L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   14.03.1999

Matthäus 25

Das Reich Gottes ist mitten unter uns im Anbruch. Und braucht wache Menschen – Jesus zieht ein Gleichnis heran aus dem Leben: Es ist da eine Sitte im Orient, daß Braut und Bräutigam geleitet werden von Brautjungfern. Die Verhandlungen um Geschenke und Mitgift und Brautpreis können sich lange hinziehen. – Ob dann, wenn das Fest endlich losgehen kann, die Brautjungfern mit ihren Lampen da sind?
Zehn Frauen haben sich mit ihren Lampen auf den Weg gemacht, den Brautleuten entgegen. Aber fünf von ihnen sind töricht, und fünf sind klug.
Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen keinen Vorrat an Öl mit.
Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.
Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, die Brautleute kommen. Geht hinaus, ihnen entgegen!
Da standen die Frauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Aber fünfen war ihr Öl zur Neige gegangen und sie drängten die andern: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
Da antworteten die klugen: Nein, es würde sonst für uns und euch nicht genug sein. – Und der Bräutigam kam mit seiner Braut, und die bereit waren gingen mit, die Hochzeit zu feiern.
Die alte Geschichte geht weiter: Und die Tür wurde verschlossen. Die törichten versuchten anderwärts noch Öl zu bekommen. Als sie dann später noch Einlaß wollten: Herr, Herr, tu uns auf!
Da antwortete er: Ich kenne euch nicht. Und das ist die Lektion:
Wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde, da der jüngste Tag kommt.

