L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tδgliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bόcher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gδstebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
Der Wochenspruch mit kurzer Auslegung (T.G.)
06.09.1998 Christus spricht: Was ihr getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan (Matthäus 25, 40).
So nah stehen wir uns, Gott und Mensch. Heilig ist, wen wir streicheln oder schlagen. Was wir unsereinem antun an Freude oder Grobheit, das reicht bis ans Herz aller Dinge. Gott ist also nicht nur Schöpfer oder Richter. Mit Christus wird Gott Mensch, Natur, nimmt dich und deinen Nächsten als Körper, als Medium seiner Gegenwart. Darum hat unendliche Folgen, was wir tun und unterlassen. Wir stillen Gott oder lassen ihn verhungern. Nicht nur umarmen sich zwei Liebende, sondern Gott liebt in ihnen und heißt die Welt gut.
 

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   06.09.1998

Die Freude am Herrn ist eure Stärke (Nehemia 8, 10). Den Abend lang währet das Weinen, aber am Morgen ist Freude. Du hast mich mit Freuden gegürtet (Psalm 30, 6.12).
Siehe ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seist, laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht, denn der Herr, dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst (Josua1, 9).
Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, fest im Gebet (Römer 12, 12)

Seid fröhlich in Hoffnung! Das ist Auftrag an die Christen. – Aber mit Freude, Lachen, Humor, Heiterkeit haben die Christen, die protestantischen zumal, es schwer – es riecht nach vergeudetem Leben, nach Übermut: Die Vögel, die am Morgen pfeifen, frißt am Abend die Katze; Lachen erst nach der Arbeit, mal.
Den Mönchen war das Lachen als unanständig untersagt. Der Roman von Umberto Eco im Namen der Rose kreist um Jorge von Burgos, den strengen Benediktiner, Hüter der großen Bibliothek und vor allem eines Schatzes, des einzigen erhaltenen Buches des Aristoteles über den Nutzen der Komödie. – Und da dies Buch vor Lachstoff strotzt, wollte Jorge die Welt vor diesem Text schützen und ermordet sogar einige literarische Spürnasen. Im Lachen sieht er ein Prinzip des Aufruhrs gegen die Autoritäten. Wie wahr.
Wenn ich mir Jesus vorstelle, dann lacht er oft. – Sicher nicht in Böen von Gelächter, nicht Stammtisch, eher – wenn er von Herodes, dem Fuchs spricht – mit wissendem Lächeln. – Seid klug wie die Schlangen, ohne Falsch wie die Tauben, das hat er doch sicher mit einem gewissen Lächeln gesagt.
Jesu Worte mal anfühlen, ob sie ein Lächeln bei sich haben – jedenfalls einige. Wir sollen uns nicht wundern, daß zumeist die schicksalhaften Worte überliefert sind. Schon damals zu Jesu Zeiten galt Lachen nicht als förderwürdig, nicht als honorig – nicht als des Aufschreibens wert.
Dabei gehört doch zum Mutterboden unseres Glaubens: Humor – Humus – das Feuchte des Lebens, Humor, was uns durchfeuchtet: „Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein, ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ – Dieser Psalm 23 entbindet in uns doch Freude, ein Gutsein spüren; es beschreibt das glückliche Geleit meines/ deines Gottes: Im finstern Tal bei dir – und ein Tisch im Angesicht deiner Feinde – deiner kräfteabgrabenden Ereignisse und mutabsaugenden Gedanken. –
Dir ein Tisch, dein Haupt gesalbt, dir volle Kanne Freude. – Dann muß übrigens auch ein Gottesdienst lustvoll sein, muß Atzung, Salbung, Mund-voll-Lachens sein. – Im Haus des Herrn sein ist Glücksfall, und wenigstens ein Schatten vom Hause des Herrn sollte das Kirchenhaus auch sein – also hier auch: am Morgen Freude, Mund-voll-Lachens – es soll doch jetzt hier ein gutes Fühlen zu greifen sein.
