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Predigt 27. Juli 2003

Keitumer Predigten Traugott Giesen 27.07.2003

Die Taufe auf den dreifachen Gott

Matthäus 28, 16-20:

"Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Elf Jünger sind nach Galiläa bestellt zum letzten Wort ihres Herrn auf Erden. Wahrlich keine berauschende Menge, der der Menschenfischer, als er seine Irdische Mission beendet hat, seine Arbeit übergibt. Aber den Elfen und einigen wunderbaren Frauen, dazu Paulus - dieser kleinen Truppe sagt er den gewaltigsten Satz der wohl je auf Erden gesprochen war: "Mir ist gegeben alle Macht, Gott zu definieren, euch den Auftrag, alle Völker zu missionieren. Und sie zu taufen, sie einzutauchen in Gott, sie zu widmen dem von mir, Christus, dreigefassten, dreigestuften, dreifachen einen Gott. Dazu das Trostwort, das reicht, soweit die Himmel reichen: Ich bin bei euch alle Tage." - In diesen fünf Versen schillert Glanz und Power und die ganze Schuld des Christentums.

Denn aus diesem Wort nahm die Kirche den Auftrag, alle Völker zwangszuchristianisieren, und sei es auch mit Feuer und Schwert. So war die Missionsgeschichte lange ein Anhängsel der Kolonialgeschichte: Den fremden Truppen, dem fernen Kaiser, König sich zu unterwerfen, ging einher mit dem neuen Gottesbild, das sie zu übernehmen hatten „Sie sagten Gott und meinten Catoon" - ist ein trauriges Resümee aus Indien: sie wollten uns zu Christen machen und suchten nur billige Absatzmärkte für ihre Stoffe.

Es kam den christlichen Herrschern gerade recht der Auftrag: Machet zu Christen alle Völker - und was ein Christ sei, sagte der Papst und seine Kirche und ihre Gesetzgebung. Grausam ging es gegen die Menschengeschwister jüdischen und islamischen Glaubens – unter dem Deckmantel Religion plünderten und mordeten sie - bis ins Dritte Reich, bis mitten unter uns.

Was Entscheidendes aber war und ist zu verstehen unter dem dreieinigen, dreifaltigen, dreifachen Gott bleibt immer neu die Frage. Wie er wirkt, so verschieden und so eins, das muss in immer neuer Ernte eingebracht, in neuer Jagd eingefangen werden. Es ist ein langer Weg, bis ein Mensch von innen heraus sagt: „Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott“ - (Psalm 84,3)- ein junger Mensch hat sich dieses Wort heute zum Taufwort erkoren.-

Christus sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“- Was ist gemeint? Es gibt eine Vorstellung von Christus dem Weltenrichter, hinter dem tritt Gott ganz zurück. Oder: Gott hält sein Gericht in dem Namen des Christus, nach Christi Maßstäben der Güte. Oder: Letztlich hat die Liebe alle Macht, im Sinne: Selig die Sanftmütigen, sie werden das Erdreich besitzen (Matthäus 5,7). Mir genügt, dass Jesus die Macht hat, im Himmel und auf Erden zu sagen, wer Gott ist, bis wir ihn selber sehen von Angesicht zu Angesicht. Ich will Gott denken, wissen, fühlen, wie Jesus ihn wusste. Und auch die Wirklichkeit so nehmen wie Jesus, also nicht platt, sondern als dreifach gottdurchwirkt.

Gott-dreifach, ist leicht missverstanden als drei Wesen nebeneinander: Vater, Sohn, Taube für den Heiligen Geist. Kein Wunder, wenn Moslems uns der Vielgötterei beschuldigen. Dabei „drei, die eins sind“ - in Zeichensprache: ein Dreieck mit offenem Auge ist höchste Kenntnis von der Wirklichkeit. Schon die alten Ägypter kannten die Götterdreiheit. Der Schöpfergott Amun vermählt sich mit der geierköpfigen Göttin Mut, geboren wird der Mondgott Chorus, der im Zeugnis seiner allmonatlichen Auferstehung erhaben ist über den Tod (nach Drewermann); Im Hinduismus: der Gott Brahma im Lotossitz erscheinet auch als Vishnu, der vielfach die Schöpfung entfaltet, und auch als Krishna, der Held und Sänger, und als Shiva, das Werden und Vergehen tanzend.

Die drei Stufen, Wesenheiten, Personen, Energien Gottes sind im Glaubensbekenntnis ja klar abgeteilt: Also Gott, 1. als der Schöpfer, oder Vater, im Sinne von Erzeuger oder Mutter des Lebens, Erschaffendes und Betreibendes der Natur. Diese Seite Gottes erfahren wir natürlich, biologisch, botanisch, wetterkundlich. "Unser Naturhaftes, wir als Körper, sind ja unmittelbare Früchte der Schöpferkraft. Zorn, Gier, Verdauen, Energie ziehen aus vorgefundener Energie, Verwandlung, Genießen – Schwerkraft, Fliehkraft- Auslöserin sexueller Stürme" (Harold Brodkey), Zeugen, Gebären, Sterben - das ist Gottes Wirken als Schöpfer, ist die eine Seite Gottes. Dem entspricht auch unser natürliches Wirken, und Erfahren, Wehtun und Leiden.