Dieser Schluß ist überholt von Jesus selbst: Niemals würde er vom Ewigen Leben Menschen ausschließen, die hier töricht oder gar böse waren. Jesus hat diese Menschen als Verirrte bezeichnet, die heimzuholen er gekommen ist. – Die Gerechten brauchen mich nicht, hat er gesagt, die schaffen die Qualifikation von alleine. Aber die Sünder, die Schuldigen, die Törichten, die auf Erden schon so viel Unrat angestellt und so viel Unrast verbreitet haben, die so dringend Erlösung brauchen, auch von sich selbst – wie sollte der Retter sagen: Ich kenne euch nicht. Der Hirte kennt die verlorenen Schafe. Das ist ihre einzige Chance.
Wir brauchen die Geschichte von den klugen und törichten Brautjungfern aus anderem Grund: Nicht zum Ansporn, daß uns Jesus am Jüngsten Tag auf dem Posten sieht – weil wir sonst verstoßen werden. – Sondern:
Ja, die Wirklichkeit ist voller Chancen. Die größte Chance ist, Christus zu treffen. – Das ist, wo Himmel und Erde Hochzeit feiern, Geist und Materie heilige Communion zelebrieren, wo Mann und Frau, wo Menschen sich lieben, verschiedene Interessen auf einen Nenner gebracht werden, Christus treffen als Verknüpfer, als Friedensmacher, als Energie der Versöhnung – in den alltäglichen Grauzonen. Und du hast genug Öl und Beleuchtung mit, die Situation zu erhellen. Das wär’s.
Ja, die Geschichte drängt, das Fest des Christus mitzufeiern, das Fest mit auszurichten. – Herrlich das Bild für deinen, meinen Alltag: Da will Gott Hochzeit feiern, also in unsern Händen, Armen, Köpfen verknüpft sich das Ewige, der Geist, Christus mit dem Erdenstoff. Alltag ist anbrechendes Reich Gottes, und Braut, Bräutigam, Hochzeit ist innigstes Bild für Verknüpfen, Verschmelzen, Einigwerden, Einswerden. Gott ist dabei, was noch feindlich ist, zu entwaffnen und hinzubiegen zum Gemeinsamen. Das Einander-angehören im Bild der Hochzeit, ist die Christus-Energie, und wir sind geladen, das Einander-angehören zu erhellen, es mit zu fördern.
Gegen all die Weltuntergangsszenarien, gegen all das Weltanschwärzen in-Bausch-und-Bogen ist dies Bild von der Heiligen Hochzeit wunderbar: Gott kommt, mit uns gemeinsame Sache zu machen, ein Leib zu werden, ein Schicksal zu haben. – Dann ist doch Glück voraus, dann lohnen die Mühen, dann geht’s zum Fest – jeder Seufzer soll zum Lied sich wenden. „Du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet“ – sieh dir deine eigene Verwandlung an, merk sie, laß sie dir gefallen. Heute will Gott mit dir zum Tanz, die Realitäten geraten in andere Umstände, heute dir Hochzeit, Ganzwerden mit dem Leben.
Und es gibt eben kluge und törichte Brautjungfern – oder Trauzeugen. Die einen haben Energie mit und die andern nicht. Was könnte der Geistes-Stoff sein, mit dem die einen gut versorgt sind und die andern nicht?
Was brauchen wir, den Alltag zu bestehen, wo so viele konfuse, gegenseitig sich mattsetzende Parolen erklingen, und wir oft das Hilfreiche zerschwätzen? Im Bild vom säumenden Bräutigam steckt ja die Forderung vor allem nach Geduld: Mensch, wenn du klug bist, dann zwing nicht, laß den Dingen ihren Lauf, dämme nur ein den Energieverbrauch, bis es so weit ist.
Und bleib bescheiden: Du bist nicht der Heiland, aber sein Lichtträger. Du sollst die Situation gut ausleuchten, nicht dich illuminieren. Du bist Diener – im Sinne von ergänzen, – du hilfst, Stolpersteine zu erkennen. Du schmückst die Harmonie, aber du bist nicht, der gefeiert wird.
Und habe genug Erleuchtung bei dir, Klugheit –
Und immer mußt du in deiner Person die Energie haben: Geduld, Bescheidenheit, Klugheit – du kannst in der Not nicht eben mal ein Pfund Klugheit leihen oder ein Paket Lebensmut oder Bescheidenheit. Wie soll man sie leihen – Persönlichkeit, wie erwerben? Das ist doch Anwachs über Jahre – im Ernstfall wird es sonnenklar, wer du bist, da steht man ganz nackt da.
Das hat nichts zu tun damit, daß wir mit unserer Schuld nicht allein dastehen, sondern Christus uns ja ergänzen will. Wir müssen alle durch den Brennofen Realität und wir werden geschmiedet und geläutert vom Leben, wir werden immer klarer wir selbst – und müssen für unsere Ungeduld, unsern Hochmut, unsere Rotzigkeit geradestehen.
Warum ich auf die Geschichte von den klugen und törichten Trauzeugen komme – ich suche einfach nach Bildern vom Bestehen und Scheitern, weil mich Oskar Lafontaines Abgang sehr erschreckt.
Warum einer seine Ämter hinschmeißt? Doch, weil er zuwenig Energie auf der Lampe hat – viel Machtlust, viel Herrschaftswillen – wichtige Eigenschaften für die Politik, aber eben nicht genug Geduld, Demut, Klugheit.
Er hatte viel vor. Die Wählenden haben ihn mit Verantwortung beladen. Und die haben sich getäuscht, nicht so sehr er sie. Wir haben ihn mit unserm Zutrauen aufgebaut und aufgebauscht. Jetzt zeigt er sich dem Druck der Ämter nicht gewachsen, er konnte nicht zu den neuen Ufern mitreißen, fühlte sich wohl mißverstanden, gemaßregelt, alleingelassen. Der anfangs so Hochgemute sah sich im Wirrwarr untergehen. Er reagierte schnell, kam seiner Niederlage zuvor. Das ist besser als hinhaltendes Aussitzen bis zur Aushöhlung.
Aber Politik ist doch „das Bohren dicker Bretter mit Geduld und Augenmaß“ (M. Weber). Hatte er gedacht, der Erfolg der Beifall, die heile Welt würden sich so schnell einstellen? Vielleicht hielt er sich selbst für den Bräutigam, den Heiland, konnte auch nicht Zweiter sein. Hätte er im Dorf der Erste bleiben sollen, statt im Staat der Zweite? Er scheint nur zu taugen, wo er die Richtlinien bestimmen kann – und sah, daß er isolierter wurde und verhaßt. Seine Flucht ins Eigenheim, sein Verstecken, sein Sich-zeigen mit Söhnchen, sein Stummbleiben ohne eine Erklärung – ich sehe die törichten Brautjungfern, wie sie einfach versagen, sie vertändeln, sie sind derangiert, von der Rolle. –
Wir dürfen versagen. Wir sind ja aus brüchigem Material, sind begrenzt, sind endlich in den Kräften. Wir dürfen enttäuschen, wir dürfen sagen: Macht’s gut, macht’s besser, ich kann nicht mehr. Ich habe mich verschätzt, es tut mir leid, so zu enttäuschen; ich hätte es gern besser gemacht. Gott behüte uns alle. – Aber so wortlos, trostlos – fürchterlich.
Dabei haben wir alle die Einladung, an der Hochzeit Gottes mit der Welt teilzuhaben. Wir spüren doch, Bescheidenheit, Demut, Klugheit empfehlen sich. Was reitet uns für ein Ungeist, wenn wir so daneben liegen? In einem alten Hymnus (Philipper 2) auf Jesus heißt es: Er, obwohl von göttlicher Qualität, beutete das Gottgleichsein nicht aus. Er verzichtete auf Privilegien, wurde normal, einer von uns, Knecht der Realität. Er trumpfte nicht auf sondern blieb gebückt unter die Mühen, prangte nicht in Scheinwerfern sondern zog andere aus dem Dunkel. Er zeugte für die Liebe, war der Liebe gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn erhöht, hat ihn zum Bild Gottes erklärt. Alle sollen an ihm Maß nehmen. – Ob wir klug werden, bescheiden, geduldig? – Ergänzen wir einander solange es Zeit ist. Amen.
 

Schlußgebet
 

Wochenlosungen mit kurzer Auslegung (T. G.)

14.03.1999 Laetare
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, 24
Das ist überhaupt das Lebensgeheimnis des Jesus: Sich ausgeben macht, sich einzukriegen; in die Beziehungen sich verschenken, das macht komplett; sterben ist zu Ende geboren werden. Wer aber „Ich, Ich“ denkt, wer dauernd für sich rechnet, den bestraft das Leben. Sich vertiefen in das Wirkliche, das Nötige tun, die Freude, die jetzt gegönnte, erfassen – und du bringst viel Frucht. Dir blüht das Glück, weil du es nicht ansteuerst. Es läuft hinter dem her, der förderlich ist und der mit einer Hand Gutes tut, ohne daß die andere es verbucht.
 
 

21.03.1999 Judica
Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Matthäus 20, 28
Dann ist es auch Gottes Metier, daß er dient – also dem Leben zum Gelingen verhilft – also auch dir beisteht. Jesus als Angesicht des Weltsinns – das klärt doch auch meinen Sinn: daß auch ich da bin, zu dienen – mich also einspannen lasse in das Gottesprojekt Erlösung. Also Ende mit aller kniefälligen Belobigung, suchen wir „Gottesdienst jenseits des Weihrauchs“ und lassen auch eigene Prestigesucht fahren. Dienen wir einander mit Freuden; damit ist Gott viel gedient. Und wir sind erlöst vom Verlorensein.
 


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2017 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...