Im Hause Gottes – ein starkes Bild fürs ganze Leben. Ich werde bleiben in seinem Revier immer – in seinem Haushalt. Auch wenn es mal knackt und alle Gewißheiten zerbrechen – und auf einmal dein Lebensboot dir nur noch von Ozean umgeben scheint. –
Noah, was für ein Abenteurer im Haus Gottes, er hat seine Burg bei sich, seine Arche, voll Kreaturen, die auch leben wollen – auch dies ein Bild für dich. –
Wieviele hängen mit dir zusammen, brauchen deine Kraft; wieviele brauchen, daß du eine gute Nähe zu Gott hast – wenn du noch glaubst, daß wir, obwohl nur Ozean rundum, doch in Gottes Hand sind; wenn du noch das Segel Zuversicht hochhälst – dann ist noch alles im Hause des Herrn. –
Sieh Noah und seine Frau, sie gleiten dahin in ihrem Kahn mit Riesengepäck und so viel Verantwortung – die Genbank der ganzen Schöpfung war ja, im Bildes des Zoos, mit bei ihnen – auf den Wassern der Sintflut. Die alles Leben ertränkenden Wasser schienen zu sinken – es regnete schon länger nicht mehr – aber kein Berggipfel war zu sehen. Noah ließ einen Raben fliegen. Er kehrte alsbald zurück, weil er keinen Landeplatz gefunden hatte. Später ließ er eine Taube fliegen, die kam mit Ölzweig wieder, also hat Gott schon irgendwo was wachsen lassen. Wochen später ließ er eine zweite Taube los, die kam nicht wieder, das Wasser sank wirklich. Die Erde bleibt Haus des Herrn. Und ein Lachen, ein Jauchzen, ein Feiern hub an auf der Arche. –
Das wär’s doch, wir alle kleine Noahs und Noahrinnen, die dafür haften: Wir bleiben im Hause des Herrn, bekommen voll eingeschenkt, werden froh. – Also wünsch dir, erlaub dir ein heiteres Wesen, etwas mehr.
Natürlich haben wir Vorgaben, was unsere Tendenz zu „heiter“ oder „melancholisch“ angeht – und doch: Wenn wir wüßten, daß Jesus sein Leben im Grunde froh bestand, dann hätten wir auch mehr Lizenz zu Freude, zu Humor, zu Lachen und leichtnehmen.
Sehet die Vögel, sehet die Blumen, sorget nicht, zersorgt euch nicht – sagt Jesus.
Achtet auf euer Gut- und Böse-sein, daß es durchwachsen bleibt, mehr Weizen, weniger Unkraut, das ist schon was. – Aber Gott läßt seine Sonne scheinen über Böse und Gute, läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Also meint nicht, irgendwelche als die Bösen ausrotten zu können.
Und zu Martha: Ach du, Martha, du machst dir viel Sorge und Mühe, hast keine Zeit, setzt dich zu mir hin, dann hast du Zeit.
Das strahlt eine Menschenfreundschaft aus, die der Humus von wahrem Humor ist. Jesus hat wenig Zynismus – mal schwingt er die Geisel und verjagt die Wechsler vom Tempeleingang. –
Er macht nicht Witze, aber mit Witz entspannt er die Situation: Ihr Schriftgelehrten fragt nach Steuerpflicht – ich weiß schon: Sag ich: natürlich, dann hab ich beim Volk verspielt als Römerfreund. Sag ich: Steuern so wenig wie möglich, klagt ihr mich bei der Besatzung an. Zeigt mir eine Münze. Aha, wessen Bild zeigt die Münze? des Kaisers. Was zeigt euer Antlitz? das Bild Gottes. Also gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist – aber Gott, was Gottes ist. Dem Kaiser die Steuern aber Gott gebt seins – euch selbst. Und damit ließ er sie stehen. –
