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Unser tägliches Brot gib uns heute

Heiligen Geist gib uns

Unser Körper braucht Brot. Unsere Seele ernährt sich von Worten, Bildern, Ideen, Gedanken. Wir müssen wissen, was wir bedeuten. Von außen können wir uns behängen noch und noch mit erlauchten Zeichen des Wichtigseins. Aber in uns ist Heißhunger nach dem, was uns von innen her aufrichtet. Schon dieses Lechzen nach innerer Gewissheit ist Heiliger Geist. Und wir werden aggressiv gegen Menschen, die uns stromlinienförmig anpassen wollen ihren Bedürfnissen. Du kannst nicht zufrieden sein damit, den Leuten zu gefallen, kannst nicht wert sein wollen, was deine Mutter, dein Chef, dein Partner dir zumisst. Du brauchst Heiligen Geist, der dich leuchten macht.

Lechzen nach Gewissheit zu taugen ist es auch, wenn Kinder von der schlechten Amme Fernsehen gewalttätig die Salzstangen zerbröseln und genüsslich den Saft auf den Tisch verteilen. Es genügt ja nicht, dass wir ruhiggestellt werden. Wir müssen was gelten, den nächsten Menschen und weit über sie hinaus. Heiliger Geist ist dieser geistige Kredit: Wir sind von weit her und für immer und einmalig wunderbar, sind gewollt vom Willen, dem sich die Welt verdankt. Heiliger Geist ist auch am Werk in uns, wenn wir leiden an Lebenszerstörung und es nicht gleichmütig hinnehmen, dass Menschen Menschen schinden und missbrauchen, verhungern lassen und entrechten. Dass in uns Protest und Erbarmen aufschreit, wenn wir Vernichten und Zerreißen erfahren, ist schon Wirken von Heiligem Geist, von der Kraft, Lebendiges zusammenzuhalten. Diese Quelle von Seinsgewissheit macht, dass wir uns fühlen als Personen, durch die Ewiges hindurchtönt - das lateinische Wort “personare” heißt hindurchtönen. Wir sind dazu da, uns hinzuhalten dem Heiligen Geist als Mundstück, Ohr, Hand. Wir müssen den Willen, dem sich die Welt verdankt, nicht erst glauben, erfinden, erträumen. Andersherum ist’s wohl richtig: Wir sind Muster, in denen Gott sich ausdrückt. Die Leuchtkraft der Sterne, die Schönheit der Blumen, die Harmonie von Mozarts Musik, die unermessliche Zweckmäßigkeit der Naturgesetze, meine, deine Fähigkeit, dass wir einander ergänzen können, ist doch real existierender Heiliger Geist.

Wir machen ihn nicht, sondern wir sind seine Inszenierungen. Dass wir einander ein Stück gelingen, ist Fließen von Heiligem Geist. Das Dickicht des Lebendigen erwächst ja vom Heiligen Geist bestrahlt. Was wir eigentlich hören und sagen wollen, ist unendlich lang: Es ist die Sehnsucht, mit Gott ewig zu reden und gewürdigt sein wollen, immer vor ihm zu sein, ihm viel zu bedeuten. Und Klopfzeichen dieser Sehnsucht, Klopfzeichen dieses Hellhörigseins auf Gottes Impulse: “Ja, du bist gut”, Laute ewigen Wichtigseins wollen wir einander ablauschen und auch geben. “Ich liebe dich” ist uns Unterpfand von weit her und nicht nur freundliches Werben eines eigensüchtigen kleinen Mitmenschen. Ich in Not, und du kommst zu Hilfe - da hat das Herz der Welt dich geschickt. Du im Krankenhaus und keiner besucht dich, da siehst du dich abgepflückt, abgebrochen von allem. Wie kommt da Freude auf, wenn völlig Fremde an Vaters, Mutters, Kindes Statt kommen und dir zeigen, dass du nicht aufgegeben bist. Das heilt, wenn überhaupt etwas heilt. Das schließt wieder an den Lebensstrom an: Ich darf mich weiter als Teil des pulsierenden guten Ganzen glauben.

Partikel von Heiligem Geist ernähren unser Bewusstsein: Du, ich, wir bedeuten Gott sehr viel. Wir sind hier seine Tempel, seine Filialen, seine Energiebündel von Bejahekraft: Du darfst dich lustvoll wahrnehmen als bedeutend. Wenn schon - so meinten die Rabbineer - jeder Grashalm einen Engel zugeteilt bekommt, dass er gedeihe, und wenn schon jeder Spatz in Gottes Hand ist, wie viel mehr bist dann erst du bedeutend, mit deinem Mangel und deinen vibrierenden Augenblicken.

Manchmal sehen wir uns reduziert, ein kleines Quantum Ich-Stärke mit Ellenbogen und List, manchmal sehen wir uns kärglich wie ein Schluck Wasser auf dem Boden verschüttet, am Belanglosen klebend und misstrauisch und verächtlich und ratlos eingezwängt. Wenn uns dann Heiliger Geist anweht, ein Anruf, ein Klopfen, ein Kind,, das uns einfach aus unserer Lethargie reißt, ein beredter Augenblick, eine freundschaftliche Gebärde, ein guter Gedanke, ein Lichtlein von irgendwoher - die Düsternis reißt doch auf. Eine zugelaufene Katze kann eine neue Welt entzünden, und du kannst dich wieder im Schlepptau Gottes glauben.

Heiliger Geist treibt uns böse Geister aus. Was man alles meint, nicht zu dürfen! Aber du bist nicht festgeschweißt auf die elterliche Erziehung. Dein Träges und dein Wildes, dein Verneinen und dein Gieren, dein Schönes und Grässliches ist noch am Köcheln in Gottes guter Küche. Du darfst noch werden. Auch dir soll noch Leben erblühen. Glaub das, was im Buche der Psalmen verkündet wird: “Finsternis ist nicht finster bei Dir, o Gott.” (Psalm 139,12). “Dunkelheit ist nur getrübtes Licht.” (Isaac B. Singer) Es soll nicht dunkel bleiben über denen in Angst. Es soll um dich hell werden, geliebter Mensch, fass wieder Vertrauen, dass Heiliger Geist an dir rüttelt. Auch die Einschärfungen, man könne niemandem trauen, sind doch Sabotage an Gottes Werk. Spür noch mal, fühl noch mal, wie viel Ahnung von Zusammenhalt und Liebe aus dieser Welt aufsteigt. Und Jesus, die Ikone des Vertrauens, bildet auch deinen innersten Kern, in dir ist das ewige Licht des liebenden Jesus. In dir ist dieser Impuls: “Du - gut, du - gut fürs Leben.” Und bei allen Gegensätzen zieht etwas uns zueinander hin. Diese Grundströmung zueinander ist Heiliger Geist. Ja, Gott, deinen Heiligen Geist gib uns täglich.

Predigt aus St. Severin, Keitum; veröffentlicht in: Traugott Giesen - Vater unser in Ewigkeit. Amen - Radius-Verlag, 1993, vergriffen.


 



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