinen Tisch auf dem ein Kreuz, und genieße eine Atmosphäre, die unbeschreiblich ist. Ja, ich verspüre so etwas wie Gänsehaut. Auf einem kleinen Mp3 Player höre ich mir den Barmherzigkeitsrosenkranz, oder einen anderen Rosenkranz an. Gaaaanz leise lausche ich über meine Ohrenstöpsel dem Text und der Musik. Jesus und ich – so empfinde ich es – sind in diesem Augenblick eins. Und obwohl kein Priester anwesend ist, bekenne ich Gott meine Vergehen. Und in dieser wahrlich himmlischen Atmosphäre fällt mir einiges ein. Es sprudelt aus mir heraus, einfach so, ich kann gar nicht anders. Einfach wunderbar.

Nachdenklich verlasse ich „meine“ Kirche und gehe erleichtert nach Hause. Das Beichtsakrament der kath. Kirche - wenn es dieses noch nicht gäbe, es müsste erfunden werden. Für mich sind alle 7 Sakramente eine Gnade Gottes. Die Heiligen Messen, die 7 Sakramente, die Musik, die Lieder alles das zieht mich immer wieder magisch zu Ihm – zu Gott hin. Generationen vor mir haben, wie auch ich, gerade in schweren Krankheiten durch die Sakramente Trost und Heilung erfahren.

Abendrot, DANKE für ihr Stichwort.
 
Abendrot
06.02.2016
00:07 Uhr
     
Die Kirche ist das andere. Man findet so etwas nicht wieder. Wir haben alle Kirchen auf Rügen angeschaut, aber es ist nicht dasselbe. Man kann allein in ihr sitzen, was wir machten, mein Mann und ich, jeder für sich, und man fühlte sich zuhause. Warmgebetet nennt die Gemeinde das ja. Ich glaube, dass es an den Walfängern liegt. Sie brauchten einen Ort der Geborgenheit. Man kann sich ihr Leben gut vorstellen, wenn man Moby Dick gelesen hat. Sie wussten nie, ob sie wieder nach Hause kommen. St. Martin hat auch davon. Eine der größten Tragiken ist wohl, dass de grote Mandränke die anderen zehn Kirchen weggerissen hat. Gott der Herr ist Sonne und Schild passt genau. Es ist fast ein halbes Jahrhundert her, dass ich sie kennen gelernt habe. Damals war Sylt anders. Schöner, ehrlich gesagt. Einfacher. Leiser.
Aber das ist überall so. Will man die Essenz von San Marco oder Notre Dame spüren, muss man um sechs Uhr aufstehen. Und Chartres hat abends ein Lichtspiel, das an einen amerikanischen Weihnachtsbaum erinnert, womit ich nicht sagen will, dass man es nicht schön finden darf, auch wenn es in die Kategorie Edelkitsch gehört.
Einen einzigen kleinen Fehler hat die Kirche: Man soll den Hund nicht mit auf den Kirchhof nehmen. Ich habe mich natürlich darüber hinweggesetzt, schon weil Hunde dort aus dem Brunnen trinken können. Man sollte ein Hundeklo mit Tüten von der Gemeinde aufbauen lassen - nur ein Vorschlag. Früher waren die Tiere mit in den Kirchen, weil dort Markt war. Besonders im Sommer sollte man Hunde nicht im Auto lassen.
Das Blau lässt einen nie los. Wenn ich an die Kirche denke, denke ich blau und könnte fast ein Gedicht schreiben.
Das Blau und der Schriftzug: Gott der Herr ist Sonne und Schild. Fürwahr.
 
