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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   23.06.2002

Gebt eure Leiber zum Opfer

Römerbrief 12,1 "Ich ermahne euch, Geschwister, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst."

Dieses Wort des Paulus reißt mit zu neuen Ufern.
Es steht im Brief an die christliche Gemeinde in Rom, wohl 30 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehen vom ersten und größten Theologen der Christenheit. Der durchdenkt erst die Bedeutung des Jesus, sieht den Jesus Christus als Überholer des Moses: Ja, Moses hat die Gebote gebracht, Jesus das Vertrauen, Moses hat den Bund Gottes mit Israel geschlossen, Jesus weitet diesen Bund aus auf alle Menschen, - sagt Paulus. Die ersten 11 Kapitel des Römerbriefes legen den Grund: Gott liebt seine Menschen, das macht uns ihm recht. Das stellt das Verhältnis zu Gott vom Kopf auf die Füße: Der Gehorsam als Eintrittsleistung in die Liebe Gottes abgetan. Andererseits: als Geliebte Gottes machen wir Seins. Als zu ihm gehörend, sind wir verpflichtet und im Stande, in seinem Sinne zu handeln. Also Gutes tun, nicht damit uns Gott liebt, sondern weil er uns liebt!

Nach 11 Grundlagen-Kapiteln geht es jetzt zur Tat.
In Kapitel 12 bis 14 berät Paulus in christlichem Handeln. Und das ist die Überschrift, in etwa das Grundgebot: „Ich ermahne euch, Geschwister, durch die Barmherzigkeit Gottes, gebt eure Leiber hin als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst." Eure Leiber hingeben als Opfer...
Wer ein Fußballspiel ansieht, - und wir haben ja während der Weltmeisterschaft jetzt genügend Gelegenheit -, der kann Zeuge werden eines Kampfes unter völligem Einsatz des Leibes mit letzter Hingabe. Sie geben ihre Leiber dahin als Opfer für Volk und Vaterland, auch zu Ehren ihres eigenen Namens, und die Kopfjäger des internationalen Fußballgeschäftes lauern schon, wen man für Millionensummen verpflichtet. Ich bewundere diese Artisten des Leibes, diese Jongleure und Ringkämpfer, diese Dribbler und Grätscher, diese sprunggewaltigen Hartköpfe, und diese fliegenden Torwarte, die ihre Angst vorm Elfmeter so dringend beherrschen.
Sie geben ihre Leiber dahin, oftmals mit gesundheitsschädigenden Folgen - ist es gottwohlgefällig? Paulus schreibt an anderer Stelle vom Wettkampf, vom Wettlauf, wie sie alle rennen für irdischen Lohn, - wenn sie schon sich mühen, um vergleichsweise Belangloses, wieviel mehr müssten wir uns anstrengen, müssten wir uns mühen für einen unvergänglichen Ruhm bei Gott (1. Korinther 9,24)?

Fußball mit völligem, aber regelrechtem Körpereinsatz ist schon ein Vorbild für Mühe bis zum "es-geht-nicht-mehr". Und wir sollen uns auch mühen, denn Gott müht sich doch auch, es gibt doch soviel zu tun. Gebt eure Leiber als Opfer. Das ist lebendig, heilig, Gott wohlgefällig.
Was damit gemeint ist? Jedenfalls nicht: Laßt Tiere in Rauch aufgehen. Es ist ein Strich durch alle kultische Verehrung. Auch nicht: gebt Gebete oder Lieder als Opfer. „Gebt eure Leiber, was könnte das meinen?
Sich mit ganzem Leib Gott hinhalten - also die Erde bestellen als Gottes Acker, und uns leibhaftig drangeben mit eigener Hände Arbeit, also den Teig kneten, das Haus putzen, Babies und Bettlägerige sorgfältig windeln, Kochen, Zimmern, Klempnern, Computer installieren, Schreiben, Berechnen, - also Meißeln, Hobeln, Schrauben, Schmiergeln, Fleischern, Nähen, Verkaufen - bis uns die Hände, das Kreuz wehtut und Planen, Texten, Beraten, Gedichte flechten, bis uns der Kopf wehtut, und auch Singen, auch Kirchenlieder, aber lustvoll, Tanzen - zur Freude, Fußballspielen zur Freude, Orgelspielen zur Freude.
"Freude ist das gigantische Geheimnis der Christenheit" - sagt Chesterton, da ist doch handgreiflich, was alles an Freudlosigkeit Gott noch heilen muß. Und unser leibhaftiges Mitmühen braucht - das ist das lebendige, heilige, Gott wohlgefällige Opfer.
Leibhaftig sich um das Leben mühen - wohl am intensivsten das Schwangersein als schönste Zusammenarbeit mit Gott, seine Kinder zu erden, die Leibesfrucht zur Welt zu bringen. Leibhaftig einander gut sein in der Liebesumarmung, - es ist doch Gottes innige Erfindung, wie Leib und Seele sich vermählen. Und Nahrung beschaffen, sich mühen um Dach überm Kopf für dich selbst und andere.

