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Engel - gibt’s die?

Gäb’s keine Engel, wie sollte Gott mit den Teufeln fertig werden? Besonders Weihnachten ist Zeit der Engel, jener weißen Lichtgestalten, die Frieden ankündigen. Die vorher der Maria die Schwangerschaft ansagen und nachher, Josef heimlich Maria verlassen will, ihm den Befehl geben: Nimm Mutter und Kind zu dir. Engel tauchen auf, wenn Menschen in neue Umstände geführt werden; bei der Vertreibung aus dem Paradies und bei der Wiederherstellung von Paradies; und als die Auferstehung Jesu den Frauen und Männern des Jüngerkreises verkündet wird, sprechen Engel: Fürchtet euch nicht, Christus ist bei Gott und nicht im Tod. Einmal war der Prophet Elia völlig traurig und leer vor Kraftlosigkeit, er ging tief in die Wüste, legte sich unter einen Dornbusch und wollte nicht mehr, wollte nur noch sterben. Da brachte ihm ein Engel Brot und Wasser und den Auftrag: Geh zurück. Gott braucht dich. - Und die herrliche Geschichte von Petrus im Gefängnis: Der Engel des Herrn holte ihn raus. Und von Jesus heißt es: Als er die Versuchung bestanden hatte, wich der Teufel von ihm, und die Engel dienten ihm (Matthäus 4).

Dass es gestaltgewordenes Böses gibt, darüber werden wir schnell einig. Anderer Menschen Häuser anzünden, Menschen töten, das ist böse, etwas Hochheiliges wird zerstört: das Vertrauen in den guten Weltgrund, Gott genannt. Das ist nicht bloß schlechte Erziehung oder Irrtum oder Machtlust. Wer die heilige Substanz des Lebens - wir gehören förderlich zueinander - zerstört, der ist besessen, der ist Werkzeug böser Mächte. Manche Mörder und Hetzer haben tatsächlich Gesichter, aus denen jedes Antlitzhafte, Gleichnishafte, Lichtvolle verloschen ist. Sie scheinen tatsächlich des Teufels zu sein, sind personifiziertes Böses, das Heiliges zertritt. Es gibt böse Mächte, die durch die Seelen ziehen und sie auszehren, bis die Menschen nur noch Hülsen, nur noch Larven des Bösen sind. Umso wichtiger sind die Engel, die erlösenden, rettenden, heilenden Kräfte Gottes.

Engel brauchen keine Flügel.. Auch keine weißen Kleider - sie kommen und gehen wieder, still und unerkannt. Nur hinterher wissen wir: Ja, das war ein Engel, ein Bote Gottes, einer, der die zerrissenen Fäden des Vertrauens flickte, Kerker sprengte. Wir haben schon erlebt, dass Hilfe zu spät kam, und dann war es, als ginge ein Engel traurig von uns weg, und wir konnten ihn nichts fragen. Das Bild vom Schutzengel trifft eine Wahrheit, die uns trägt. Er ist das Bild für gestaltgewordene Bewahrung. Der gerettet hat, ist Werkzeug. Wir sagen ja auch: “Du bist ein Engel” und unterstreichen damit, dass es wunderbar, ganz wunderbar war und ist, gerettet zu sein. Wir haben kein Recht auf Rettung. Das Tatütata ist für den Eingeklemmten wirklich Himmelsmusik, ist Antwort auf Gebet in äußerster Bedrängnis. Gottes Engel, ganz menschlich professionell. Wunderbar auch, wenn die Helfer dann Lob und Dank abwehren: “Ich tat nur meine Pflicht.” Das haben Engel so an sich: Sie nehmen sich zurück, sie sind Türöffner für den Helfer, der in ihren Händen aktiv wird. Wissen, sie werden genutzt vom Lebenssinn, ist Engel-Art. Das Fliegenkönnen der Engel beschreibt ja nicht eine wunderbare Fortbewegungsart. Es ist ein Symbol. Warum können Engel fliegen? Weil sie sich leicht nehmen, sie wissen, es trägt sie einer. Das ist wieder keine Sachmitteilung, sondern eine Idee. Wie ja Engel Ideen Gottes sind, heilende, zurechtbringende Geistenergien.

