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12.03.2001
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Der Wochenspruch mit kurzer Auslegung (T.G.)

12.07.1998 Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gnade ist es. (Epheser 2, 8)
Dies wahr sein lassen � und wir hätten gewonnen. Dünkel und Zerknirschung wären davongeflattert. Wir dürften uns erlauben, uns glücklich zu wissen. Wir könnten uns beschenkt erkennen mit einer Fülle von Freuden. Daß wir erfreuen können, von der Haut bis in die Seele, ist überhaupt das Größte, ist das Kooperieren mit dem Himmel. Tatsächlich: Es ist nicht gemacht, geleistet, erworben � es ist angenommen, inhaliert � es ist Geschenk. Wir sind Beschenkte � und das einzig vernünftige Reagieren ist Danken.
 
 

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   12.07.1998

Die Geschichte vom verlorenen Sohn � oder vom verlorenen und wiedergefundenen Gott (Lukas 15, 11ff)

Jesus erzählt: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, mein Erbteil. Und er teilte das Gut unter sie.
Bald danach sammelte der jüngere Sohn das Seine zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil um mit Prassen.
Als er all das Seine verbraucht hatte, kam eine Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Schweine zu hüten.
Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.
Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.
Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief ihm entgegen und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.
Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; laßt uns essen und fröhlich sein!
Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Leute und fragte, was das wäre.
Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.
Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre.
Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
Wir der Kirche der Bibel entfremdete Protestanten � diese Geschichte haben wir noch auf unserer inneren Festplatte, irgendwo abgespeichert unter �Allgemeinbildung� oder �Kindergeschichten�. Aber sie sollte aufrücken in den Ordner: �Biographie� oder �Persönliches�.
Denn das sind wir doch, du, ich, wie wir es mit Religion halten. Passen wir doch die Brüder uns an, es können auch Schwestern sein; sicher gibt es Zwischentöne, noch mehr Möglichkeiten, hier grob geschnitzt nur zwei Profile in Sachen Religion � Weggeher und Bleiber.
Gemeinsam ist uns: Ob Weggeher oder Bleiber sind wir Sohn/ Tochter zu Gott: Das ist Urwissen: Ich stamme aus schöpferischem Grund, bin gewollt von weither, nicht die Eltern sind meine letzte Begründung sondern, ja, ein Wille, eine Energie, ein Prinzip � und das ist durchaus im Muster Eltern-Kind denkbar, Mutter Natur, Vater Gott.
Doch, für unser Herkommen nehmen wir hier alle sowas wie Gott an � über unserm Sternenzelt und auch darunter, muß ein mütterlicher Vater wohnen, nicht ein Gigant, nicht Übermensch, aber auch nicht Riesiger Computer. Wenn du, ich, wir schon ich sagen können, dann muß das Lebnensprinzip auch Bewußtsein haben, ja, Bewußtsein sein. Wenn Hören in der Welt ist, dann kann das Wesentliche der Welt auch hören, ja, ist Hören. Wenn wir sehen, dann ist das Wesen, von dem wir abstammen, auch Auge. Wir wollen wahrgenommen werden � und es reicht uns nicht, nur von Unseresgleichen bemerkt zu werden; wir wollen vom Schicksal wahrgenommen sein, das spricht für ein Wahrgenommenwerden von uns allen � Gott als zentrales Fühlen, Wissen; keine Träne vergeblich geweint � weil Gott sie mitweint. � Doch, das gehört zu unserer geistigen Grundausstattung: Wir sind Abkömmlinge einer Urperson � wir nicht die fittesten Tiere sondern Invaliden höherer Kräfte. Jedenfalls, wenn wir lieben, erklären wir den andern für heilig, für Sohn /Tochter Gottes. � Doch, die gemeinsame Herkunftsahnung haben wir noch. �
Dann verzweigt es sich: Der eine bleibt in dem Glauben, baut ihn aus, sieht das Leben als im Hause des Herrn. Der andere, der/die Jüngere � ach unsere Erfahrung mit Geschwistern, wir in unserer Konstellation, nah an den Eltern, oder versteckt, irgendwo dazwischen, die Ältesten gehorsam, angepaßt, rechthabend, die Jüngsten die Freigeister. � Lassen wir das. Der Jüngere steigt aus; läßt Gott hinter sich, will sein Eigenes, will nicht mehr Gottesdienst, Kirche, Bibel, will keine fromme Sprache mehr, kein Beten, läßt Gott auf sich beruhen � will ihn erst mal streichen bei sich � aber nimmt die Gaben Gottes mit. �
Aus Gottesglauben sproßte das Selbstbewußtsein: Ich bin wer, weil ich gewollt bin, weil ich denken kann.
Aus Gottesglauben wurde auch die Hoffnung entwickelt: Vorne Gewinn, gelobtes Land, Heilung. Neuen Räumen sind wir neu entgegengesandt. Tief jüdisch-christlich ist der Abschied von der Schlange. Ewige Wiederkehr, und es bliebe alles beim Alten. Vor uns Zukunft, auch im Tod.
Und Verantwortung, Gewissen, mit guten Geboten. Und sündigen dürfen � ein starkes Wissen von trial and error ist beim modernen Menschen � er hält sich nicht sehr auf bei seinen Fehlern, hält andere nicht fest bei dem Vermurksten, sondern will lernen, es besser zu machen. Er glaubt an seine neue Chance und läßt auch dem andern die neue Chance. Die Moderne als Frucht des Gottesglaubens. Wieviel Frömmigkeit haben die Kinder ohne die frommen Wörter mitgenommen, wieviel Religion haben wir im Leib, auch wenn die alten Eltern uns für gottfern halten. �
In der Geschichte teilt der Vater das Gut. Gott beschenkt auch die säkulare Menschheit mit Früchten des Glaubens: also Mut, Instinkt für Solidarität, Liebe, Sehnsucht in vielen Formen � Sprache, Musik, Andacht. � Ganz erstaunlich, daß Religion auch ohne kirchlich geprägte Formen Kraft hat. Doch der Jüngste verpraßt seine Güter, es kommt kein Nachschub, es kann ein Kinderglauben lange einem eine Schutzhaut mitgeben, aber wenn dann das Leid über einem zusammenbricht, und die Wurzeln sind lange unbewässert, dann kann die Verzweiflung siegen, und man geht in sich verkrümmt.
Es gibt eine moderne seelische Verwahrlosung: Bei den Schweinen landen, vor die Hunde gehen � nicht wissen, wem man zugehört, herrisches Erzwingen, gewalttätig sich puschen � und kalt wird�s anderen mit uns.
Der Junge hatte Gott aufgegeben. Jetzt, wo die selbstherrliche eigene Welt zerbrochen ist, erinnert er sich: Bilder von Gottgehören gehen in seiner Seele auf; vielleicht muß man unten sein, um das Talmi, den Schrott, die Banalität der selbstverliebten Beschäftigungen zu durchschauen. Wir müssen wohl mal in die Wüste, abgeschnitten von all den Terminen der perfekten Ablenkung. � Jedenfalls, der Jüngere sucht sein inneres Zuhause � und er hat eine Spur: Kein Anrecht mehr auf bevorzugte Behandlung vom Schicksal: Kein Königssohn, nicht mehr Prinzessin � sondern was der Tag verlangt, dem dienen, und Lohn soll dieser Tag sein, daß ich diesen Tag ich sein darf � ja, Abschied von der Arroganz, auf die Knie gehen � ich bin es nicht wert, dein Sohn zu heißen. �
Aber von ferne sah ihn sein Vater: dies ist das Geheimnis der Gotteskindschaft. Wir bleiben Ersehnte Gottes, je ferner wir uns wähnen, desto hinfühlender bleibt uns das Herz der Welt nah � sind die dogmatischen Sätze auch kraftlos geworden � leichtfüßig kommt der, die, das Lebendige uns entgegen im Leuchten und Irrlichtern der Freude. � Gott entpuppt sich als Kern von Glück. In einem Schauer von heiliger Empfindung sagst du: Vergib Gott � aber bevor du es noch sagen kannst, bist du ganz in Erbarmen eingehüllt, bist du aufgehoben aus dem Staub der Selbstverneinung, und: gebt ihm den Ring, die festliche Kleidung, schlachtet das gemästete Kalb: Da, in dir spürst du die Freude, wieder zu dir gefunden zu haben, gefunden zu sein im Zusammengehören mir dem Guten Ganzen.
Es kann durch Gerettetsein geschehen, durch einen Weg von langer Krankheit, durch eine unverhoffte Liebe, durch Vergebung, durch eine starke Treue, die mich/ dich umkrempelt. Auf einmal sehe ich mich wieder von Gott an die Hand genommen und noch mal an die Tafel des Lebens geführt. Und ich weiß: Alles ist Gnade, und auf nichts hab ich ein Anrecht, und die Zeit ist so kurz; und Angenommensein, einfach ohne Bedingungen � dies wie die Sonne, das Meer, der Wald einen sein läßt, dies Glücken, dies Sichglücken. � Küsse an den Himmel geworfen: ich darf noch leben, noch ich sein, eine Hand breit über dem Chaos gehalten. Nur Dank ist das einzig sinnvolle Verhältnis zum Leben.
Und da ist der andere � redlich, fleißig, prinzipientreu; er kämpft um die Früchte des Feldes, er will nichts geschenkt, er braucht auch keine Vergebung. Er ist zufrieden. Bis der liederliche Bruder wieder auftaucht. � Und der bricht wieder das Elternherz � und das Treusein ist für die Katz, sein Auf-die-Zähne-beißen all die Jahre umsonst. Er will das Wiedersehen nicht mitfeiern.
Da geht der Vater hinaus und bittet ihn: Und da merkt erst der Vater den großen Haß. �Du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mal hätte feiern können�. Das auch ein Grund, Gott abzusagen: ihn als Despot und herrischen Chef denken, der immer recht hat, der geizt und rechnet und Liebe nur gibt dem, von dem er Liebe bekommt. � Der Ältere hat ein Gottesbild voller Tragik: Der Gott bestraft und läßt ins Messer laufen, obwohl er es ändern könnte. So einem geht man möglichst aus dem Weg, und seinem Personal auch. � Der scheinbar bei Gott Gebliebene hat ihn mehr als verlassen, hat ihn entstellt.
Ich dir keinen Bock gegeben? Der Vater starrt entgeistert � wie mißversteht der Sohn, wie fremd sind sie einander. � Wenn der Jüngste den Vater außer acht läßt, der Ältere hat den Vater zur Fratze gemacht, Gott als Leuteschinder. Dagegen das Bitten, das Werben: Sohn, Tochter, was mein ist, ist doch dein. Genieße die Güter, gönne dir und anderen, liebe und tu, was du willst. Schöpf aus dem Vollen, verschenk, nimm und gib � Gott ist großmütig, ein Liebhaber des Lebens.
Gott bittet, daß wir einander Geschwister sind, die wir einander Freude vermehren und Last teilen. Die Brüder, Schwestern gehören doch zum selben Väterlich-Mütterlichen Grund, lassen wir einander die verschiedenen Arten, uns zu freuen, auch die verschiedenen Frömmigkeiten und Lebensstile. Stärken wir einander mit Lebensmut.
Und was wir am andern hassen, das haben wir ganz nah selbst bei uns. Auch der Ältere hat Sehnsucht nach der Ferne, auch der Jüngere will die Achtung des Erstgeborenen. Und mit Geld, Gütern, Gnade, Lebensmut gut umgehen ist Gnade; vergeuden, Chaot sein ist auch mühsam; Disziplin strengt an, aber um Vergebung bitten müssen auch. Die beiden Geschwister sind Gottes Kinder, beide haben Gott verloren und wiedergefunden. � Legen wir unsere Erfahrungen mit Gott zusammen. Amen.
 

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