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Dein Wille geschehe

Dein Wille - Kinder?

Menschen tun sich heute schwer, Kinder sich zu wünschen. Meldungen über den Zustand des blauen Planeten sind niederschmetternd. Hinzu kommt die Skepsis, dass man sich selbst zu egoistisch sei, und auch wohl Selbstzweifel, ob so einer wie ich der Erde noch mal gut zu Gesicht stehe. Das Bündel der Argumente gegen Nachwuchs ist schwer: Werden einst Kinder ihre Eltern verwünschen? Der Prophet Jeremia greift noch tiefer: “Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin. Warum bin ich denn aus dem Mutterleib hervorgekommen, wenn ich nur Jammer und Herzeleid sehen muss und meine Tage in Schmach zubringe?” (Jeremia 20,14.18) Und Hiob klagt Gott direkt an: “Warum hast du mich aus meiner Mutter Leib kommen lassen? Ach, dass ich umgekommen wäre und mich nie ein Auge gesehen hätte.” (Hiob 3,11)

Bekannt ist die Geschichte vom Kindermord in Bethlehem (Matthäus 2,16-18). König Herodes, als er von der Geburt des Retters hört, sieht seine Macht bedroht. Er befiehlt, alle männlichen Säuglinge bis zu zwei Jahren in der Gegend umzubringen. Immer schon gab es Grund zu fragen: In welche Welt setzt Gott seine Kinder? Es ist doch eine Welt, in der die Liebe schwach ist und die Liebenden unter die Räder von Neid und Gehässigkeit kommen können und der liebevollste Mensch ans Kreuz geschlagen wird.

Wie kann da Gott ein Kind ins Sein rufen, noch in solch einer Identität mit sich selbst? Solange die Kinder als natürliche Produkte und Zeugen und Gebären als Normaltakt der Schöpfung gelten, hat Gott damit ja nur von ferne zu tun. Aber genau diese biologische Betrachtungsweise schlägt Gott in Stücke, Für diesen Jesus haftet der Urheber des Lebens eindeutig. Dafür, dass Gott für diesen Menschen eindeutig, nahezu ausschließlich haftet, fanden die Christen das Bild von der Geburt aus der Jungfrau Maria: Eben nicht gezeugt aus Naturtrieb oder Elternliebe oder Versorgungsansprüchen, sondern als Willensakt des Weltwillens. Jesus hört später in seiner Taufe die Widmung: “Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.” (Matthäus 3,17) Und diese Gravur der Seele, wie sie Jesus erhält, geben wir unseren Kindern weiter in der Taufe. Wir übertragen Jesu Wesen auf jedes Kind: Du bist Gottes geliebtes Kind, an dem Er Wohlgefallen hat.

Wir Eltern stellen uns damit in die zweite Reihe: Wir - Diener, Engel, Wegbereiter, Schoß Gottes, wir zeugen. Aber eigentlich sind wir nur Zeugen für die Kreativität vom Geheimnis der Welt. Letztlich haben auch wir dieses Kind empfangen vom Heiligen Geist. Wir bringen es auf die Welt. Es wird uns geschenkt. Es ist uns anvertraut für ein Stück Weg. Und über jedem Kind scheint der Stern von Bethlehem. Jedes Kind ist ein Kind der Verheißung: Durch dich, Ehre sei Gott, durch dich werde Friede auf Erden, und wachse das Wohlgefallender Menschen aneinander (nach Lukas 2,14).

In der Geburt des Jesus bindet sich die Allmacht an die menschliche Ohnmacht. Nicht nur dem Namen nach, sondern real wird Gott Mensch. Zieht unsere Lebensläufe an als seine Strecken Biographie. Er setzt durch unsere Leben sich seinen Leib zusammen; er gestaltet in unseren kleinen Lieben seine Liebe. Viel Böses, Gott Entzogenes ist auch noch da. Warum? Ich weiß es nicht.

