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Predigt 6. Juli 2003

Keitumer Predigten Traugott Giesen 06.07.2003

Mitarbeiter Gottes

Korinther 3,4-12 "Wenn der eine sagt: ich gehöre zu Paulus, der andere aber: ich zu Apollos -, das ist doch nach Menschenweise geredet! Wer ist denn Apollos? Wer Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der pflanzt noch der begießt der Große, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

Ja, jeder wird seinen Lohn empfangen gemäß seiner Arbeit. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Jeder aber sehe zu, wie er darauf baue. Das Fundament ist klar; einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Ob aber jemand darauf baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh - das Werk eines jeden wird offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; mit Feuer wird er sich offenbaren, von welcher Art eines jeden Werk ist. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Ihr seid Gottes Tempel und der Geist Gottes wohnt in euch. Wißt ihr das nicht? Wir sind Gottes Mitarbeiter und sein Ackerfeld und Gottes Bau."

Über unser Leben nachdenken, das tun wir viele Male am Tag, schon wenn ich an der Kasse stehe und Spaß dran habe, dass es in meiner Reihe schneller geht als nebenan, fühl ich mich erhoben; andrerseits hab ich mal die falsche Kasse erwischt, dann hadere ich mit dem Schicksal - warum steh ich hier, wie auf dem Abstellgleis, was will mir das sagen? Und jetzt gerade neben diesem Menschen in St. Severin Platz gefunden zu haben, was sagt mir das? Oder warum habe ich diesen gesundheitlichen Mangel oder welch ein Segen, die Enkel - wir bedenken doch unser Leben in die Breite und Tiefe ganz oft, ziehen die Fäden aus vom Kleinen zum Großen, gerade im Urlaub: Da siehst du die Wolken ziehen und denkst: Wo treibts mich noch hin? Du liegst am Strand und lässt dir den Sand durch die Hände rinnen und siehst in einem Nu deine ablaufende Zeit.

Wir müssen uns denken als Was mit Wichtigem zusammenhängend, wir suchen uns in einem Rahmen; tasten, was uns hält, wer uns braucht, wozu wir gehören. Wem wir wer sind - ist die Frage aller Fragen.

Es ist schon stärkend, wenn Menschen uns für wichtig halten. Gut, wenn man Freunde hat, auch in der Not. Erbauend, wenn man mit seiner Meinung nicht allein steht. Wie schauen wir unsern Kinder zu, ob sie am Rand für sich bleiben oder einen Kreis um sich scharen. Wir kommen in einen Raum - ob uns einer bemerkt, ob einer auf uns zukommt, uns hinein nimmt? Es ist doch ein dauerndes Hinfühlen, wie wir zum Leben gehören und das Leben, das Ganze, zu uns.

Darum lassen des Paulus Worte uns aufhorchen: Wir gehören zum Wichtigsten überhaupt. Wir sind Gottes Bau und sein Acker und seine Mitarbeiter.

Paulus, der große Trompeter des christlichen Glaubens, ein Vulkan an Erkenntnis, der wichtigste sofort nach Jesus: Denn Jesus hat das richtige Gottesverhältnis gelebt, aber Paulus hat das erkannt und hat ihn zur Liberty der Menschheit erhoben, Jesus ist der erste Sohn Gottes, aber Paulus begrüßt ihn als Ersten und uns ihm nach als Schwestern und Brüder.

Der Paulus findet Streit vor in seiner Gemeinde Korinth: Die einen verehren Apollon, die andern Paulus, die dritten Petrus. Die Kirchengemeinde zerfällt in Lager, die einen halten es mehr mit dem Gründer, die andern mehr mit dem aktuellen Geistbegabten, dritte mit dem Petrus, der mit Jesus noch in einem Boot saß, während ja Paulus den Herrn überhaupt nicht persönlich gekannt haben soll… Die einen halten mehr auf Ordnung, die andern mehr von der Phantasie der Liebe, die einen achten mehr auf richtige Gesinnung, bei andern zählt nur Freude jetzt. Paulus geht in seinen Briefen auf die Themen noch genauer ein. Aber grundwichtig sei nur eins, sagt er: Auf dem Fundament Christus die Bauleute Gottes sein, Hand in Hand muss es bei uns laufen, die verschiedenen Meinungen müssen eine gute Suppe geben, Gott zu Ehren. Egal, wer die zündende Idee hatte; wenn sie taugt, ist sie doch Flamme des Heiligen Geistes. Wer die Kirchengemeinde Korinth gründete, Hauptsache wir bauen weiter - wir sind doch alle nur Weiterbauer, zitieren alle unsere Eltern und geistigen Lehrherren, wir sind alle Zwerge auf den Schultern von Riesen, wir sind nicht der Schöpfer, nur Mitarbeiter, wir sind nicht Gott, nur sein Haus, wir sind nicht der Gutsherr, sind nur sein Acker - gut, wenn wir gute Frucht bringen.