Dies Verblüfft-stehen-lassen, derer, die ihm eins auswischen wollen oder ihn unschädlich machen durch Verhöhnen; die schnappt er sich, verblüfft sie und entwaffnet sie: Die sich zu Richtern aufwerfen wollen gegen eine Frau, die verbotenerweise liebte, sie hatten die Hände schon geladen mit Steinen – denen sagte er: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten – und lange warf keiner, vielmehr ließ einer nach dem andern seinen Stein fallen, und sie trollten sich. – Bis die Frau und Jesus allein zurückblieben: hat dich keiner verdammt? so verdamme ich dich auch nicht. –
Dies Leichte – nicht mit Hammer, sondern Platz schaffend, sich zu besinnen – dies dem andern auch Recht lassen – herrlich: Die Gesunden brauchen den Arzt nicht, ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten (Matthäus 9, 13), auch mit einem Schuß Ironie: Ihr zahlt die Mehrwertsteuer für Dill, Minze, Kümmel (Matthäus 23, 23), drückt euch aber vor der Rente an eure altgewordenen Eltern. Ihr gleicht denen, die Mücken aussieben aber Kamele verschlucken (Matthäus 23,24). Wenn ihr opfert, und es fällt euch am Altar ein, daß dein Geschwister was gegen dich hat, noch am Altar kehre um, laß deine Gabe da, klär deinen Streit und dann komm wieder, die Versöhnung mit Gott zu feiern (Matthäus 5, 23, 24), aber nicht Opfer statt Friedenmachen. – Ihr Schriftgelehrten, ihr schließt den Himmel mit eurer Auslegung zu vor den Menschen. Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, die laßt ihr nicht hineingehen (Matthäus 23, 13).
Das herrlich nahe Gottesreich hat an Jesus Hand und Fuß. Dieser Leuchtfeuermensch Jesus als Mitte, voll Kühnheit und Witz, und „ein Lächeln, nicht eins der Gemütlichkeit, sondern eins, das dem Ernst funkelnde Eindringlichkeit verleiht“(Luis Kretz) stärkt uns doch.
Jesus ist auch wohlgelaunt, aber mehr begeistert – jenseits von Weihrauch und gemachter Feierlichkeit: Wer Ohren hat zu hören, der höre...
Herrlich die grotesken Bilder: „Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinen Augen bemerkst du nicht“ (Matthäus 7, 3) – unsere Hellsicht für andererleuts Fehler aber gnädiges Vergessen der eigenen – das ist schon lächerlich, eben wie dies Bild. Ich stelle mir Jesus vor oft mit einem stillen unterrichteten Lachen.
Auch: „Werft eure Perlen nicht vor die Säue“ (Matthäus 7, 6) – die Mahnung zu Stil, und ihr sollt „nicht so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken“ (Kästner). –
Auch Jesu Mutmachen zu bitten – Menschen und Gott – als müßten wir unser Quantum an Barmherzigkeit loswerden, und wehe, wir bringen unser Maß an Güte nicht unter. – Darum: gib deinem Nächsten eine Chance: Bitte, suche, klopfe an. Wenn jemand um Mitternacht noch seinen Freund aus dem Bett klingelt: leih mir Brot und was drauf, Verwandte sind gekommen, unangemeldet, und ich habe nichts da – würde der drinnen antworten: mach mir keine Unruhe, hier schläft schon alles, ich kann jetzt nicht. Nein, sagt Jesus, geh ihm auf die Nerven: denn wenn er schon dir nicht aus Freundschaft gibt, dann um deines unverschämten Drängens willen (Lukas 11, 8). Und so betet auch zu Gott innig: Ihr Schwierigen, wenn euch eure Kinder um ein Ei bitten, dann bietet ihr ihnen doch nicht eine Giftspinne. – Wenn nun ihr, die ihr schon schwierig seid, euren Kindern doch Gute Gaben gebt, wieviel mehr dann gibt Gott euch Gutes.
