L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   01.09.2002

Fröhlich, geduldig, getragen

Wir haben mehr Ursache uns zu freuen als traurig zu sein; denn wir hoffen auf Gott, der da sagt (Joh. 14, 19): "Ich lebe, und ihr sollt auch leben." Aber die Traurigkeit ist uns angeboren. "Der Gott der Traurigkeit tötet, aber unser Herrgott erhält uns." (Luther)

"Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal; fest im Gebet." (Römerbrief 12,12)

Das ist doch der Dreiklang des Glaubens: fröhlich, geduldig, gefestet im Gebet. Oder anders, als Wiegeschritt: fröhlich, geduldig, weil getragen im Gebet. Das Gebet als die Schwingen, die mich tragen mit Frohsein und Geduld. Dies Wort wird als Trauspruch gern gegeben; im Standesamt Charlottenburg steht eine reich geschnitzte Bank mit der Aufschrift: „Fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal“ - auch gekürzt um das „fest im Gebet“ ermutigt es wohl.

Also Fröhlich in Hoffnung! - Fröhlich, althochdeutsch verwandt mit Frosch, mit springen, hüpfen vor Freude - eben wieder bei Enkelin Paula gesehen, die gern sich dreht und singt, im Tanzschritt eilt, ausgreifend mit den Händen einen mitzieht, gemeinsame Sache zu machen, leicht was abgibt, das Bonbon aus dem Mund holt und an Opa verfüttern - gern sie selber, mit diesem Lachen, unbändig die Gewißsein, zu taugen. „Fröhlich in Hoffnung“ strahlt aus: Ich bin gewollt, ich bin richtig, weil geliebt, und es schmeckt mir gut, das Leben und dein Angesicht erhellt sich, weil ich da bin, so ein Glück. - Dies Jauchzen, das die Umstände zum Mitschwingen bringen, und wenn du geweint hättest bis eben, jetzt nicht mehr, faß mich an, wir tanzen den Sorgen davon. Sieh doch die Kastanien, wie sie aufplatzen aus dem Igelkleid, sieh den Regenbogen, sieh doch dein Gesicht im Spiegel, nachdem ich dich angemalt und geschmückt habe, dein ernstes Gesicht, Opa, ist doch zum Lachen, was gibt's denn Wichtigeres, als jetzt mit Paula fröhlich sein?

Freue dich, sei froh! - Das ist Gebot. Darum heißt auch eins der frömmsten Lieder: „Geh aus mein Herz, und suche Freud“! Letztlich doch wohl, wie Oma den Enkeln sagt: Sucht, sucht, ich habe was Schönes versteckt. So Gott: Die Schöpfung ist mit Können, Dürfen, Glücken beschenkt, gut ist das, sehr gut. Aber glücklich wird Gott erst daran, dass er seine Brut glücklich sieht, wie sie die Geschenke auspacken, sich in ihnen laben, sie in Gebrauch nehmen, Spaß dran haben und miteinander feiern. Suche Freud! - ist der Auftrag: sieh dich als erfreubar, sieh dich erhellt, durchglüht, letztlich: sie dich als geliebt, fröhlich in Hoffnung.

Lustig kann man wohl auch ohne Hoffnung sein, bierselige Böen von Gelächter. Aber „fröhlich“ meint weiten Horizont, Füße auf weiten Raum gestellt (Psalm 31,9); mit Aussicht, da wächst was, wächst wieder was, da ist was im Werden, und du bist dabei, ein gutes Enden steht an, es soll nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind (Jesaja 8,3).

Fröhlich auch in der Hoffnung, mit der du einen kleidest, einem eine Tür öffnest, einen ansteckst mit Vertrauen: Du gut. Du taugst, du kannst lernen, klarzukommen. Froh in Hoffnung, dass es gut ausgeht, mit Gott und der Welt; und im Augenblick, jetzt, auch mit deinen leichten Anflügen von Depression, sieh dich eingestellt in die Hoffnungsschimmer Crew. Du fädelst Chancen ein, du säst Freude, und lässt dir Freude anderer von Herzen gefallen.

