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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   11.06.2000

Pfingstsonntag

Schaffe in mir Gott ein reines Herz, und gib mir einen festen, beständigen Geist. Lass mich dein Angesicht finden, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erquicke mich mit dem Entzücken deiner Freiheit, mach mich willig, mit dir Hand in Hand zu wirken Herr meines Freiwerdens, lass meine Lippen deine Werke verkündigen, dass wir alle uns wundern und dich rühmen (nach Psalm 51, 12ff nach Buber/Rosenkranz). Ja, dein guter Geist führe mich auf richtigem Weg (Psalm 143,10).
Apostelgeschichte Lukas 2
Wisst ihr nicht? Ihr seid Gottes Tempel. Der Geist Gottes wohnt in euch (1. Korintherbrief 3, 16).
Wenn der Paulus die Gemeinde in Korinth so ansprechen kann, dann darf ich euch, uns auch so ansprechen, so hoch von uns reden: Wir des Herrn Tempel, Wohnung seines Geistes.
Nicht wegen ihres grossen Glaubens sagt Paulus das der Gemeinde in Korinth zu, nicht nach starker Bekehrung, nicht nach bestandenen Prüfungen haben sie den Titel sich verdient. Tempel Gottes sind sie aus höherer Widmung. Weil Gott in ihnen wohnen will, sind sie sein Haus, Tonträger seines Geistes.
So eine Bestimmung ist dramatisch wie der Mauerfall. Was haben wir schon für gegenteilige Widmungen abbekommen – welche Degradierungen schon andern verpasst: Tränensuse, Schlamphans; als Versager ausgestossen, gemobbt oder vermöbelt – zu Magd oder Büttel herabgestuft sind wir, oder durch uns andere.
Pfingsten klärt, was, wer wir im Kern sind, wes Geistes Kind wir sind, was unser Wesen ist – was unser guter Name. Ob unser Name im Himmel gewichtet wird oder ob unsere irdischen Bewertungen alles sind.
Was von uns im ganzen und im einzelnen zu halten ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Dass wir anders als Stein und Baum und Feldhase etwas von uns halten müssen, ist klar. Es reicht uns nicht, vorhanden zu sein, wir müssen wer sein. Stein ist Stein, Feldhase ist Feldhase. Aber du, ich, wir müssen uns wert halten; und da ist von Gott wert gehalten werden die stärkste Qualität.
Erst hat es mich sehr gewundert, aber jetzt komme ich dahinter: Menschen lassen sich 100 Tage einsperren und umfassend kontrollieren und besichtigen und bewerten – um Geld zu verdienen und noch wichtiger: um bemerkt, um wahrgenommen zu werden.
Wie sehnen uns alle, dass wir was können und haben, was uns Aufmerksamkeit verschafft. Und ob ein persönlicher Brief im Kasten ist, ob uns jemand anruft. Wir brauchen den Stoff aus dem die Würde ist, wir brauchen Stoff, der uns gut denken lässt von uns. Und da ist die Widmung: du bist Gottes Haus, du bist Tonträger des Geistes doch hoch – höher geht’s nicht.
Es steckt uns allen in den Gedanken, dass wir ein Nobody sein könnten. Sogar in der Bibel steht sowas.
In der Bibel gibt es zwei Wertungen des Menschen: die niederdrückende und die erhebende. Einmal: Das Dichten und Trachten der Menschen ist böse von Jugend auf (1. Mose 6, 5), und dagegen: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bild Gottes schuf er ihn (1. Mose 1, 26), Frau und Mann.
Einmal ist der Mensch nur Gras, eine Blume, die am Morgen blüht und am Abend verdorrt. Ein andermal heisst es: Du hast ihn kaum niedriger gemacht als Gott. Mit Ruhm und Ehre hast du ihn gekrönt (Psalm 8). Zwei Stimmen: wir, mit schnellem Verfallsdatum und niederträchtig – andererseits: wesensverwandt mit Gott, Kinder Gottes, Gottes Haus.
Ähnlich auseinanderklaffend denken wir von unsern Kindern: Einmal schimpfen wir sie aus, dass kein gutes Haar an ihnen bleibt, andererseits verwöhnen wir sie wie Prinzen. Oder mit den Kollegen, den Mitarbeitern: Einmal sind sie unsere Partner, ein andermal nur Egoisten. Oder im Blick auf die Völker: Immer tauchten Tyrannen auf, die wussten zu sortieren zwischen hochstehenden Menschenrassen und Sklavenvölkern. Diktatoren wollten nach ihren Vorstellungen den wahren Menschen züchten. Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot konnten nur morden und Dressur versuchen mit der nackter Angst. Das Wesen der Menschen konnten sie zum Glück nicht ändern.
