L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
Predigt 30. November 2003

Keitumer Predigten Traugott Giesen 30.11.2003

1. Advent

Bleibt keinem Liebe schuldig. Wer den andern liebt, der erfüllt den Willen Gottes. „Du sollst deinen Nächsten lieben“, faßt alle Gebote zusammen.

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses, sondern Gutes.

Gutes tut umso mehr, weil ihr die Zeit erkennt: Es ist Zeit aufzustehen vom Schlafe. Denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.

Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und Erleuchtetes tun. (Römerbrief 13, 8-12)

Endlich Advent! Der Totensonntag ist vorbei, Lichter leuchten auf dem Weg nach Weihnachten. Noch vier Wochen lang werden die Tage kürzer und dunkler, dann das Christfest, auf den Punkt gesetzt, wenn die Tage wieder länger werden. Also nehmen wir im Geiste Anlauf: Die Zeit drängt. Es ist was im Kommen. Alles außer der Liebe ist dann überholt. Ein Sog zieht die Zeit in die Zukunft: Heil gemacht, schöngemacht werden wir alle, Gott wird uns verwandeln. Nicht nur dermaleinst. Paulus meint, in den paar Jahren seit seiner Bekehrung, sei das Reich Gottes spürbar näher gekommen. Paulus scheint erlebt zu haben, dass es besser wurde mit ihm, und er meint, besser müsse es allen gehen, die gläubig geworden sind. Sind wir auch sicher, dass uns der Glaube gut tut? Gerade 1. Advent können wir dem wieder nachspüren.

Gläubig sein, heißt Verwandlung, Besserung erleben. Das Dunkel ist im Schwinden, der Tag der Tage rückt näher, Gottes Jüngster Tag, wo er uns alle nach getaner Erdenarbeit in die große Brandung seiner Liebe einhüllt. Und jetzt fängt diese Verwandlung schon an.

Klar, jetzt ist noch Druckzeit, Mühezeit, Kampfzeit, es ist ein Ringen, zurechtzukommen und zurechtzuhelfen. Das bringt uns oft in Konflikt: Komme ich zurecht oder helfe ich zurecht? Drängele ich oder fördere gemeinsamen Fluss? Setz ich mich in Szene oder stelle andere ins Licht? Spare ich oder bringe andere in Arbeit? Halte ich fest oder verschenke ich? Halte ich Maß oder lebe ich auf Pump bei der nächsten Generation? Verschaffe ich mir Gehör oder helfe ich anderen zu Wort zu kommen? Bringe ich mich in Sicherheit oder besorge Sicherheit für alle? Noch ist Konfliktzeit: Ich oder du. Überfluss gegen Hunger, Reich gegen Arm, Nord gegen Süd, Bildung gegen Sprach- und Wissensschwäche, Junge gegen Alte, Moderne gegen Fundamentalisten. Ist es ewig, dies Entweder–Oder? Wenn das Reich Gottes auf dem Weg zu uns ist, muss schon hier ein Zusammenfinden anfangen.

Paulus sagt, das Heil kommt näher. Von Generation zu Generation kann man Anfang von Versöhnung mit Händen greifen. Der Himmel reicht schon auf die Erde, Reich Gottes tut sich auf, langsam aber sicher.

Ich bin nicht sicher, was die Weltlage angeht. Aber in einem Menschen war Gott schon hier. Sehet, das ist "Gottes Sohn" gewesen, sagt der Hauptmann unterm Kreuz. Er hatte geheilt und gestärkt, getröstet und zueinander gewiesen. Und hat gezeigt, dass wir gen Himmel fahren, wenn wir sterben. Jedes Jahr feiern wir die Geburt des Leuchtfeuermenschen Jesus, dem nach jedes Kind Gottes Angesicht trägt.

Und jeden ersten Advent beginnen wir die Geburt Christi zu wiederholen, wollen uns zu hier hinzuholen, wollen nochmal lernen: Es ist Ankunftzeit. Nicht geht alles den Bach runter, sondern es kommt ein Schiff geladen. Nicht mehr Hauen und Stechen, sondern die Liebe wird mehr. Der Morgenstern geht auf in unseren Herzen. Ihr, die ihr seine Stimme hört, verstockt euer Herz nicht; ihr, die ihr zur Nacht geweinet, ihr stimmet froh mit ein, Gott kommt. Und kein Leid wird mehr sein. Der Himmel geht über allen auf.

