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Kolumne 07. Januar 2006 - <br>Wenn einer in der Ehe dauernd schweigt

Traugott Giesen Kolumne 07.01.2006 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Wenn einer in der Ehe dauernd schweigt

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Wenn einer kaum redet, kann das viele Gründe haben. "Die eigentliche Versuchung des denkenden Menschen ist die zu verstummen", hat Camus gesagt. Weil alle Worte nicht die Sache selber sind, sondern nur Zeichen. Und jedes Gesagte läßt unendlich viel Ungesagtes draußen, Worte verdecken auch und tun dabei, als würden sie die Wahrheit offenlegen. Und viel Mißverstehen ist dabei, viel ungewollte Kränkung wird mit transportiert. Wie oft redet man nicht von sich, wenn man was von sich sagt, und versteckt sich hinter Wörtern.

Viel Schweigen kann auch davon kommen, daß einer weitgehend nicht in Worten denkt und fühlt. Er denkt musikantisch oder handwerklich - viele Handarbeiter reden mit der Tat: "Mein Tagwerk ist mein Wort."

Es gibt bei den Wortkargen einen ausgeprägten Argwohn gegen die, die viele Worte machen, sich mit Sprache dicke tun. In diesen "verschwätzten Zeiten" (B. Strauß) kann einen schon der Wunsch überfallen, dem Gerede ein Ende zu machen, indem man einem die Zunge abschneidet.

Aber schmerzlich ist, wenn Paare in ihrer Sprach- und Hörlust nicht passen. Es müssen nicht beide gleich viel reden und schweigen - es kann auch einer den zuhörenden Part haben. Wichtig ist, daß sie miteinander gern "Diese Beiden" sind, gern beieinander sind und einander gut tun.

Das gibt es natürlich, daß einer beredt schweigt und auch, daß einer plappert und es ist von nichts die Rede. Ein Schweiger muß nicht schon weise sein, er kann auch nur müde sein oder mundfaul. Und ein Alleinunterhalter kann auch darum so allein unterhalten, weil die andern schon ganz erschossen sind.

Die Frage ist, leidet einer an des andern Vielreden oder Vielschweigen. Entbehrt einer sehr, wird es dramatisch. Das ist schlimmer, als wenn einer unsportlich ist oder allergisch gegen Hausstaub. Redend geben wir Erkenntnis weiter, wir teilen uns ja mit, geben uns aus. Und wer willentlich Sprache verweigert, der verweigert eben, von sich was mitzuteilen. Er wärmt sich nur selbst. Auch bleibt er ja die Antwort schuldig auf Klagen und Fragen, will nicht des andern Mitteilung aufnehmen und ihm beistehen.

Sagbar ist nicht alles, aber ohne Sprechen ist alles schmerzlich. In der Bibel heißt es mal: "Da ich's wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine." Es ist eine innere Austrocknung bei den Schweigern. Ja, "alles Reden ist voll Mühe", aber wir sind einander doch gegeben, um uns zu verstehen.

Willentlich schweigen ist Körperverletzung. Vorweg ist man wohl selbst nicht gehört worden oder wurde Zeuge von Gewalt, die alles Reden zermalmte. Auch Stumme können verstehen und verstanden werden. Aber wer Sprache braucht und lebt mit einem, der Sprache verweigert, der muß sich draußen Sprache holen. Das kann lange gutgehen. Aber nahe liegt, daß man sich lieber und lieber erkannt weiß draußen, in der Vernetzung des Verstehens. Wenn man darüber nicht reden kann, dann ist die Trennung nahe, ob man bleibt oder nicht.

Der Autor war Pastor in Keitum auf Sylt. Sie erreichen ihn unter: [email protected]


 



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