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Kolumne 08. Oktober 2005 - <br>Enkel sollten wir verehren - Kinder brauchen Gro´┐Żeltern

Traugott Giesen Kolumne 08.10.2005 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Enkel sollten wir verehren - Kinder brauchen Gro´┐Żeltern

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Kinder brauchen Großeltern. Dann können sie Vergangenheit zum Greifen nah erleben. Wenn Oma, Opa aus der Zeit erzählen, als Papa und Mama Kinder waren, weitet sich der Raum. Kinder meinen ja erstmal, mit ihnen fange das Leben an und die Eltern seien so alt wie die Welt und dazu da, sie zu ernähren und zu bespaßen.

Vor allem, wenn sie Einzelkinder sind, kann beim Eintritt in den Kindergarten die Katastrophe kommen. Die Prinzen und Prinzessinnen bestaunen sich gegenseitig abweisend, als sei jeder eine eigene, fremde Welt. Anhand von Großeltern sehen sich Enkel mit ihren Eltern in einer Reihe. Gehen Großeltern sogar mit den Enkeln ans Grab der Urgroßeltern, so wird für die jüngste Generation eine Kette vorstellbar, deren (vorläufig) letztes Glied sie sind.

So gewinnen sie vielleicht eine Ahnung vom Zusammengehören. Und weil die Großeltern zu den Eltern hinzu die Enkel liebhaben, wird die Welt ihnen verläßlicher und ein Stück mehr Heimat. Sie wissen in ihren Angstträumen, zu wem sie hinlaufen können, wenn mal was mit den Eltern wäre. Auch sind die Großeltern stark genug, den Eltern mal Bescheid zu sagen. Die Enkel können sich bei ihnen über die Eltern beklagen und werden getröstet, und sie lernen gute Sätze, wie man Frieden machen kann.

Kluge Großeltern haben auch eine andere Zeit als die Eltern - die müssen immer noch was anderes; und dann ist es zu spät. Aber Oma und Opa richten sich gern mal nach den Enkeln, backen mit ihnen Kuchen oder Bonbons, gehen mit ihnen ins Schwimmbad oder haben Fackeln besorgt, und man fährt abends noch raus, wo es finster ist und die Sterne richtig glühen und sogar Satelliten zu sehen sind.

Oma hat auch eine Kleiderkiste und einen Schmuckkasten, da können sich die Mädchen schön machen. Opa zeigt derweil dem Enkel stolz seinen Werkzeugschrank und richtet dem Nachwuchs eine eigene Ecke ein.

Großeltern haben auch für manches Antworten, wo die Eltern nicht weiterwissen und schon sagen: "Das frag Oma!" Manche Eltern wissen nicht mehr, wie man betet oder können nicht mal die Weihnachtsgeschichte erzählen. Da lobt man sich doch die Großeltern, die zur Nacht mit den Enkeln dem lieben Gott erzählen, wie der Tag lief und wofür man dankt und für wen man Mitleid braucht. Großeltern sollten viel mit den Enkeln tun. Und wenn sie keine haben, sollten sie welche aus der Nachbarschaft adoptieren. Herrlich energiegeladen, phantasievoll, neugierig, tatendurstig ist die junge Generation und viel in Bewegung - sie zieht uns mit, macht uns freier.

Ich weiß noch von meiner Oma, daß wir beim Waschen sagten: "Nicht das Hälsgen"! Und Oma: "Nein, nicht das Hälsgen." Das Erziehen überließ sie den Eltern, die bald wieder für Ordnung sorgten. Wir Großeltern brauchen uns an Enkeln nur zu freuen. Sie aufwachsen sehen, macht uns zu Zeugen von Wundern. Wir sollten sie verehren.

Pastor Giesen lebt auf Sylt und schreibt jeden Sonnabend in der WELT. Er ist zu erreichen unter: [email protected]


 



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