Aber in Jesus ist erschienen das “Ja” Gottes (2.Korinther 1,19). In Jesus ist unsere wahre Bestimmung ablesbar. Unsere Würde ist es, Gottes Mensch zu sein, ein Wort Gottes zu sein - wie viel Erde und Trieb und Gier auch an uns hängen. - Wie blind fürs Ganze, wie scharfsichtig fürs Naheliegende, Vorteilhafte, und doch will Gott mit dieser Brut zu tun haben. Der Prophet Jeremia, der so bitter seine Geburt widerrufen will, hört das Wort Gottes: “Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete.” (Jeremia 1,5) Das ist wohl der tiefstgegründete Sinn meines und deines Daseins. Es ist ein Weltwille, der uns kannte, bevor wir gezeugt und geboren wurden, der uns will, wie wir auch werden, und der mit uns zurechtkommt, der uns sich gefallen lässt, was immer auch daraus wird.

Was wird daraus - aus der Menschheit, aus Jammer und Freudenschrei, aus Menschen wie Stalin und Mutter Teresa, Hitler und Bonhoeffer, aus Tyrannen und Jesu Jüngerinnen und Jünger? Diese Erde und diese Erdenzeit ist nicht auf Dauer. Jedes Leben hier ist begrenzt, auch die Erde ist Schöpfung und wird mal ausgedient haben. Aber wenn Gott sich so innig mit Erde und Mensch verknüpft hat, dann wird er die Ernte hinüberretten, dann wird er die Erfahrung von Leid und Lachen bei sich behalten, wird niemals ohne uns sein. Darauf ist Jesus das Ja und Amen. Wo - wie? Wir wissen noch nicht einmal, wie viele Nullen eine Milliarde hat, obwohl wir es schon tausendmal im Leben gehört haben. Wir können nicht einmal einen Kreis rund aus der Hand zeichnen. Wir wissen noch nicht einmal, wie ein Telefon funktioniert - und da soll uns verständlich sein, wie Gott uns ewig liebt? Lasst uns doch zufrieden sein damit, dass wir neugierig und offen sind für das Kommende. Und dass du und ich ein Baustein in Gottes Werk sind. Seine Liebe strömt wie der Atem durch die Trompete, und dass Gott aus unserem Leben einen geziemenden Ton rausbringen will, das könnte uns doch Motiv für Leben genug sein. Aller Mühe ist es wert, diesen Krümel Gewissheit zu behalten und diesem Krümel Gestalt zu geben und nach besten Kräften viel Gutes und wenig Böses zu tun.

Zum Besten, dessen wir fähig sind, sollten wir damit beauftragt sein, ist Vater- oder Muttersein. Kindern mütterlich/väterlich das Leben aufzuschließen als hoffnungsvoll und lebenswert, das ist wohl die intensivste Kooperatorenschaft, die Gott uns einräumt. Für Kinder dazusein, ihnen Zukunft einzuräumen, macht uns wichtig wie sonst nichts.

Natürlich geht es nicht mehr darum, möglichst viele Kinder ins Leben zu rufen. Das herrliche Bildwort “Ins Leben rufen” lässt anklingen: Sie mögen schon anderwärts bei Gott sein, wie ja die, die aus dem Leben heimgerufen sind, bei Gott sind. Wir müssen nicht möglichst viele Kinder ins Leben rufen. Der Auftrag: “Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde” (1.Mose 1,28) ist erfüllt. Aber wer ins Leben gerufen ist, dem soll Leben keine Strafe sein, und er soll keine Last sein. Jesus sagt mal: “Wer eins dieser Kleinen aufnimmt, der nimmt mich auf” (Matthäus 18,5), der nimmt ein “Ja und Amen” Gottes an.

Predigt aus St. Severin, Keitum; veröffentlicht in: Traugott Giesen - Vater unser in Ewigkeit. Amen - Radius-Verlag, 1993, vergriffen.


 



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