Ist das unser Wesen: Gottes Haus, Mund seines Geistes, mit all unserm Schwachsein inklusive?
Aber das klang bei Kirche auch oft anders. Sie hat aus Sorge und Bevormundung die Menschen kurz gehalten. Ja Einzelne, Könige hielt man für gottbegnadet – aber das Volk brauche die harte Knute, das Gesetz, damit es nicht übermütig werde, hiess es lange.
Doch zum heutigen Pfingsten geniesst diesen Triumph – diese Fanfare auf die Menschenwürde nicht aus Fleisches Mund sondern von unser aller Grund: Gottes Tempel seid ihr, in euch wohnt sein Geist.
Die begnadeten Künstler ahnten es: Phidias, Praxiteles, Michelangelo, Bernini – die aus dem Marmor die Menschenkörper schlugen in überirdischer Schönheit. Giorgione, Raffael, Goya – die Gemälde zeigten Menschen, vorzüglich Frauen, von ihrer schönsten Ansicht. Die klassischen Dichter besangen des Menschen Grösse, Don Carlos, Iphigenie. Erst malten sie nur Jesus und Maria schön – dann aber Tempel Gottes eben auch wir durchschnittlichen Menschen, wir mit Angst und Müdigkeit und Schwäche und Raffgier und der Krankheit zum Tode: Gottes Tempel?
Wie das glauben?
Gott in uns zu Haus. Einem Kind an Mutters Brust ist tatsächlich die Mutter Gott, und die Brust die Leinwand, auf der alles spielt. Aber später finden wir zu ich und du – im Gegenüber; und oft genug, um von mir hoch zu denken, muss ich mich von dir abstossen – gerade, wenn wir uns lieben, sind wir uns auch Rivalen. Die Güter der Erde, Lebensmittel und Anerkennung, Zeit, Aufmerksamkeit sind begrenzt, wie eifern schon Geschwister um die Gunst der Eltern und wünschen den andern oft fort.
Und doch, wir Gottes Tempel.
Wenn wir einen Menschen streicheln, streicheln wir Gottes Aussenseite. Wenn wir einen Menschen verletzen, schneiden wir in Gottes Fleisch. Wenn wir Krieg machen, das darf nicht sein – wir sein Haus, wir Hütte Gottes einander. Schutz einander auch vor einander. Wir einander zu Brot und Wein gegeben, wir Tempel, Haus, Hülle, Äusseres Gottes; gut , uns das Göttliche im Andern munden zu lassen und es zu pflegen, zu mehren.
Wie vergessen das oft. Darum muss uns Pfingsten passieren – ein Blütenmeer von Gewissheit: Du Kind Gottes, wirklich.
Darum ist das Geliebtsein und das Verlieben so wichtig: Da zeigt’s einer dem andern: Du bist Geliebte/r des Lebens. Da in der Liebe achten wir den andern als Ort Gottes, und wenn wir einem aus der Not helfen, ihn den Dreh finden helfen, seine Rettung einzuleiten, dann machen wir einander den Heiligen Geist flüssig.
Du, denk bitte gut von dir, nimm dich wichtig, tu dir Gutes. Vier Fünftel aller Beschädigungen tun wir uns selbst an, weil wir Dummes wünschen, den Preis, die Folgen nicht sehen wollen, das Schnäppchen, den schnellen Vorteil nutzen wollen auch beim Rechthaben, doch was bringt’s fürs Gemeinsame?
Du Tempel Gottes – also auch des Respektes würdig, auch des Stolzes. Wo euch einer nicht achtet, euch nicht menschlich behandelt, da schüttelt den Staub von den Füssen. Da setzt drauf, wer Wind sät, wird Sturm ernten – auch Jesus machte einen Bogen um Herodes, den Fuchs: Seid klug und ohne Falsch, mahnte er.
Nimm den Nächsten und dich als Filialen Gottes, Gemeinde als Leib Gottes, und glaub dich als Schall des Heiligen Geistes – was du sagst und tust, das soll Lebenslust mehren.
Die Musik ist eine besondere Sprache Gottes. Künstler sehen sich begnadet und auch verschlissen von der Fron, Gottes Musik zu spielen – wir erbitten für euch, Giora Feidmann und Matthias Eisenberg, viel Atem des Geistes.
Und für den Raum der Politik – wie standhalten den gemeinsamen Bedrohungen? Wächst uns unser Können über den Kopf? Die Robotertechnik, die Genetik – biologische und Computer-Viren. Wir brauchen Erlösung durch mehr Erkenntnis, Erlösung durch Heiligen Geist. Mehr Bindekraft, Freundschaft mit dem Schwachen, Denklust und Freude.
Ja, komm Heiliger Geist, kehr bei uns ein, dass wir hoch von uns denken und nicht soviel Stuss reden, lesen, fernsehen; und du, tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele gern in ihm wohnt. Amen.
 


 



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