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Traugott Giesen Kolumne 04.10.1997 aus Hamburger Morgenpost

Feier dein Erntedank

Unsere Bauern-Vorfahren haben Erntedank mit Inbrunst gefeiert – ihnen hing Leben dran, ob die Ernte gut war oder verhagelt oder weggeschwemmt. Heute handeln wir global; was hier zu viele Hände brauchte oder nicht gedeiht, wird anderswo zugekauft. Auch die Nahrungsmittel werden fabrikationsmäßig hergestellt. Immer weniger Arbeitszeit müssen wir fürs Sattwerden ausgeben. Hungern, dürsten, frieren tun wir nicht mehr.

Und doch kriecht schnell nackte Not uns an, wir leben auf dünnem Wohlstands-Eis. Eben noch war das Konto klar, da wird man arbeitslos, ein Unfall kommt hinzu, oder zulange wurde der Wagen oder die große Wohnung genossen – jetzt stürzt alles. Unermeßlich viel Grund zum Dank ist, wenn man einigermaßen klar kommt. Denn was ist denn nicht verdankt? Was hat man wirklich alleine geschafft? Was hast du denn geleistet ohne günstige Umstände, was hingekriegt ohne Helfer? Was gefunden ohne Glück? Was erkannt ohne gesammeltes Vorwissen der Menschheit? Was kannst du für deine Konstitution, deine Gene, deine Erziehung? Was ließ Nächste zu dir halten? Und wem dankst du, daß du noch geliebt wirst und lieben kannst, wenigstens manchmal? Und wieviel Begabungen sind dir gegeben? Wieviel wunderbarer Zufall fiel dir zu? Wieviel hat sich dir günstig gefügt?

Danken liegt dir im Blut. Du dankst doch unbewußt sicher zwanzigmal am Tag. Jedes Aufatmen ist doch ein anonymes „Lobe den Herrn“, jedes behagliche Strecken ein „Nun danket alle Gott“, jedes Durchschlafen ohne von Furien gehetzt zu sein im Traum ist doch Gnade. Und wieder heil nach Haus gekommen ohne schweren Unfall und noch nicht im Gefängnis gelandet und noch nicht öffentlich fertig gemacht worden und noch nicht zugeschlagen in der Wut – du bist doch ein Glückskind, nimm alles in allem.

Du kamst immer wieder auf die Beine, und wenn es schief ging, war es längst fällig. Du weißt, das Schicksal war dir günstig. Wenn du gehadert hast, mit Gott, der Welt, – dann wäre es klüger gewesen, du hättest deine Wünsche besser ins Gebet genommen. Hast du nicht manche gelbe Karte schnoddrig überfahren? Aber du hast gelernt.

Und das ist doch auch Dank wert: Du bist lernfähig, du willst das Leben pfleglicher behandeln. Und willst wieder mehr auf Kinder achten, dich ihrem Elan aussetzen, dich mit ihnen verwickeln lassen, ihnen Chancen einräumen und dir die Freude gönnen, ihre Freude zu merken.

Und Dank, daß du die Sonne noch siehst, noch den Glutkern „ich“ spürst, noch gern was mit dem Körper machst und dich immer wieder aufrappeln konntest, den Staub abklopftest und weiter kamst. Und Dank für mehr Einsicht, daß alles seinen Preis hat und alles Süße sein Bitteres dabei hat, und wir das Bittere mitsamt dem Süßen zu schlucken haben. Und: Du hast noch was zu lachen. Erntedank ist Sonntag 10 Uhr, in der Kirche nebenan ist was los.


 



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