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Traugott Giesen Kolumne 24.06.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Behüt dich Gott. Wie das?

Wenn wir voneinandergehen und uns mögen, dann wollen wir mehr sagen als „Gruss und Tschüs“. Auch der Talkmaster will ein gutes Wort mitgeben. Doch „Pass auf dich auf!“ ist doch nur ein hohler Befehl, ein hilfloser Appell.
Wenn wir uns lassen, wollen wir Kraft mitgeben und mitnehmen: Geld für alle Fälle und ein Pfand der Liebe und ein Glückswort und Adressen für die Not. Und wollen Segen mitgeben. Ob wir bleiben oder gehen – wir wollen verbunden bleiben in einem schützenden Ganzen. Die unsichtbare überpersönliche Mutter/Vater möge uns beide halten. Die dazu passende Geste sind weit geöffnete Arme.
„Wer kommt in meine Arme?“ ruft Vater/Mutter dem Kind zu. Und es läuft los, als wären wilde Tiere hinter ihm her und stürzt sich in die ausgebreiteten Arme: errettet fliegt es, gehalten, getragen im Kreis, bis es sich losreisst und wieder Seins macht unter behütenden Augen. Dies Bild als Muster für Bewahrung hat eine starke Aura: Es beschreibt die Welt im Zustand der Gnade. Du bist nicht verlassen, gute Kräfte stehen dir bei, du gehörst zum Haushalt Gottes. Du hast Begabungen und Kenntnisse abbekommen, hier für dich sorgen zu können, auch indem du für andere was tust. Du kannst positiv denken auch über deine Schatten und dein Ungeschick, denn es ist über dich und für dich gut gedacht. Du bist in Gutes Ganzes eingelassen, dem du nie abhanden kommst.
„Behüt dich Gott!“ ist ein Gebet in Richtung Gott. Damit wird nicht eine Figur über allem mobilisiert. Sondern die Energie, welche die Wirklichkeit inszeniert, die wird benannt. Wir rufen uns vor den/die/das, der die Wirklichkeit betreibt. Man sagt so leichthin, die Entwicklung habe die hervorgebracht. Dann unterdrückt man zwar das Wort Gott, hat aber der Entwicklung göttliche Qualitäten zugesprochen, die sie zu einem denkenden, wollenden Wesen macht. Das aber ist nicht der Fall, wie ja das Kochen auch nicht das Essen bereitet sondern nur den Werdegang beschreibt. Wer aber lässt das Werden und Vergehen geschehen, wer dich?
„Behüt dich Gott“ formatiert unser Denken auf den grösseren Zusammenhang. Der muss in den Blick kommen, wenn Abläufe unübersehbar werden, bei Abschieden, bei Wegen ins Krankenhaus, in Prüfungen. Jedes Teilnehmen am Verkehr braucht Achtsamkeit und Gottvertrauen, welches das Zutrauen in die andern Verkehrsteilnehmer mit einschliesst. Die Hoffnung, in einem guten Zusammenhang zu sein, müssen wir haben. Sonst dürften wir uns nur vorwagen, soweit unsere Witterung und Zahlungsfähigkeit reicht. Und tatsächlich gibt es vom Leben so geschundene Menschen, die nur noch auf sich selbst sich verlassen und mit ganz engem Weltbild ihr Dasein fristen.
„Behüt dich Gott“ oder „Gott segne dich“ stellt deine Füsse auf weiten Raum. Deine Seele nährt sich von einer Zuversicht, die himmelweit ausgespannt ist.
 


 



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