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Dein Wille geschehe

Sein Wille und die zehn Gebot

Dein Wille geschehe, Gott - wenn wir dies bitten, dann erflehen wir Frieden und gelingendes Leben. Nicht die Folgen unseres verwirrenden Wollens und Zwingens mögen auf uns und unsere Kinder kommen, sondern Dein Wille geschehe.

Mir geschehe, was du für mich vorsiehst. Auch das Schlimme will ich tragen. Es soll mir Stufe sein, die Gott einschneidet ins Geschehen, um mich zu ihm emporzuheben. “Wenn es anders kommt, als wir es erbitten, kommt es besser”; so kennzeichnet Luther diesen kindlichen, unüberwindlichen Lebensmut, dass ich mich an Gottes Hand weiß, wie finster das Tal auch sei. Dein Wille geschehe da mittendrin. Das ist eine Vertrauensbitte und schließt ein, dass noch nicht alles, was geschieht, Gottes Wille ist, aber doch alles darauf hinausläuft, dass Gottes Wille geschehe.

An der Nahtstelle zwischen dem, was geschieht, und dem Willen Gottes stehen ich und du. Und wir bitten, dass der Wille Gottes das Geschehen einfängt, einverleibt, verträglich macht, heiligt. Und wir haben es erlebt, wie das Fatale, das Grauenhafte sich für uns lichtete, wir haben es erlebt, wie es im Psalter heißt: “Du stellst meine Füße auf weiten Raum ... Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen. Du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet.” (Psalm 30) Ja, du hast Schmerz, Leid und Verlust annehmen können als dir beschieden und nicht als Endstation, sondern als Verwandelmacht. “Du hast Augenblicke erlebt, wo Gott dich wie einen Handschuh packt und ganz langsam über seine Finger stülpt.” (Robert Musil) Und du merktest, dass nicht Irrsinn und Statistik dir geschah, sondern du spürtest, wie du Gott vorzogst dem Unfassbaren. In diesem Sinne hat Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis gesagt, er sei froh, letztlich nicht in den Händen der Gestapo zu sein, sondern in denen Gottes.

Aber wenn sich das Schicksal um uns wie eine Faust ballt, dann sehen wir uns niedergerungen, sehen uns ins Gebet genommen: Ja, Dein Wille geschehe, dunkler Gott, Hauptsache, Dein Wille und nicht eine augenlose Weltmaschine überrollt mich. Du hast es erlebt, wie Zufall dir sich wandelte in Fügung und du hingebeugt wurdest in das Notwendige. Und dein Angesicht wurde erhoben von der Kraft dieses Bittens: Dein Wille geschehe mir.

Aber diese Bitte hat wie eine Spiegelschrift eine Weisung bei sich: Dein Wille geschehe auch durch mich. Und warnend sagt Jesus: “Nicht die, die sich die richtigen Gedanken über Gott machen, werden sein Reich schon im Anbruch sehen, sondern die, die den Willen Gottes tun.” (Matthäus 17,21) Und darum sind die zehn Gebote in 2.Mose 20 nicht irgendwelches Bildungsgut, sondern die Grundregeln für gelingendes Leben. Sie bezeichnen ja die Grenzen, innerhalb derer Leben sich vollziehen muss, wenn wir uns nicht zerrütten wollen. Sie sind keine Eisengitter, sie sind eher ein Geländer: in dieser Region ist Freiheit grenzenlos, dort musst du dich nicht ängstigen.

“Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus der Knechtschaft Ägyptens befreit habe. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.” Befreit aus der Knechtschaft, wie damals Israel aus Ägypten, so ich und du: Befreit vom Gehorchenmüssen. Ich muss keines Menschen Magd oder Knecht sein. Der mich erfunden hat; die Macht, die mich beatmet und die meinen Puls treibt und meine Sehnsucht mir einspeist, mir meine Zeit einräumt, mir Begabung und Handicap mitgibt; der mich will, einzigartig wunderbar, der ist mein Gott. Ich brauche keine anderen Götter neben ihm. Ich muss letztlich keinem gefallen, keinem muss ich hörig sein, keiner ist es wert, mich zu entmündigen.

Darum soll ich mir von Gott aus Irdischem kein Bild machen, keine Menschen oder Dinge mir zum Idol werden lassen, ich mir selbst nicht, du mir nicht, ich dir nicht, keiner soll mir Gott sein. Und die Liebsten? Das Schönste? Wohl Fenster auf Gott hin, aber nicht er selbst. Gott im Wald finden, am Meer, in einer Muschelschale? Daumenabdrücke vom Ganzen sind sie, aber nicht er selbst. Wir beten nicht die Sonne an, sondern danken für die Sonne. Natur ist nicht Gott, Natur ist Gottes Mantel, die Menschen sind Gottes Tempel, manchmal auch seine Lasterhöhlen, aber kein Bild Gottes, außer dem Jesus, Gottes Intarsie in unserer Seele.