Die zweite Seite Gottes ist erkennbar im Namen des Sohnes: Jesus nennt Gott “Väterchen“ Abba - er erzählt von dessen sieben mal siebzigfachen Güte, und setzt sein Vertrauen ganz auf ihn, befiehlt sich in seine Hände. Jesu kindliches Vertrauen wird in die Gotteswürde eingespeist (E. Drewermann).- Gott ist Allmacht des Schöpferischen und voll Menschlichkeit, Mütterlichkeit, voll Großmut, Gott ist Wille, glücklich zu machen, ist der, die Liebende. Wir werden dem Christus nach, dem ersten Sohn nach mit die anderen Söhne und Töchter Gottes. So ist Gott mehr als der Betreiber der Werdewelt, Licht vom unerschöpften Lichte, er wird im Gebet ansprechbar, weil er in Israel, dann durch Jesus zum Vater wird. Damit wird in die Gottesvorstellung das Portrait der Menschlichkeit Jesu eingetragen. Und fortan ist Gottes Sinn nicht Triumph, er ist kein bedrohlicher "Herr der Heerscharen" mehr, die dritte Seite Gottes rückt nach vorn : Im Namen des Heiligen Geistes ist Gott der Begeisternde, der mit Sprache uns erreichende, der uns anspricht, der uns freispricht zum Hören und Erwägen und Gutes tun können, uns in Verantwortung ruft und freispricht zu zweifeln - von den Elf Jüngern heißt es: etliche aber zweifelten.

Jesus sagt: Tauft die Menschen, taucht sie ein in diesen großen Gott und in die von diesem großen Gott durchwirkte Wirklichkeit. Ich, der Garant für diesen großen Gott, bin bei euch. Und ihr werdet liebevoller, weil ihr euch Gott liebevoller vorstellt. Wir werden großzügiger, weil wir uns Gott großzügiger denken und das Leben als Geschenk nehmen: Gott und die Wirklichkeit: ist schaffend, liebevoll, begeisternd. Gott und du Mensch: Schaffend, liebevoll, begeistert.

Oft sind wir matt und mürrisch, denken kärglich von uns und dem Leben, eindimensional, banal, dann ist uns auch Gott nur ein kalter Nebel. Dann lasst uns wieder in die Taufe kriechen, - so hat das Luther gesagt: Die Taufe ist wie ein weißes Kleid: Wem du gewidmet bist und wes Geistes Kind du bist, glaub das: Du Geschwister des Jesus, er bei uns alle Tage bis an der Welt Ende - Garant für den großen Gott, wieder zu finden im Nächsten, der dir das Menschlichsein Gottes und der Welt und Deinerselbst bewährt.

Wir brauchen Menschen, die uns unser Gutsein und Taugen beglaubigen, die uns unsere Gotteskindschaft fühlbar machen. Jesus stärkte damals den Mitmenschen den Glauben, dass sie sich ihrer Würde gewiß wurden. Und Du bist auch ein Mensch, der den andern zum Erblühen bringt und damit ihm den Glauben an einen Lebenserblüher stärkt. Du kennst auch einen Menschen, Großmutter, Lehrer, Herzenaufschließer, der dich ans Gute im Menschen und in dir glauben lehrt, und du beginnst zu tanzen, am Strand, im Straßenverkehr. Es singst in dir: „Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott“ -Psalm 84,3-

Und jetzt kommt was Einleuchtendes: „Freut sich in dem lebendigen Gott“ - nicht an, als wäre Gott eine Dazuwirklichkeit. Anthony de Mello erzählt: „Der Meister pflegte zu behaupten, Wort und Begriff "Gott" seien letzten Endes das Hindernis, dass wir Gott nicht erreichten. Der örtliche Priester wurde darüber so wütend, dass er beleidigt zu dem Meister kam, um die Gelegenheit auszudiskutieren. Aber das Wort "Gott" kann uns dich wohl zu Gott hinführen?“ sagte der Priester. „Das kann es“, sagte der Meister ruhig. "Wie kann etwas helfen und doch Hindernis sein?" Sagte der Meister: "Der Esel, der dich bis zur Tür bringt, taugt nicht, dich in das Innere des Hauses zu transportieren."

Im Inneren des Hauses des Glaubens ist der Mensch, der weiß: „Mein Leib und meines Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.“ Sich in die Wellen werfen - im perlenden Wasser dein Behagen ist deine Freude in dem lebendigen Gott. Du sein, dich geliebt zu wissen vom Leben und der Geist der Dankbarkeit, auch der Verantwortung für diese gute Schöpfung: du bist in Gott- Schöpfer, Liebe, Geist, du geschaffen, du geliebt, du vom Geist in die Pflicht genommen. Was ist daran so schwer zu begreifen? Wir sind davon Umgriffene. Amen


 




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