Gebt eure Leiber dahin als gottwohlgefälliges Opfer: Vielleicht ist das Leibliche so betont gegen alles Philosophisch-Spinnerte, gegen geistigen Hochmut, der sich die Hände nicht schmutzig machen will. Und oft gerade auch bei Kirche zu finden ist.- Das Drängen auf leibhaftiges Dienen, also auf Anpacken und Körpereinsatz hat sicher auch mit der Neuentdeckung des Jesus zu tun, dass der Leib eine gute Erfindung Gottes ist. Es war zu Jesus Zeit gerade eine asketisch- philosophische Frömmigkeit hoch in Blüte, voller Körperverachtung. Die sogenannte Gnosis meinte, der Geist des Menschen wäre der wahre Adel, der Körper nur der Erdstoff, voll kreatürlicher, niedriger Begierden. Man solle nur ja den Köper in Zucht nehmen, dass er den Geist nicht verderbe.
Da gab es so eine Vorstellung, die göttlichen Geistfunken wären in minderwertige Materie geschickt, zur Bewährung. Betont jetzt Paulus: "Gebt eure Leiber zum Opfer" - dann sagt er ja auch: Es sind Gottes Leiber, also gute Schöpfung, schönes Werk, also nutzt Gottes Leiber, dass sie dienen können Gott mit Freuden.
Das heißt doch auch: Laßt euren Leib nicht darben, quält ihn nicht, tut ihm nicht weh - eurem Leib, dem Leib des Nächsten, tut euch gut. Und der Körper weiß, was er braucht, worauf er Anspruch hat, er weiß sein Recht, und holt es sich zur Not mittels Krankheit und Neurosen.

"Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele gerne in ihm wohnt" - hat die Heilige Therese von Avila gesagt. Es ist ja ein einzigartiges Gottesgeschenk: dass wir mit Leib versehen sind - nicht nur Gedanken Gottes geblieben sind, sondern Raum, Gestalt, Fülle mitbekamen. Der Leib als herrlicher Resonanzboden für unsere Seele, dieses Organ, mich selbst zu fühlen, mich auch meiner zu vergewissern, mich kneifen können, ob ich nur im Traum da sei. - Wir alle haben schon mal unser Leben in unserm Körper erloschen geglaubt, haben nach tiefer Ohnmacht diese unermessliche Dankbarkeit wieder in uns aufsteigen gemerkt, als wir wieder fühlten, wie das Blut klopft und die Lunge ungestüm arbeitet und wieder Luft trinkt. Und wie nach langer Lähmung, die Finger wieder mitmachen, du deine Finger wie Tasten spielen fühlst auf dem Bettlaken.
Ach, was für eine göttliche Erfindung, der Leib. Unser Leib spricht Bände, dagegen ist unsere Wortsprache nur ein Heft voll. „Mach es mit dem Körper, oder lass es!" - hat ein weiser Therapeut gesagt. In der Körpersprache haben wir unsere Erregung längst mitgeteilt, bevor unsere Wörter nachrumpeln. Musil sagt, unsere Seele sei an der Haut befestigt. Achten wir doch besser auf unsere Körper, wir würden einander insgesamt mehr achten.

Gebt eure Leiber als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist - meint auch: Nutzt euren Leib zur Freude, zur Hilfe, dass Gott mittels Eurer Gutes tut. Darum nicht zuviel Dank, Geld, Ehre einstreichen mit deinem Tun, es ist doch Gnade, dass du kannst, was du kannst und willst, was du Gutes willst. Es ist doch Gottes Leib und Seele, die in Dir wirken, letzlich sind ich und du eine Wirkung des Herrn. Opfer ist ein großes Wort für dies Selbstverständliche: Gott richtet in uns sein Wirken aus. Schaffet, dass ihr selig werdet, denn Gott richtet in euch aus das Wollen und Vollbringen (Philipper 2,13).
Gebt euch leibhaftig dran ans Leben - mühen wir uns ums Gedeihen. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst, sagt Paulus. Gott dienen mit uns selbst, leibhaftig, handfest, direkt, praktisch, - das ist hinreißend, - das ist Gottesdienst.
Und was ist diese Veranstaltung hier. Der Sonntagsgottesdienst ist nur Trainingstunde für den Gottesdienst im Alltag. Also wenn die Kirche aus ist, fängt der Gottesdienst an, - so ähnlich. Amen.

Schlußgebet


 



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