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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   04.10.1998&

Erntedank

HREF="../show.php?inhalt=inhalt/eg981004.html">Eingangsgebet

Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich (Psalm 118, 1)
 

Danket! Als Befehl haben wir das nicht so gern. „Schön danke sagen“ haben wir von früher noch in den Ohren. Aber es ist nichts Fremdes, was hier gesagt ist, und noch steht „Erntedank“ in unserem Kalender. Altäre werden geschmückt und Dank den Treuen, die stellvertretend für uns alle geschmückt haben hier und in anderen Kirchen.
Kirche ist ja für vieles nötig; aber Erntedank, dafür braucht unsere Seele einen Ort, wohin wir ein Stück Ernte bringen können; da ist es uns ganz nah, an den Altar etwas hinzustellen, an diesen magische Ort, den Tisch für Gott und Mensch, wo wir anbeten.
Sicher hat jeder im Innersten seines Herzens auch seinen eigenen Altar; und doch zusammen heute hier gemeinsam: Danket dem Herrn! Und jeder stelle im Geist hinzu an diesen Altar, was er will. Eine Beute dieses Jahres stelle jeder an diesen Altar, geistig gesehen, einen Fund, einen Erwerb, ein Geschenk, ein anvertrautes Gut, meine/deine Ernte.
Ein Augenblick des Nachdenkens: Was will ich, das es mit da liegt am Altar, auch wenn ich es später wieder mitnehme. Ein Strandkorb als Bild für gutes Vermieten, ein Bild eines geliebten Menschen, ein Surfbrett als Bild für Freude, ein Brief des Trostes, ein Brief voller Versprechen, ein Hündlein: also Deins steht jetzt mit am Altar. Seht ihr’s ?
Danket! Der Befehl gibt uns nichts Fremdes auf, in dir sagt es ja: Danke! Doch Dank! Ob es sagt, danket dem Herrn, das ist eine feine kleine Frage. – Dank an den/die/das Gute Ganze. –
Mir ist Gott auch Herr in den Zumutungen, die mich treffen, da wo ich Schicksal als herrisch erlebte, als niederschmetternd und ängstend. Doch auch dieses Herr sein ist mir eingebettet in ein Größeres in einen Großen, Schönen, Ganzen Guten, in dem auch das Dunkle umfaßt ist.
Gott – das Herz aller Dinge – wenn dir nicht Herr, dann nimm deinen Namen; nimm deinen Namen, wie du ihn nennen willst. Gott hat viele Namen; Jesus nennt ihn einmal Abba, „Väterchen“. Sag zu ihm, wie du willst.
Denn Er ist freundlich! Und hat doch dich als Freundliches erfunden. Doch, glaub dir das, daß du im Wesentlichen freundlich bist; du bist Bild und Echo und Abdruck Gottes. Also schließ von dir zurück auf deinen Kreator. Wenn du/ich schon etwas freundlich sein können, die wir doch schwierig sind, um wieviel mehr ist unser Erfinder wunderbar freundlich. Seine Güte währet ewiglich.
Güte als Wesen Gottes! Heilmachen, gutmachen – das Wort Gott meint ja gut, Güte. Gott ist am gutmachen, das ist sein Metier, am ausbügeln, er hat eine fehlerfreundliche Schöpfung erfunden. Was allein der Schlaf ausbügelt – hat einer eine kleine Portion Schlaf an den Altar gelegt, als Bild für schlafen können, schlafen dürfen?
Güte als Quelle des Lebens? Kinder, Enkel, Zartsein, die Sinne? Deine Sinne spielen dir doch Sinn vor. Daß das Sein gut ist, das spielen dir die Sinne vor.
Lobe den Herrn! Sollte Gott tatsächlich gern gelobt werden? Jedenfalls will er Antwort, will uns Menschen als Merker, will uns als Stauner, manchmal mit der Zunge schnalzend. Gott hätte auch die Evolution beim Affen oder beim Delphin, das ist ja noch Streitfrage, enden lassen können. Aber, ich glaube, er hat uns Menschen gemacht, weil er uns noch einen Tick mehr Bewußtheit mitgegeben hat, uns mit Selbstverständnis ausgerüstet hat, und daß dieses Selbstverständnis Dank fühlt, Dank wittert, staunt. Das könnte bei aller Tragik, die sich der Liebe Gott auch mit eingebrockt hat mit der Erfindung der Menschen, das könnte wesentlich seine Freude sein, daß er ein Wesen hat, das sich mitfreut, nicht bewußtlos; auch die Tiere freuen sich mit, und gar nicht so sehr bewußtlos für Menschen, die die Pferde flüstern hören oder den Pferden flüstern können.
Lob ist Anerkennung. Dabei lobt das Lob ja erstmal den, der es merkt. Also wer lobt, der hat ja selbst erstmal etwas davon, der merkt nämlich, das er nicht gedankenloser Verbraucher ist. Du lobst - du merkst, daß nichts selbstverständlich ist. Dein Merken macht erstmal dich reich.
