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Traugott Giesen Kolumne 15.11.1997 aus Hamburger Morgenpost

Gedenke des Todes – warum

„Mich schmerzte ihre hilflose Anteilnahme, dieses von den Erwachsenen erlernte klägliche Bestreben, selber keinen Schmerz zu empfinden“ – der Dichter Peter Nàdas zeigt auf eine Wunde der modernen Zeit: Wir lassen der Trauer kaum mehr Raum. Wem ein geliebter Mensch gestorben ist, der soll doch bitte ihn dem Himmel überlassen, aber selber sich dem Leben widmen. Wir drängen einander, nach vorn zu schauen. Bleibt einer in sich gekehrt, hören wir den Vorwurf: Wie könnt ihr weitermachen, einfach so weitermachen, wo doch durch des einen Tod Leben anders wurde. Ein Mensch in Schwarz stört, er ist Mahnung, ist ein Zeichen: „memento mori“.

Gedenke des Todes, und derer, die dir und die uns starben, gedenke an dein eigenes Vorübergehen. – Warum?

Einmal weil die Zeit knapp ist. Chance, Frist, Gelegenheit ist jeder Augenblick – mitten im Leben todumpfangen – wir können von jetzt auf gleich aus dem Leben gerissen sein, wer weiß, wohin. – Also den Tod vor Augen doch lieben, sich und andere erfreuen, ist klug. Kein Aufschub von Wichtigem; pflücke den Tag!

Auch derer gedenke, die vorangegangen sind. Vielleicht fühlen sie noch zu uns hin und brauchen unsern Segen, unser Vergeben, unsere Bitte um Verzeihung. Es ist ja ein gütiges Geschick, daß die Zeit das Böse verdünnt und das Gute reifen läßt. Soweit es an dir ist, versöhn dich. Halte ihm die Wunden zugute, die ihm angetan waren. Schwierig war es, er zu sein, dauernd mit sich selbst in Gesellschaft – das war auch Mühe, werde milde.

Auch gedenke der so früh Gestorbenen. Sie fingen doch gerade erst an zu gestalten, kaum haben sie Entscheidungen gefällt; kaum haben sie Zeit gehabt, zu lieben, was aufzubauen, Kinder ins Leben zu rufen. Sie haben nicht viel richtig machen können, nicht viel falsch, haben nicht sich entwickeln können. Die Kriege, die Unfälle, die Gewalttaten, Schritte der Verzweiflung rissen sie hinweg. – Sie hätten noch gern gefeiert und geschuftet, gelacht und geredet. Alle waren sie wunderbare, einmalige Menschen. Und genau die Einzigartigkeit der je Einmaligen ist nicht mehr hier, Druck wird nicht mehr gefühlt, ihre Sicht der Dinge, ihre warmen Hände sind nicht mehr zu fassen. Daß sie uns fehlen, daß dir jedenfalls einer sehr, sehr fehlt, das wünsche ich dir.

Neu anzufangen ist ein Wunder; es ist ein Rausch die Freude, mit einem andern Menschen sich selbst noch anders erleben zu können. Aber was zwischen euch war, hat die Farbe von dunkelgrünem Samt. Von dem Gegangenen zu träumen ist vielleicht wahrer als noch mit ihm zu leben. Die Einzigartigkeit dieses, deines geliebten Menschen, die fühle, die bedenke und schmecke manchmal nach, hol dir sein Lachen, seine Zweifel. Ihr habt geliebt, das bleibt bleibt bleibt.


 



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