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Dein Reich komme

Wir Unruhigen können doch Frieden anbahnen

Wie das Durcheinander der Geschichte hinfindet in Gottes Arme - wir können es uns nicht vorstellen. Wie das Gewoge von Leid und Mühe mündet in das Meer der Ruhe, ist uns unausdenkbar. Und doch könnte die Geschichte ein Teppich sein, den wir jetzt erst nur von links sehen, ein Geschlinge von Fäden, Knoten, Flicken; aber einmal wird uns der Teppich schön erscheinen, und dann geht uns auf: Wir sind im guten Ganzen.

Wir haben ja schon geglückte Passagen erlebt, leuchtende Tage, auch Lebensläufe, die mit allen Mühen doch gelungen schienen. Könnte nicht doch alles in allem noch gut werden? Wir haben doch Vollkommenes erfahren, nicht nur Reste ausgeglühter Mühe, sondern Fetzen von Himmel: Der erste Schnee unseres Lebens, die erste Liebe, die erste Versöhnung nach furchtbarem Streit, die erste eigene Wohnung, das erste selbstverdiente Geld, das erste Kind, die erste Offenbarung vor einem Gemälde, die erste Auferweckung, nachdem du so gut wie tot warst, der erste Glückwunsch: gut, dass du da bist. Wir haben im Anbruch erkannt das Leben, wie es von einem wunderbaren, allmächtigen, unerschöpflichen, liebenden Urgrund herkommt. Ganz fraglos waren wir schon mit Gott im reinen. Er war einfach da, groß und glühend. Und du, ein Bündel Freudvolles, von Ihm entzündet, ganz und gar verschmolzen mit diesem Augenblick, mit Reich Gottes im Anbruch. Und du wusstest: voll Sehnsucht wirst du bleiben nach diesem Geschmack der Fülle. Was du auch noch an Holzwegen dir einbrockst, an Flachtagen durchwatest, was auch alles aus Schuld du versäumst, du willst neugierig hingestreckt sein auf Vollendung. Nie wirst du mehr zufrieden sein mit Sterben, das Leben nur widerruft und verenden lässt. Du hast den Traum vom Reich Gottes in den Fingerkuppen. “Deine Seele ist unruhig in dir, bis sie in Gott ruht.” (Augustinus) Also leb’ diese Sehnsucht und bereite vor, dass mehr Berührungen von Eins-Sein und Friede schon gelingen, dir und anderen durch dich.

Im Markus-Evangelium ist eine Verheißung aufbewahrt, die wir in Gebrauch nehmen sollten: “Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die glauben, sind diese: In Christi Namen werden sie böse Geister austreiben und Fremde verstehen und Kranken die Hand auflegen, so wird es besser mit ihnen”. (16,17.18) Glauben ist Sich-verwurzelt-Wissen in einem Boden, den Gott bestellt. So bist du nicht Treibholz, sondern Zweig am guten Lebensbaum, wie viele Risse den auch durchfurchen. Und bis zum Erweis des Gegenteils setz’ auf den Jesus, der Tod und Teufel bestanden hat. Ja, es gibt Menschen, für die ist Gott ein blinder Fleck geworden. Es gibt auch Tage für dich, wo Gott nicht mehr da ist. Aber gestern oder eben hast du noch mit ihm gesprochen, du begnadeter und leidender und beglückender Mensch. Du treibst doch böse Geister aus und verstehst Fremde. Ich sah bei einem großen Geburtstag einen Mann im Rollstuhl mitsingen “Lobe den Herren, der dich erhält, wie es dir selber gefällt. Hast du nicht dieses verspüret?” Er sang mit, ohne Beine sang er mit! Hast du ihm die Hände aufgelegt, dass er zu solch einer Lebensbereitschaft fand? Öffnen wir uns und anderen einen Spalt vom Himmel. Verstandenwerden ist Reich Gottes im Anbruch, Loskommen von Besessenheit ist Friede. Danken ist Leben unter nicht endendem Horizont. Wir stecken in Geschichte. Wir stecken in der Geschichte, wie man im Stau steckt. Wir sind dann auch der Stau. Wir sind auch Partikel dieser Geschichte. Du, ich, wir haben jeder seinen eigenen Hungernden, seinen eigenen Obdachlosen. Jeder hat ein Double in der Dritten Welt. Wir müssen ihn stillen und befrieden, sonst vergiften wir uns bis in unsere Träume hinein mit Selbstverachtung. Du bist als ein Auftakt von Frieden gemeint. In all deinem Chaos und Festhalten und Grauen ist Morgengrauen, ist Sonnenaufgang von Freude.

Predigt aus St. Severin, Keitum; veröffentlicht in: Traugott Giesen - Vater unser in Ewigkeit. Amen - Radius-Verlag, 1993, vergriffen.


 



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