Herrlich spießt Jesus die maulige, twerige, mißmutige Art auf, wie sie mit ihm unzufrieden sind (Lukas 7, 31): Ihr seid doch den Kindern ähnlich, die die Kameraden ausmeckern: Ihr Spielverderber, wir haben Musik gemacht und ihr habt nicht getanzt, wir haben Trauerlieder gesungen und ihr habt nicht Trauern mitgespielt. Johannes der Täufer ist gekommen, der aß kaum und trank keinen Wein; da sagtet ihr, der ist nicht normal, der hat einen Dämon. Dann kam ich, esse, trinke; und ihr meckert: was für ein Fresser und Weinsäufer, ein Kumpel der Sünder. – Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von den Kindern. – Jesu Umgang mit Kindern, und deren Mütter – ein Kapitel für sich: Die Jünger wollten die Mütter abwimmeln – der Meister hat nachher noch einen großen Auftritt – aber Jesus blinzelt – laßt die Kinder zu mir. Sie haben den Himmel in den Augen. Ihrer ist das Himmelreich. Und wer eins von diesen Kleinen ärgert – ein Mühlstein an seinen Hals, ihr Banausen. – So hat er den Machos eine Harke gezeigt.
Jesus im Sturm – das Boot bald am Kentern, die Jünger kämpfen ums Leben und Jesus schläft. – Ist das nicht zum Lachen?
Warum können Engel fliegen? Weil sie sich leicht nehmen. Sie wissen, es trägt sie einer. – Das könnte doch von Jesus sein, dieses Leichtseinkönnen aus dem Wissen: Mein Tragen trägt der Großeganze mit, in meinem Mühen kommt schon das Nötige zur Geltung, es reicht im Rahmen meiner Kräfte zu sein, ich brauche nicht die Anerkennung, Ehren, Orden, ich muß nicht Punkte machen – ich muß endlich mich nicht mehr so wichtig nehmen und lerne, über mich selbst zu lachen, über mein Heikelsein und meine Ehrhuberei.
Es leicht nehmen, nicht eingeladen zu sein, meinen Namen falsch geschrieben zu sehen, das falsche Geburtstagsgeschenk zu bekommen – es mit Humor nehmen, ein tiefes Leichtnehmen – zugute zu halten, daß mancher schon mit dem Bestehen seines Alltags am Rande des Überfordertseins ist.
Leichtsinn, kein Leichtsein, keine Frivolität gegen das Leid des andern – aber zart, mühelos, unaufdringlich, gegen alles aufgedonnerte und hochgerüstete Rechthabende, gegen diesen tierischen Ernst.
Halt den Ball flach – okay, es tut mir leid. –
Dies Unter-Tränen-lächeln, von innen genährtes inneres Wissen.
Gut Gedicht wie Regenbogen ist auf dunklen Grund gezogen (Goethe).
Dieses Leichtsein im Angesicht des eigenen Leidens. – Nicht klagen, aber eine Jüngerschar bei sich haben, die den Herrn verteidigen will und dem Henkersknecht ein Öhrchen abhaut – und Jesus setzt es ihm wieder an – dieser Galgenhumor.
Humor: die unaufdringlichste aller Utopien, die am wenigsten bedrängende Argumentation, bedenke, es könnte auch anders sein; ein Gewinnen mit Grazie, ein Überreden, ein Geehrt-werden damit, daß der andere nicht schweres Geschütz für nötig hält, sondern – gemeinsames Lachen, es guthaben, es heiter wissen. – Das hat was mit heraufkommendem Licht zu tun, vor dem die Nebel zerreißen – „die Freudigkeit des Lichts gegen die Schwere gestellt“ (Ernst Bloch). – Das Endliche mit einem Klaps der Unendlichkeit versehen – das ist Humor, wir wünschen ihn uns.
Max Frisch: Gesetzt den Fall, sie glauben an einen Gott: kennen sie ein Anzeichen dafür, daß er Humor hat?
Daß es in uns lacht, manchmal wild – das ist doch ein Echo auf ein Freude-Gegenüber.
Und die Geschichte vom Rabbi: Der Mann beklagt sich beim Rabbi über seine zänkische Frau – und der Rabbi: Du hast recht. Einige Tage später kommt die Frau sich beschweren über ihren Mann, der nicht zuhöre, und sie müsse alles dreimal sagen. Der Rabbi sagt: Du hast recht. Da kommt ein Schwiegervater zum Rabbi und beschwert sich: Wie kannst du dem recht geben und der; du mußt doch Stellung nehmen. Und der Rabbi sagt: Du hast auch recht.
 

Schlußgebet:
 


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2017 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...