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Kolumne 19. November 2005 - <br>Totensonntag - und wir bleiben noch ein bi▀chen

Traugott Giesen Kolumne 19.11.2005 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Totensonntag - und wir bleiben noch ein bi▀chen

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Unweigerlich ziehen in diesen dunklen Tagen unsere Gedanken auch nach drüben. Die uns starben und wir liebten sie - die sind noch immer da für uns. Nicht nur, weil unser Erinnern sie vor uns hinstellt. Manches Mal werden wir vor sie hingestellt. Dann ist es uns, als seien sie durchs Zimmer gegangen oder wir sehen sie wie im Film von früher. Sie haben sicher ein Wesen, aber ganz unabhängig von uns. Und sie mischen sich nicht in unser Leben ein - warum sie herzurufen völlig zwecklos ist. Sie sind diskret, von uns abgewandt führen sie ihr Eigenleben anderwärts, wir müssen sie uns als glücklich vorstellen.

Wir haben kein Wissen vom Jenseits. Nur, daß es falsch wäre, das Hier für Alles zu erklären, weiß ich. Vielleicht ist "falsch" nicht das richtige Wort; "eng" wäre besser. Wie ja auch das Weltbild der Zecke nicht falsch ist. Ihr reichen Feuchte und Wärme - da läßt sie sich fallen. Aber der Mensch braucht mehr: Braucht Weite, ein ewiges Zuhause, wo Fried und Freude lachen und das Versäumte, Verschuldete Heilung findet. Und statt des trostlos-leeren: "Paßt auf euch auf!" brauchen wir den Segnenden, dem man die Zurückbleibenden befehlen kann. Schon für die geliebten Eltern, wie viel mehr für die ungeliebten, brauchen wir Zuflucht für ihre Seelen. Wir müssen die uns starben angekommen wissen, wie auch immer das Drüben zu ahnen ist. Das Grab, der Sarg als Lebensziel wäre kalt und eng - zu klein für unsere hochfliegende Seele.

Ein starkes Bild vom Sterben steht mir vor Augen: "Schiff ahoi" möchte ich denken - "ihr am Ufer des Diesseits, ihr (noch) Zurückbleibenden, ihr Hinterbliebenen, macht es gut. Und habt Dank für alles Geteilte. Ich geh auf die letzte Reise, auf große Fahrt! Und wenn ihr am Horizont mein Schiff verschwinden seht, dann wißt, ich bin nicht weg. Für euch gehe ich, aber für andere komme ich an."

Na ja, bis du und ich abgerufen werden, ist noch Zeit. Obwohl, man weiß ja nicht, wie viel Frist noch ist auf dieser schönen armen Erde. Darum, was an Freuden und Pflichten dran ist heute, das fasse und bring es zustande. Das Morgen steht auf einem anderen Blatt.

Ich will nicht die Möglichkeiten ausgeschöpft sehen für den Menschen mit dem Sterben, will nichts Irreparables. Und wer starb denn schon abgefunden in seiner Sehnsucht? Vielleicht haben Glückskinder kein Recht, neues, anderes Leben zu erbitten. Mozart, hat er nicht alles gehabt? Aber was hat er gesungen vom ewigen Leben.

Die Schöpfung ist voller Möglichkeiten, voller Potenzen. Und jedes Ich ist ein Funke des Ewigen. Sollte er verglühen, wenn die irdischen Brennstoffe seines Leibes aufgezehrt sind? Gott ist ohne Ausnahme mit jedem Menschen vereint. Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Wie sollte da Tod ein "Schluß-Aus-Vorbei" sein. Warten wir es ab. Aber darauf können wir uns verständigen: Das Mindeste ist, einmal mit Neugier zu sterben.

Der Autor war viele Jahre lang Pastor in Keitum auf Sylt. Sie erreichen ihn unter: [email protected]


 



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