Ein kleiner Schlenker: "Ich liebe dich" - hat Schattenseiten: es verlangt nach der Antwort: „Ich dich auch“. Es klingt nach Einvernahme und Habenwollen. Dagegen: "Ich bin froh, dass es Dich gibt; bin froh, dass du da bist." - Dies lässt frei, Hauptsache, dass du da bist und du du bist. Das nimmt nicht in Beschlag, dieses Frohsein: Es ist ein in sich selbst Vergnügtsein: eine Leichtigkeit, ein Glück, nicht ein Haben, sondern ein Genießen. Sei fröhlich - also dankbar, dass du du bist, auch fröhlich in der Freude, die das Leben gerade jetzt dir verschafft.

Und sei geduldig in Trübsal!

Mühsal und Leid, Schmerz und Ohnmacht gehören zum Leben. Noch bitten wir: "Gott dein Wille geschehe", weil sein Wille noch nicht vollständig geschieht, noch ist die Sehnsucht nach Liebe größer als das Maß des Liebens, noch verwüsten und vergeuden wir auf der Suche nach Wohlleben; noch stürzen wir in komplizierte Brüche oder gar zu Tode, noch wollen wir mit Gewalt das Böse bannen, doch wer Wind sät wird Sturm ernten (Hosea 8,7). Noch tauchen Defekte in der komplizierten Schöpfung auf, noch gibt uns Gott dahin an die Folgen unseres Tuns (Römer 1,24), ein Stück weit, jedenfalls. Noch muß Leid getragen werden, und selig die, die es ein Stück weitertragen zur Verwandlung hin.

Geduld ist ja nicht Passivität, Geduld ist eine stillhaltende Aktivität, wie sie dem Kranken gut ansteht, warum wir im Krankenhaus ja auch Patienten, also Geduldige, genannt werden. Oliver Sacks, ein berühmter Therapeut schrieb ein Buch: "Der Tag, an dem mein Bein fortging": Er war auf einer Gebirgswanderung von einem Ochsen am Oberschenkel durchbohrt und beschreibt seine Rettung und Genesung, und darin sagt er zu sich als Patienten: "Es hat keinen Sinn, sich aufzuregen, wenn man Patient ist, ist es das wichtigste, Geduld zu lernen! Du wirst sehr scharfsinnig und stark und mutig sein müssen. Und du wirst auch demütig sein und deinen Kopf beugen und anerkennen müssen, daß es viele Dinge gibt, die unser Verhältnis übersteigen. Du darfst nicht überheblich sein aber du darfst dich auch nicht entmutigen lassen… Ich war in der Vorhölle - sie dauerte zehn Tage, in denen Zeit nicht existierte. Sie begann als Qual, verwandelte sich dann aber in Geduld, begann als Hölle, wurde dann aber zur dunklen Nacht des Fegefeuers, demütigte mich entsetzlich, nahm mir alle Hoffnung, um sie mir dann süß und sanft und in veränderter Form tausendfach zurückzugeben."

Geduldig: also mutig und demütig, nicht dich aufgeben, aber der Zeit Zeit lassen. Kraft gibt es aus der Hoffnung, dass es im Guten endet: Du bist in einem Sein, das nie dich ausstößt, das dich nur verwandelt und fruchtbar macht, auch wenn es dich teuer zu stehen kommt, und wir den geliebten Leib letztlich fahren lassen müssen.Geduldig, weil kein Leid beständig sein wird, selbst wenn wir eine Strecke verblöden und unser Äußeres zerfällt - wir werden gerettet. Ich will mein Leid annehmen, wie viele ihre Gebrechen annehmen und sich fast überlisten mit einer Art Freude, mit der Freude, zu sein. Ja, "der Schmerz hat nur Sinn, solange eine Heilungsmöglichkeit besteht. Was aber soll der Metastatiker mit seinen Schmerzen anfangen? Hier hört jede mögliche Sinngebung auf, und es bleibt nur noch das Morphium" (Peter Noll, Diktate über Tod und Sterben). "Nichts, was einem selbst geschieht, ist unerträglich", Saint-Exupéry hat diesen dunklen Satz gesagt. Verstehen kann ihn, wer gesehen hat, wie der Mensch, den er liebte, zu Tode kam,. Und er selbst darf leben, noch wieder leben, und wieder lieben, und lachen.