Abendrot
05.02.2016
14:43 Uhr
     
Na ja, ein bisschen andere Götter in Form von Fußball oder Sport oder Literatur war ja bei dem tg, an den ich mich aus den GD in St. Severin oder den Kolumnen erinnere, schon auch, aber es schadete nicht. In der Mitte stand unverrückbar Jesus bzw. Gott, das andere war Dekoration und durchaus nützlich, dass Leute wie ich plötzlich zuhörten.
Diese Dekoration in Kombination mit Humor verleitete mich zu dem in privatem Kreis ausgesprochenen Gedanken, dass tg eigentlich von den Touristen Eintritt hätte nehmen können: Für Brot für die Welt.
Unvergessene Kostprobe: Zu Täuflingseltern: Wo wohnt ihr? Eltern: In Hamburg. TG: Ja, das ist ein Vorort von Sylt.
Zu den nächsten: Wo wohnt ihr denn? Dann kam so ein Dorf. TG: Ja, da kann man auch wohnen.
Die Gemeinde kam auf ihre Kosten.
 
tg
05.02.2016
12:27 Uhr
     
Ein Nachruf noch:
Sicher- der Mensch wurde von Gott als Mann und Frau erschaffen. Aber wie das Mannsein , Frausein gelebt wird, ist ein weites Feld. Zum Beispiel war Jakob mit Gottes Segen mit zwei Frauen verheiratett und Paulus riet zur Ehelosigkeit und Jesus hatte einen Lieblingsjünger.

Natürlich sollst Du, Mensch, nicht töten.. Und jesdes Werdende, das abgebrochen wird, ist ein Jammer. Aber wieviel Menschen töten Du und ich durch nicht gegebenes „Brot für die Welt“?

Homosexualität gilt als Sünde, wo der Staat viele Kinder haben will. Wie wir lieben, das geht nur die Liebenden was an. Liebelos-beziehungslos sein Leben fristen ,ist die wahre Sünde.

Ja, Du sollst keine anderen Götter haben neben mir, spricht Gott..– Überall haben wir uns Götter aufgebaut und himmeln diese an. Und erheben uns, wenn wir unsere Lebensart zur einzig Richtigen erklären.
 
Abendrot
05.02.2016
11:24 Uhr
     
JM: Genau. Das wäre ja etwas, das aus der Seele kam und mit der Seele, die bleibt als Einziges, verbindet.

Orbart: Biologie. Tote Frösche. Meine Kinder hatten das entweder nicht mehr oder schützten Bauchschmerzen vor an dem Tag. Wir mögen Frösche. Im alten Ägypten war der Frosch ein Zeichen für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt. Das ist eingearbeitet in einen Roman von Hans Bemmann, "Die beschädigte Göttin", gutes Buch, aber nicht leicht.
Das Sezieren von Fröschen finde ich symbolisch für die große Kluft zwischen antikem Wissen, antiker Symbolik und modernem Wissen. Von Stephen Spielberg ist eine Geschichte überliefert, wie er in der Schule einen Frosch sezieren musste und alles in ihm sich dagegen sträubte. Vielleicht hat er ihn ja wiederbelebt und zwar mit E.T.
Spielberg ist doch im Grunde auch ein moderner Märchenerzähler, und so ist es fast logisch, dass er keinen Frosch sezieren wollte. Sein Alter Ego sitzt vermutlich in Indiana Jones, der den Kristallschädel zurückbringt. In gewisser Weise empfinde ich Spielberg auch als einen Eichendorff, weil er so klar die Spaltung in der Welt der Moderne zeigt, die Eichendorff in Verse setzte.
 
JM
05.02.2016
04:14 Uhr
     
Orbart und Abendrot, Sie beide könnten Recht haben.

Wenn ich meine Bilder irgendwo verstecke bis ich diese Welt verlasse, habe ich gerade folgendes Bild vor Augen: Meine Kinder und meine Frau entdecken in ihrer Trauer über meinen Tod die "Kunstwerke". Und dann... Ja und dann würde ihre Traurigkeit verwandelt in eine wunderbare Freude. Zumindest für einige Zeit würde die Traurigkeit über meinen Tod der Freude weichen. Und das könnte sich wiederholen, solange meine Bilder der Nachwelt erhalten blieben. Obwohl meine Bilder nirgends aushängen, bringen sie der Nachwelt eine Freude.

