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Vater unser

Vater, Sohn

Vielleicht wäre “Gott, mütterlicher, väterlicher Lebensgrund” tauglich zur Benennung des umfassenden, ganzen, ungespaltenen Gottes. Bei dieser Bezeichnung wäre auch Jesus als Sohn Gottes in seiner Substanz erfasst. Denn diese liegt nicht im Sohnsein sondern im Kindsein. Nur war damals zu Jesu Zeit das Kind das zählte, eben ein Sohn. Wir müssen uns darüber klar sein, dass die Bezeichnung “Kind” oder “Sohn” wieder ein Bild gebraucht aus menschlichen Mustern. Bei Jesus geht es nicht um biologische Herkunft, sondern um dichteste Verbundenheit: Gott ist in diesem Menschen wirklich dagewesen. Gott wurde Mensch, nicht Mann. Dass er Mann wurde, ist völlig zweitrangig.

Dramatisch wichtig bleibt, dass der mütterliche, väterliche Lebensgrund uns persönlich da ist als das Gewissen der Welt, als das Ich, dem alles andere Gegenüber ist, als das Ich, das mich zum Du macht, indem es mich anruft: “Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst: ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.” Dieses Zentralwort (Jesaja 43,1) beruft mich, dich, zum personalen Gegenüber des Weltengrundes. Gott, die Urperson, konstituiert mein Ich. Ich Nussschale auf großem Meer bin gewürdigt, weil Gott von sich etwas in mir unterbringt und wiederfindet. Er ruft mich in Verantwortung vor sich. Dass Gott mich kennt, macht mich zum Individuum, verhindert, dass ich nur Nummer, nur Zahnrädchen, nur biologisch-physikalisches Gewebe bin, zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt.

Natürlich sind irdische Eltern dazu bestimmt, ihren Kindern dieses Selbstbewusstsein, mit dem wir schon zur Welt kommen, zu bestätigen und es zu entfalten: Ich bin nicht Krümel unter Menschenmassen, sondern bekannt, genannt, gewollt, gefunden. Doch jede noch so schmutzige, lädierte Münze Selbstbewusstsein ist ausgegeben von der großen Bank, “Gott” genannt.

Predigt aus St. Severin, Keitum; veröffentlicht in: Traugott Giesen - Vater unser in Ewigkeit. Amen - Radius-Verlag, 1993, vergriffen.


 



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