Die Farben wahrnehmen, das macht doch uns Schauende glückhaft reich. Wer jetzt die farbigen Wälder sehen darf, die Gärten, den grünen, den roten Wein – das Herz blüht auf. Es ist doch eine Lust zu leben. Noch merken – ja in dir lobt es noch.
Lobet und staunet. Ich glaube, daß Gott auch im Wald und am Strand ist und im Klang ist und in der Umarmung – und bereitet sich ein Lob in uns. Psalm 8: der Du Dir ein Lob bereitest durch Unmündige und Säuglinge sogar. Ihr Lallen ist doch Lobe den Herren von allerfeinster Sorte.
Loben ist intensiver leben. Und vergiß nicht, was Er dir Gutes getan hat, vergiß es nicht. Du bist jetzt hier, die Summe von Bewahrtsein, in dir sind Jahre von Bewahrtsein, in dir ist die gesammelte Erfahrung durchzukommen und das Leben richtig zu benutzen und zu verstehen. Vergiß nicht, was Er dir Gutes getan hat durch Rettung und Bewahrung hindurch. Du bist reichlich und täglich versorgt, und du auch der Versorger anderer.
Vielleicht das Beste ist doch, daß wir etwas haben, das wir weitergeben können, womit wir Glück anstiften können – das Glück des Stillens bei Müttern, das Glück des Sorgenkönnens, des Erziehendürfens, das Glück anzulernen, Auszubildende anzulernen und merken wie sie was annehmen, und trösten, helfen, daß einer seinen Weg findet.
Lobe den Herren, denn sein ist die Macht, sein ist die Macht. Allmächtig ist Gott, alle Energie ist sein Strom, Licht ist sein Kleid. Alle Begabungen sind an uns ausgeliehene Talente. Sein ist die Macht – wir haben nur ein Stück zur Nutzung anvertraut bekommen. Wir sind selber, jeder Mensch, aber auch jedes Energiebündel, jedes Elektron ist Gestalt von Macht Gottes. Wie die Kerze ein Stück kleine Sonne ist, ist unser Vorhandensein ein Stück von Gottes Energie.
Sein ist die Macht. Das ist vor allem gesagt, damit ich mich nicht selbstherrlich katapultiere zum Herren der Welt. Dein ist die Macht, das heißt Freude, trösten, hören – alles gut, aber die dir zu Gebote stehende Macht, Mensch, verwende sie behutsam, mißbrauch nicht. Vor allem mißbrauch nicht Lebendiges, wie wir die Tiere mißbraucht haben, das ist ein tragisches Kapitel von uns Menschen.
Wir haben Besitz. Ich schließ mein Auto ab, auch. Eigentlich müßte man ja den Schlüssel stekken lassen für den, der es braucht, dringend. Aber, letztlich ist es ja mir anvertraut, damit ich damit Gutes mache. Also wenn einer in Not ist, muß ich ihm wenigstens zu einer Fahrkarte verhelfen für den Bus, wenigstens. Es gilt das Wort Jesu: Wem viel anvertraut ist, von dem wird viel erwartet. Darum, was wir haben, es soll uns ermutigen, im Sinne Gottes zu handeln.
Besitz ist auch Dir zur Freude gemacht. Wenn du dich über ein neues Kleid oder ein neues Buch freuen kannst, dann dank dem Lieben Gott, daß du das kannst. Dann ist das doch Stoff für Lobe den Herren. Aber prüfe: erfreut es dein Herz, das einzelne Teil, oder sammelst du nur gierig um zu haben? Als Test: entzündet das einzelne Teil in mir Lob und Dank und gibt so wieder Power zum Gutes tun? Dann nimm es als Huld Gottes, der dich schön kleidet, dich beschenkt mit deinen Büchern. Und der dich instand setzt, nachzufühlen was das heißt, ohne Lesen können aufzuwachsen. Freu dich an Kleidern, aber dann weißt du, was das bedeutet, in Lumpen gehen zu müssen, und dann wirst du zu deiner Zeit das Richtige tun, für Brot für die Welt, oder anderes.
Gott ist weise, ja Gott ist weise. Er hat dich und mich erfunden und erfahren und trägt uns immer noch. Sein Name ist heilig und alle Lande sind seiner Ehre voll. Guckt doch die Landschaften an, auch die kargen Einsamkeiten, die Stille der Wüsten, das Gesumm der Verkehrsströme. Alle Lande sind seiner Schönheit voll, und wir dürfen’s nicht verderben oder müssen rekultivieren; wir sind verpflichtet, die Schönheit zu schützen.
Betet ihn an, gebt ihm die Ehre.
Ach Erntedank, das feiert uns mit als die, die danken können; die wir wissen wo wir am richtigen Platz sind, Erntedank weist uns den richtigen Platz an. Und singet Gott, preist doch. Es ist wahrscheinlich so, daß das Singen und das Loben und das Beten die Funktion hat, daß wir Echo geben.
Das ist überhaupt die Substanz unseres Glaubens: Wir werden vernommen, wir sind Menschen, die wahrgenommen werden und gehört werden. Wir sind nicht Verlorene, sondern kommen vor bei Gott, und helfen einander vorzukommen bei einander. Amen.

Schlußgebet


 



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