Geduldig in Mühen! Martin Luther, obwohl ein freudenvoller Mensch, sah er sein Leben voller Mühen. "Ich muß Geduld haben mit dem Teufel, ich muß Geduld haben mit den Schwärmern, ich muß Geduld haben mit dem Adel, ich muß Geduld haben mit den Hausgenossen, ich muß Geduld haben mit der Käthe von Bora, und der Geduld ist noch so viel, daß all mein Leben nichts anders sein will als Geduld." Am meisten brauchte er wohl noch mit sich selbst Geduld.

Und woher nehmen? Doch letztlich aus einem tiefen Vertrauen: "Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen" (Römer 8,28) Wenn sie sich die Dinge zum besten dienen lassen. Also den Zustand, in dem ich mich befinde, annehmen und durchleuchten und verstehen. Nie ihn als Endstation nehmen, immer als Vorübergehendes, als Schritt in ein Besseres. Also die Mühe, die mir jetzt obliegt als nützlich ansehen, als Lernstoff für Weiteres. Was gewährt ist, genießen; was auferlegt ist, tragen, nicht auf Schwächere abwälzen, und ja, warten auf den Augeblick, wo die Erschöpfung einen Teil der Schrecken nimmt: "Es hinnehmen, es hinnehmen zu müssen" (M Yourcenar), als Verhängnis "wie eine Vorwegnahme von Sterben" (B. Hellinger)- aber nicht voreilig die Hände in den Schoß legen, such bei heftigem Gewitter was zum Unterstellen. Leid ist noch kein ganzes Leid, man muß sehen was draus wird. Geduldig in Trübsal! Das überredet auch, der Zeit Zeit zu lassen. Vieles muß getan werden, aber das stärkste Tun kann das Lassen sein. Laßt uns der rechten Zeit nicht im Weg stehen mit Hektik und Aufschieben. Du, setz darauf, dass du geführt bist, aber dein Können ist Bestandteil der Situation. Schöpf sie aus.

Und wisse, auch die Andern sind von guten Kräften geführt. Wenn du meinst, du musst eingreifen, dann musst du eingreifen; wenn nicht sicher, dann laß es eher. Statt "aus Ungeduld Lärm anzurichten" (M. Luther), hoffe auf heilende Erfahrung, die dann einen Entschluß reifen lässt.

Wir sind ja ungeduldig, weil wir meinen, Geduld bremse unsere Initaiative, - dabei: Geduld und Beharrlickeit steigern doch die Unternehmungskraft.

„Unter allem, was Dinge endet und Dinge anfängt: nichts Herrlicheres als das Stillehalten - so der Taoismus, Ignoriere jeglichen Zeitdruck, bleibe höflich räche dich nicht, behandle den Schurken weiter als Freund und Förderer, bis er entnervt einlenkt, so Stan Nadolny. Wir müssen lernen, auch Verpflichtungen und Gebundenheit anzunehmen. Widerstand und Ergebung haben ihre Zeit.

Und haltet fest am Gebet, haltet euch fest am Gebet, dass uns gegeben werde, fröhlich zu sein und geduldig. Daß wir Erfahrungen machen und daraus uns Gedanken machen, uns darüber austauschen. Wir sind nicht welche von der „Ich-AG“ nicht Solisten des Lebens, sondern sind vernetzt und auch verstrickt aber auch mit Platz zu handeln, sollen nicht gebannt vom Rückblick Opfer bleiben.

Gebet hilft gegen die Öde - betend spüren wir dass unsere Wurzeln in die Tiefe ragen und ein Wasser erreichen, das ins ewige Leben fließt, das erquickt, das uns fühlen lässt, wir gehören zu einem Guten Ganzen. Betend spannt unsere Seele die Flügel aus. Du redest mit der Kraft, die dich trägt, fröhlich in Hoffnung, geduldig in Mühen. Amen.


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2017 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...