Wenn ich das einmal von der Seite betrachte, wären selbst meine Bilder ein "Schatz" und somit sehr wertvoll. Ja, und ich würde mich spätestens im Himmel als Künstler fühlen. Auch wenn sie sich über meine "Kunstwerke" vor lachen schütteln würden, selbst nach den Tod Menschen zum lachen zu bringen ist für mich gerade ein wunderbarer Gedanke.

Werde ernsthaft darüber nachdenken. Danke für den Hinweis!!
 
Orbart
04.02.2016
20:56 Uhr
     
Pardon,das fragliche Bild heißt natürlich :"Sympathische Kommunistin"  
Orbart
04.02.2016
20:50 Uhr
     
Abendrot,ich habe den Kippenberger-Frosch immer als Symbol für die vom Menschen gequälte, geschundene und ausgebeutete Kreatur interpretiert.
Der Frosch erinnerte mich auch an die Praxis im Medizinstudium,wonach Frösche bei lebendigem Leibe seziert wurden(ich weiß nicht zu sagen,ob dies heute noch so ist...)
Martin Kippenberger war ja schon an Provokationen interessiert,unvergessen seine überlebensgroße "Lächelnde Sozialistin"die er in Zeiten des Kalten Krieges malte.Ganz sicher gegen den Zeitgeist.
Was würde er heute malen?Vielleicht eine "Lächelnde Pegida-Demonstrantin"?
Er hätte sich das bestimmt getraut.
Solche Leute fehlen.

Freut mich JM,daß Sie mit meinem Beitrag etwas anfangen konnten.Ich stimme Abendrot zu,man sollte seine Arbeiten nicht in den Müll werfen.
Es kann doch nur darum gehen,seine eigenen Potetiale zu entdecken und zu entfalten,der Spur der eigenen Stärken und Kompetenzen zu folgen.
Und den Vergleich mit anderen zu unterlassen.Das ist eigentlich der einizige Fehler,den man machen kann.
Es gilt zu lernen,das zu mögen,was man selber kann und zu geben hat.
Das ist schwer genug.
 
Abendrot
04.02.2016
20:22 Uhr
     
Orbart, aufgrund Ihres Einwurfs habe ich zum ersten Mal wirklich über Kippenbergers Frosch nachgedacht. Er wäre ja anders, wenn er den Froschkönig meinte. Er holt ihnen die goldene Kugel aus dem Brunnen, und sie erkennen ihn nicht und werfen ihn an die Wand (kreuzigen ihn), und da steht er auf als der wahre König.
Es fällt mir immer schwer, Kunst gleich einen Raum zu geben, wenn sie mich zuerst anekelt.

JM, ich würde die Bilder nicht wegwerfen. Es ist gut, wenn man malt. Ein Maler, zu dem meine kunstbeflissene Mutter mich schickte, als ich ca. zehn Jahre war, konstatierte, ich hätte kein Talent, und ich habe nie wieder gemalt, aber alle meine Kinder können das auf unterschiedliche Weise gut. Es ist doch wichtiger, dass man malt als wie man malt.

Liebe Kathrin, vielen Dank für die Vertiefung und das kleine zarte Gedicht und sonst ;-)
 
JM
04.02.2016
18:44 Uhr
     
Orbart, Sie haben mich gerade aufgebaut. Als ich Ihren Beitrag über die Kunst gelesen habe habe ich mich richtig gefreut.

Bisher habe ich mich immer im künstlerischen Bereich für vollkommen unbegabt gehalten. So wurde es mir in meiner Schulzeit vom Lehrpersonal, von meinen Kindern und auch meiner Frau immer wieder vorgehalten. Und Sie, Orbart, geben mir die Hoffnung, dass ich immer noch entdeckt werden könnte.
Wobei, in 30 Jahren wäre ich knapp 100 Jahre. Ich glaube eher dass mein Lehrer und meine Familie Recht haben. Also erkenne ich neidlos an, dass es wunderbare Künstler gibt, aber ich werde weiterhin nur ein Bewunderer dieser Meister sein. Damit kann ich aber leben.