Was gute Frucht ist, was lebenstauglich ist, das erweist sich daran, ob es der Liebe dient. Aber dafür musst du deiner Basis sicher sein; Christus, Garant dir dafür: Du mit Haus Gottes, du sein Tempel mit. Ein ungeheurer Anspruch, eine starke Widmung steckt in diesen Bildern: Du, bei dir kommt man zu Gott nach Hause. Du baust jedenfalls mit die Menschheit als Haus Gottes, oikos- griechisch das Haus, Haushalt. Du mit Teil von Gottes Haushalt; ob als Köche oder Helfer und Putzer und Schufter, ganz egal, ob an der Spitze oder im Tross - egal mit viel Begabungen oder eher ein kleines Licht. Hauptsache, du leuchtest im Hause des Herrn und machst aus deinen Begabungen was fürs Ganze.

Daß Gott gerne in seiner Menschheit wohnt, und wir seine Anschaffungen tätigen, wir seine Früchte bringen, seinen Geist unters Volk bringen, das lass dir wahr sein. Wichtig ist diese Grundeinstellung: Man kann das nennen "Auf Christus bauen" - du, ich, geliebt, gebraucht, geliebt, gebraucht - dieser Wiegeschritt, dieses Einatmen Ausatmen - geliebt, gebraucht, lass das deinen Rhythmus sein.

Was du dann daraus machst - nein, egal ist das lange nicht, Gold oder Schrott, es wird sich erweisen. Wir müssen durch das Feuer der Realität, ob wir über unsere Verhältnisse leben oder unter unserm Niveau, ob wir als Gaukler durchkommen oder als Ingenieure, als Narziss oder Goldmund, als Führerinnen oder Hüterinnen, als Verprasser oder Vermehrer - wir werden geprüft und belohnt mit mehr oder weniger Ehre, Achtung, „Würde bei Gott und den Menschen“.

Uns kann es im Gewissen brennen wie Feuer, ein gutes Zeichen, dass wir noch was ernst nehmen. Doch: weil wir ernst genommen sind, letztlich, wir, du, ich, für wert gehalten ewiggültig du, ist deine Würde unantastbar. Vom Himmel her, nicht aus Besitz oder Genen oder Rasse genommen, dir beigelegt vom Schöpfer Himmels und der Erden. Du heilig. Weil aber geheiligt haben die Mitgeschöpfe an dich die Erwartung, dass du ihnen heilsam begegnest. Oft tust du Gutes, aber dann wieder sind wir so schlecht, bügeln einfach über den andern weg, - dann ist es schon Rettung, dass wir was merken, und Scham über uns kommt und wir sitzen da mit schlechtem Gewissen und es brennt wie Feuer. Davon kommt sicher die Vorstellung eines höllischen Feuers, durch das wir alle gehen müssen, ein Fegefeuer für die Eitelkeiten und Dünkel und Fiesheiten - uns erscheinen jetzt schon die von uns Beschädigten und Verachteten. Ein Jüngstes Gericht ist so unwahrscheinlich nicht- „Das könnte manchen Herren so passen, dass nach dem Tode wär' alles vergessen“ (Kurt Marti). Aber einige werden auch gut für uns sprechen - auch die Spinnen, die wir aus dem Haus trugen, vielleicht. Gut, wenn unsere Werke bestehen können, aber verbrennen sie, so wird's weh tun. Aber du wirst gerettet werden, wie durch Feuer hindurch. Wir kommen durch, weil wir hindurchgetragen werden ins gemeinsame Zuhause bei Gott.- Also was soll's, du kommst durch. „Und fährst du durch die Höll, ist Christus dein Gesell“- solange du dich frei bewegen kannst und dich leicht zugänglich hältst, wird dir Leben blühen.

Wir Gottes Rohbau, sein Acker, seine Mitarbeiter. Diesen letzten Grund meines Hierseins will ich täglich bedenken. Es müsste die Mitte sein, aus der alles strömt, die Gotteskindgewissheit, die auch Spielraum bereit hält für Gut und Böse.

Mächtig ist die Versuchung, mich aufzuwerten durch Abwerten anderer, also aufzutrumpfen, einzuschüchtern, Gefolgsleute zu heuern; die Technik der starken Geweihe, der Kreditkartensammlungen, der Ämterverleihkraft; die Macht, Angst einzujagen. Dagegen gibt es eine Rettung, es ist die Kraft der Sanftmut. Halldòr Laxness, der isländische Literaturnobelpreisträger, vergleicht diese Sanftmut mit der kleinen Schneeammer. Dieser kleine Vogel hat fast keine Kraft einzusetzen gegen die Stürme, die über Island hinwegbrausen. Aber selbst bei Sturm kann er fest auf dem Boden und im Schnee sitzen. Schneeammern wenden ihre dünnen Schnäbel in den Sturm, und dann teilen sich die Sturmeskräfte an ihnen, sie fliegen in Stürmen.

Das Wissen, das dem Jesus abgeguckt ist, spaltet auch die Mächte, die uns entgegenstehen. "Gott liebt dich und braucht dich", das gibt Halt im Sturm und lässt dich klug handeln.

Schlußgebet


 



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