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Traugott Giesen Kolumne 06.05.1999 aus Hamburger Morgenpost

Wenn der Krieg aus ist

Wo man hinhört, klingt’s nach schlechter Stimmung. Zu viele Menschen sind ohne bezahlte Arbeit, die Ärzte scheinen zu verarmen, von den Kirchen hört man kaum mehr als Schrumpfgeräusche, Jugendliche scheinen aufsässiger, die europäische Währung wird immer schwächer und der Krieg in Jugoslawien geht an die Nerven.
Es wäre ein großes Glück, wenn der Krieg zu Ende käme. Jeder Tote, jede Vertriebene, jeder Verletzte ist einer zuviel gewesen. Wir hatten hier gerade gelernt, daß kein Zweck die Mittel heilige. Jeder Zweck, auch der gelobteste, wird durch Mittel der Gewalt verdorben. Wir, die wir abgeschworen hatten dem Gedanken, mit Bomben Frieden herzuzwingen, sahen uns um Hilfe gerufen. „Nie wieder Krieg“ wurde auf einmal ausgehebelt von „Nie wieder Auschwitz“. Wir friedliebende Deutsche waren vor die Wand der Realität geknallt. Bis zum Mauer-Fall galten uns die Amerikaner als Garanten unserer Freiheit. Und jetzt riefen die von Europa gerufenen Amerikaner uns auf, mitzukämpfen für die Freiheit eines anderen Volkes, Volksteiles. Da verloren wir unsere Unschuld, unsere Unmündigkeit. Erwachsen geworden in der Völkergemeinschaft bomben wir mit gegen Milosevic. Und hoffen inständig, daß die Rechnung aufgeht: Wenn schon nicht aus Einsicht, dann wenigstens aus eigenem Überlebenswillen wird man auf weitere Gewalt verzichten.
Sollten Serben und Kosovo-Albaner es noch einmal miteinander versuchen? Sollten sie doch wieder einen Lebensraum sich teilen? Sollten sie ihre Verschiedenheiten einbringen können in ein Staatswesen? Sie müßten sich ertragen lernen, auch wenn sie sich nicht leiden können. Sie müßten sich achten lernen, auch wenn sie einander schmerzlich abgeneigt sind. Sie müßten das gemeinsame Menschsein höher stellen als die Unterabteilungen der Religion oder Herkunft. Sie müßten um der Zukunft willen den Kindern gleiche Chancen einräumen.
Wie aber Haß nicht weitergeben? Wie Rachegelüste nicht in Gewalt umsetzen? Beide Seiten müßten gemeinsame Freunde haben, die viel Geld ins Land bringen zu friedfertigem Aufbau. Beide Seiten müßten viel davon haben, daß sie auf Gewaltlossein sich einschwören lassen. Missetäter müssen ohne Ansehen der Person, der Partei bestraft werden. Es muß sich einfach für beide Seiten lohnen, mit den andern zu teilen. Und sie müssen lernen, nicht wieder die Schlachten von einst noch einmal zu schlagen. Nicht müssen sie gefallen ihren Toten, denen sie aus schlechtem Gewissen, überlebt zu haben, leichtfertig ihr Leben hinwerfen. Es ist harte Arbeit, sich gut zu benachbarn, sich gar zu befreunden. Aber auch bei uns kommt wieder bessere Stimmung auf.
 


 



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