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Traugott Giesen Kolumne 04.08.2001 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Gibt es ein Scheckbuch für Glück?

Das ist eine zwanghafte Vorstellung: Jeder hätte ein vorgesehenes Schicksal zu erfüllen, jeder habe ein festes Maß an Glück und eines voll Unglück auszutrinken. Genauso bedrängend schiene mir, es wäre alles nur blinder Zufall. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich sehe viele Fügungen in meinem Leben und halte doch den neuen Tag für freies Feld. Ich glaube an Behütung und habe doch den Auftrag, vorsichtig zu fahren. "Bete - aber fahre fort, ans andere Ufer zu rudern!" kann die Richtung angeben. Also Fügung und Einsicht, Glück und notwendige Taten - beides macht unser Leben aus.

Überleg doch, wie du deine geliebten Menschen gefunden hast. Die Fete, zu der ihr jeweils mitgenommen wurdet oder das Stehen hintereinander in der Schlange am Last-Minute-Schalter, weil dein Zug Verspätung hatte. Der Anschlusszug weg, aber der nächste kam, und im ersten Wagen, erstes Abteil war der Platz ihr gegenüber frei und ihr kamt ins Gespräch, das jetzt schon 20 Jahre währt. Der Hinweg zur Liebe, jedenfalls der erste Schritt, sieht so zufällig aus und doch sieht jede Liebe sich zueinander hingeleitet, glaubt sich von höherer Hand erwählt und anvertraut.

Und als die Kinder Steine von der Brücke warfen, trafen sie nicht dein Auto, sondern das hinter dir. Und die Unglücks-Concorde stürzte ab, weil ein Eisenteil vom Rad hochgeschleudert wurde in Richtung Kerosintank. Das Attentat auf Hitler misslang, die Attentate auf Martin Luther King und Kennedy trafen. Sollte es so sein? Ich kann nicht glauben, dass Gott die Steine und Projektile steuert.

Es gibt eine erleuchtende Geschichte von Jesus: Es saß ein Blinder am Wege. Und die Jünger fingen an zu diskutieren: "Hat wohl der Blinde gesündigt oder seine Eltern?" Einig waren sie sich, dass Leid eine Strafe sei, fraglich nur, wer denn gesündigt habe. Aber Jesus sagt: "Er ist blind nicht wegen Sünde, sondern für Rettung". Und er heilte ihn. Damit ist jedem Fatalismus-Glaube der Kampf angesagt. Nichts ist Schicksal, nichts eisern und damit basta. Sondern alles ist auf dem Weg, ist auf dem Weg der Besserung. Alles ist wendbar, keiner ist, wie er ist; sondern ist im Werden. Genesung kann gelingen. Auch können wir uns bessern. Keiner ist wegzuschließen für immer. "Tut Buße, damit komme die Zeit der Erquickung", heißt es im Buch der Bücher.

Ich sehe es so: Gott ist immer nur am retten, schützen, nähren, schaffen. Doch manchmal kommt Hilfe zu spät, auch ist Bosheit stark, und um den Tod kommt keiner drumrum. Wir müssen uns hier mühen und doch ist alles Geschenk; wir müssen auch leiden und doch ist unendlich mehr, was gelingt. Vieles ist zum Heulen, aber unendlich mehr ist zum Freuen. Wir können das Glück mehren und mit Füßen treten. Aber durch dich, soweit es an dir liegt, mehr Gutes als Schlechtes, bitte.


 




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