Kein Missbrauch des Namens Gottes: Ich will ihm Irdisches nicht beilegen, und wie oft tue ich es doch. Für wie viele Siege sang man Dankchoräle, obwohl die Kriege Verbrechen waren. Wie viel unrecht Gut wird mit milder Gabe verbrämt. Wie viele Erntedankfeste verschweigen Raubbau und Ausbeutung?

Du sollst den Feiertag heiligen: Eigentlich dich heiligen, dich heilen lassen an diesem Tag. Wir sind freigestellt zu feiern das Gutsein, Gutwerden des Lebens, sollen uns in gutem Zusammenhang wahrnehmen. Und unsern Wunschradar wieder eichen lassen auf das, was uns unbedingt angeht: die Atemzüge eines Sonnentages unter Himmel aus Marmor oder einen Gottesdienst nimm als inniges Versprechen Gottes, dass sein Wille dir geschehe. Und widme dich dem Wichtigsten überhaupt: dass Gott sich dir widmet.

Du sollst Vater und Mutter ehren: Sie sind doch die ersten Mitarbeiter Gottes, deine ersten Engel, in denen Gott dich erdete. Sie gaben, was sie konnten, nicht alle Welt, aber das ihnen Mögliche. Sie haben sich nicht für dich ausgesucht, sie waren dir bestimmt. Vater und Mutter ehren ehrt Gott als den, der sie mir zuwies. Und die Eltern brauchen deine Anerkennung und dein Vergeben. Hilf ihnen, Frieden zu finden.

Du sollst nicht töten: Du weißt es. Mit Albert Schweitzer: “Du bist Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.” Die Ehrfurcht vor der Kraft, die in jedem Energiebündel wirkt, ehrt ja dein eigenes Sein. Aber es gibt furchtbare Konfrontationen: entweder du oder ich. Dann mich an das Gebot halten, egal was daraus wird, verheißt Segen. Es läuft darauf hinaus: lieber leiden als Unrecht tun, lieber verachtet als gefürchtet werden. Bittend, dein Wille geschehe durch mich, weiß ich, was ich muss. Dass ich auch kann, was ich muss, ist Gnade.

Du sollst nicht ehebrechen: nicht deine Ehe zerbrechen, nicht einen aus seiner Ehe brechen, nicht in eine Ehe einbrechen - ein weites Feld jenseits von Besitz und Willkür. Nächstenliebe endet nicht an den Grenzen der Ehe. Der Ehegefährte ist der erste Nächste, an dem ich und mit dem ich die Nächstenliebe lerne.: ihn in Freud und Leid nicht verlassen. Aber es gibt falsche Wahl, es gibt auseinanderklaffende Entwicklungen. Ja, du sollst dich nicht scheiden. Und vielleicht: was ein Totentanz geworden ist, muss doch geschieden sein, um beiden Überleben und Wachstum zu sichern.

Du sollst nicht stehlen: Würde, Besitz, Zeit, Liebe, Entwicklungsmöglichkeiten. Aber wo ist mein Geschicklichsein schon Stehlen, wo ist mein Behalten und Sichern und Prunken und Hilfe-Verweigern schon Stehlen?

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Luther hat es unnachahmlich gesagt: “Dass wir unseren Nächsten nicht fälschlich belügen, betrügen, afterreden oder bösen Leumund machen, sondern ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.”

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Eigentum: Begehren kommt von Gieren. Du brauchst dich nicht vergleichen auf der Haben-Ebene. Du bist gut dran mit dem Deinen. Das ist ein Vertrauenswort, keine Munition, die Wohlhabende ins Feld führen dürfen.

Die zehn Gebote zeigen die Richtung für gelingendes Zusammenleben. Kurz, klar, wahr, sind sie die Essenz des Willens Gottes. Luther läutet sie immer ein mit dem Satz: “Wir sollen Gott fürchten und lieben.” Inständig und lange genug meinen Willen darauf abstimmen, was Gottes Wille ist, das gibt meinem und deinem Leben eine Gestalt, die nicht verpfuscht isst. Vor allem höre ich auf, Gottes Schwäche zu beklagen - Wo ist Gott? Wie kann er das zulassen? -, sondern nehme mich als Bestandteil von Gottes Willen wahr. Ich stelle nicht mehr entrüstet fest, was Gott versäumt, sondern sehe mich als Helfer gerufen.

Gottes Wille geschehe, geschehe durch mich. Beten wir “Dein Wille geschehe”, so beten wir uns auch als Handlanger dieses Willens zurecht, oder unsere Gebete wären nur Wortspreu.

Predigt aus St. Severin, Keitum; veröffentlicht in: Traugott Giesen - Vater unser in Ewigkeit. Amen - Radius-Verlag, 1993, vergriffen.


 



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