Oder sollten meine Bilder doch etwas mit Kunst zu tun gehabt haben - zumindest für mich? Nein, meine Kunstwerke sind dort gelandet wo sie hingehören - in den Müll.
Die Werke der Künstler sind ebenfalls dort, wo sie hingehören - in Museen, Kirchen und sonstigen Ausstellungsräumen.

Für mich gilt also auch in Zukunft das Sprichwort: "Schuster, bleib bei deinen Leisten."

Ihr Beitrag hat mich trotzdem träumen lassen!
 
Kathrin
04.02.2016
13:19 Uhr
     
Ich freue mich über Ihr Echo, Abendrot, und habe vorgestern bei Dohnanyis Gesicht tatsächlich sehr an Ihren Seufzer-Satz denken müssen (Sie verglichen Alec Guinness' Gesicht mit weniger großartigen Visagen...)
Dohnanyis Gesichtszüge sind unbeschreiblich. Und wie er lächelt und lacht und wie er beim Zuhören sehr nahe gehender Passagen sein Gesicht hinter seinen schönen Fingern verbarg...
Den Abend vergesse ich nie. Seufzen ist das richtige Wort...
Ich lese sehr gern Ihr Gespräch mit JM. Ich lerne viel von Ihnen. Ich bestaune sowieso seit Jahren Ihre Klugheit und Ihren Scharfsinn und daneben die zarte Seite. Auch wenn ich es nicht immer so richtig zeigen konnte ;-)
Zu dem Geliebten-Thema weiß ich auch ein schönes Ulla-Hahn-Gedicht:

Zurechtgerückt

Ganz leise hast
du dich angezogen
Ganz leise noch einmal
Zärtlich gelogen
Ganz leise die
Türe zugedrückt
Ganz leise dein
Herz zurechtgerückt
 
Orbart
04.02.2016
12:44 Uhr
     
Es bleibt natürlich jedermann selbst überlassen,sich von einzelnen Künstlern oder Kunstwerken provoziert, beleidigt
oder gekränkt zu fühlen.
Ganz abgesehen davon gelingt ja auch nicht Werk,das liegt in der Natur der Sache.
Man sollte aber dabei nicht übersehen,das die Kunst das Versuchslabor,das Experimentierfeld unserer Gesellschaft ist.Sie testet Grenzen aus,überschreitet sie zuweilen und fördert dabei Neues,Interessantes,nie Geahntes ans Tageslicht.
Was dabei einer kritischen Prüfung stand hält, erweist oft erst die Zeit.

So reagierte die Zeitgenossen Edward Munch teilweise mit Gelächter auf dessen Bilder,zu neu waren sie formal und inhaltlich.
Und den Impressionisten warf man vor,sie füllten eine Pistole mit Farbe,um sie dann auf die Leinwand abzufeuern.
Uns Heutigen erscheint dies absurd angesichts der Meisterwerke von Manet bis Renoir.
Wir verdanken dies einem Prozess des "Verdauens",der sich automatisch an den Provokationen abarbeitet.

Ob dies mit den Werken der jüngeren Moderne auch so passieren wird, bliebt abzuwarten.

Als Kultur können für mich auch Erscheinungsformen gelten,die ich als ekelhaft und abstoßend empfinde.
Sie sind deshalb nicht automatisch Unkultur.
Ich mag sie einfach nicht.Das muß reichen.

Vielleicht mag ich sie ihn 30 Jahren............
 
Abendrot
04.02.2016
10:20 Uhr
     
Wahre Worte des Geistes:
"Sieben Jahrhunderte lang lieferte der Islam der Menschheit Wissen und Weisheit", sagte Mourou. "Wo sind das Wissen und die Weisheit der Muslime heute geblieben?"
http://www.welt.de/politik/ausland/article151815846/Die-islamische -Welt-lebt-in-voelliger-Suende.html
 
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