Schon in der Bibel weisen die Engel in ihrem Namen von sich weg: Rafael - Gott heilt; Gabriel - Gott ist stark; Michael - wer ist wie Gott? So sind Engel Verstecke Gottes. Gut, wenn wir uns beim Gutestun selbst als Getane, als Geführte, als Geschickte sehen. Begnadete Künstler wissen: Nicht ich male, sondern es malt in mir. Picasso sagte es so: “Ich suche nicht, ich finde nur.”

Wenn wir von Traurigkeit und Selbstzweifel eingekerkert sind und uns der richtige Mensch, eine erleuchtende Predigt, ein starker Auftrag trifft, dann merken wir, dass Engel an uns rütteln, uns zur Freiheit verhelfen. So viele Seelen stecken in Verliesen und werden doch herausgeführt, und Freundschaft bricht an, du wirst aus dem Schlamm deiner Verurteilungen erhoben, du hörst, wie Verschüttete im Bergwerk die Helfer hören, die sich näher heranarbeiten. Wenn unsere Seele umgekrempelt wird und wir von Dämonen abgekettet werden, wenn klärender Heiliger Geist uns erfasst und Alpträume vom Sturm zerblasen werden, dann ist das ein mühsamer Prozess. Rilke hat ihn so bedichtet: “Sie kämen denn bei Nacht zu dir, dich Ringender zu prüfen und gingen wie Erzürnte durch das Haus und griffen dich, als ob sie dich erschüfen, und brächten dich aus deiner Form heraus.”

Ein Engel ist die Schutzmacht deiner Seele, im Bild des Engels strahlt dieser unversehrbare innere Kern, der doch nicht unser Besitz ist. Engel sind keine Wunschgebilde. Sie sind die heilende Energie, Wunschkraft, Seinslust, die Willigkeit, ich zu sein. All dies kann ich nicht machen, es wird mir zugetan. Das Zugetansein Gottes auf sehr persönliche Art ist uns im Bild vom Engel vorgestellt. Dies sehr persönliche “Für-mich-Dasein” Gottes, im Bild vom Engel dargestellt, fordert vielleicht auch die geschlechtliche Unklarheit, die wir mit Engeln verbinden. Es heißt zwar “der Engel”, und doch hat er weibliche Attribute. Dies meint, dass ich persönlich aufgefordert bin, nicht zu verschwimmen, nicht zu zerfließen, mich nicht als Rädchen im Getriebe zu verstehen, sondern glauben zu dürfen: Ich bin ich, und du bist du, ein jeder vom Ich der Welt berufen, bei seinem eigenen Namen. Engel, das sind die Kräfte, die uns stabilisieren als Person. Und so sind alle Menschen, die uns stärken, die uns als wichtig aufheben und annehmen, Engel; und wenn du einen Menschen stützt in seiner Wichtigkeit, dann bist du ihm Engel.

Nein, Engel sind nicht nur Menschen! Engel sind gute Kräfte in der Welt, die sich Menschen suchen, um Hand und Fuß zu gewinnen. Wenn du einen i Not siehst und willst dich abwenden und siehst dich doch hingeschoben zu ihm, dann weißt du hinterher, es war ein Engel, der dich schob. Manchmal sind wir nicht so, wie Gott uns meint, sondern sind träge Klötze, feige Pflaumen, Sofakartoffeln vor dem Fernseher; aber irgendwann spüren wir einen Stoß in die Seele, dann geht ein Engel durchs Zimmer und macht uns wieder zu Boten guter Mächte. Engel, das sind Gottes Kräfte, die uns animieren, dass wir uns in Gebrauch nehmen lassen. Mein, dein Engel macht uns menschlich.

Predigt aus St. Severin, Keitum; veröffentlicht in: Traugott Giesen - Vater unser in Ewigkeit. Amen - Radius-Verlag, 1993, vergriffen.


 



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