Adventszeit-Verwandelzeit. Wir werden angesprochen als Menschen, die den Drall der Zeit erkennen. Wozu ist es Zeit? Jedenfalls nicht, dass wir den Karren noch tiefer in den Dreck fahren mit unserem Eigenliebesog. Es ist Zeit, aufzustehen vom Schlaf und der Menschen Bestes zu suchen.

Das fängt beim Fürsichsorgen an, für dich und deine eigene Brut, falls vorhanden. Aber wir müssen weiter denken,die andern müssen auch zu essen haben und Bildung und Gesundheit und Pflege, sonst hast du nur Neider und Feinde. Auch die anderen müssen es erträglich haben, auch mittels deiner, dann wollen sie auch dein Glück. "Du sollst deinen Nächsten lieben" faßt alle Gebote eineins. Es ist schlicht das Lebenswissen: Einander mögen und Freude daran haben, den andern zu fördern, - also Gottes Gehilfe sein, - was kann man mehr sein?

Ob wirklich das Heil schon näher ist als früher?

Grübel doch nicht über den Lauf der Welt, - das lähmt nur; zeig dein gutes Gesicht; sieh es ganz schlicht: bei dir und durch dich fängt die Heilung der Welt an, bei dir stoppt der Hass, du hilfst ihm zur Sprache, dann kann Unrecht gesagt werden und Trauer kann gehalten werden und Buße getan und Vergebung gefunden werden. Du, gib ein Stück Zeit, Gespräch, einen Schein, eine Blume, eine Kerze. Damit machst du die Sterne aufgehen. Wer einen Menschen rettet, rettet die Welt.

Ja, Liebe hat viele Gesichter. Welche ist die passende, die ihm nötige, die ihm freudenreiche, die ihn entfaltende Liebe? Klar, du kannst nicht 6 Milliarden Menschen lieben, aber dem du Nächster wirst durch Neigung, Nähe, Fügung, durch Hilfsbereitschaft und Kompetenz, durch Notruf oder Liebeszeichen - dem sei du Gottes Wort. Es steckt wirklich Verwandelkraft in uns. Den Nächsten nehmen, wie er ist, und das freundlich, das macht ihn geneigt, eine bessere Meinung von sich zu haben. Und so klarst du einen Menschen auf.

Das Dunkle in der Welt rührt davon, dass wir schlecht über uns, den andern, Gott denken. Kain argwöhnte, Gott ziehe seinen Bruder vor, beschuldigte Abel, er habe getrickst. Und dachte von sich mies: „Was soll ich meines Bruders Hüter sein“. Unser verdunkeltes Meinen auch über uns macht uns düster. Dagegen hilft nur dir Liebe. Durchs Lieben machst du schön, der andere hält wieder mehr von sich, damit setzt du Leuchten in die Welt, das sich fortpflanzt.

Lieben ist Teilhaben am Erschaffen: Aufblühen machen, dass er sich mehr zutraue, wieder Lust findet am Gelingen. Geliebte Menschen zerstören nicht, sondern geben Befreundung weiter. Mit der Erschaffung der Welt setzte Gott eine Kettenreaktion der Liebe frei. Du bist ein Kind der Liebe, und wie die Blumen von der Sonne so erblühen wir vom Lieben und Geliebtwerden. Da sind auch Schwierigkeiten zu bestehen. Die Gene sind durchwachsen, früher sagte man dazu Erbsünde. Wir tragen auch an den Verstrickungen unserer Vorfahren. Welche Art von Zuwendung da hilft, muss erprobt werden.

Jedenfalls „lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und Erleuchtetes tun.“ sagt Paulus. Das klärt: wir sind nicht Opfer ewiger Wiederkehr, nicht ein Karma hängt über uns, sondern Du, Mensch, wirst bei deiner Verantwortung gepackt. Du, eine fiese Sache lass endlich, ein Leuchtendes tu. Komm zu dir im Advent.

Täglich setz dich vor eine Kerze hin, schau in die Flamme - dann weichen Hetze und Druck, es kann dir das Bild aufgehen, dass der Christus in deine Gedanken einzieht, Verwandlung geschieht dir, heilige Ruhe wächst dir zu, ein Lächeln zieht über dein Gesicht, und du wirst richtig. Du bist gern du, im Advent, was Anfang von Himmel ist.


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2017 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...