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Traugott Giesen Kolumne 13.11.1999 aus Hamburger Morgenpost

Geschichte. – Wie sag ich’s meinem Kinde?

Daß die Eltern auch mal klein waren, ist Kindern kaum begreiflich zu machen. Für Kinder sind Eltern so alt wie die Welt. So greift Geschichte nicht weit zurück – eben, mit den Eltern begann das Leben, vielleicht noch Opa und Oma – aber dahinter muß schon die Steinzeit sein, wo die Menschen noch auf den Bäumen wohnten. Dabei haben die Kinder selbst Geschichte bei sich. Sie sehen sich als Krabbelkinder auf dem Video, sie erinnern noch frühe Ängste. Daß sie schon lesen können, schon radfahren und computern können, eröffnet ihnen die Zeit des Davor, des Nochnicht. Geschichte ist die Zeit vor dem Jetzt, die Zeit des Nochnicht. Da war die Zeit noch auf dem Weg nach hier. Da waren die Jungen von heute noch nicht geboren, da waren die heute alten jung, da waren schon viele Generationen tot.
Generation – das ist so ein Wort, das die Kinder kapieren müssen, um Geschichte fassen zu können. „Einzelne Stufe der Geschlechterfolge“ steht im Lexikon – also Kinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern – vier Stockwerke. Alle 25 Jahre kommt eine neue Generation dazu und eine alte wird von den Lebenden aus den Augen verloren, aber bitte mit Ehre.
Die Stockwerke gehören zusammen, sie bilden das Menschenhaus – mit den Verstorbenen und den noch nicht Geborenen. Und was wir heute wissen, das haben die vor uns entdeckt, gefunden, ausgedacht unter Entbehrungen. Wir bauen auf ihrem Wissen weiter. Darum müssen wir das Wissen von vorher wissen, sonst müßten wir ja alles ganz von vorn wieder suchen: das Rechnen und Häuserbauen, das Rad. In einem Auto, in einem Computer ist die ganze Geschichte der Physik drin enthalten. Und so ist es mit dem Verhalten auch. In den Jahrtausenden haben die Menschen gelernt, friedlicher und gerechter mit einander umzugehen. Aber immer gibt es Rückfälle; einzelne Menschen werden zu Mördern; und Völker – eins jagt das andere von gemeinsamem Boden. Das deutsche Volk hat viel Unheil angerichtet, hat Völker unterworfen und Millionen Menschen wegen ihres Anderssein an Herkunft oder Religion oder Aussehen umgebracht.
Jahrzehnte war Deutschland geteilt, und dem östlichen Teil verlangten die Russen, denen die Deutschen unsägliches Leid zugefügt haben, viel Wiedergutmachung ab. Daß Deutschland wieder zusammengehört, ist in seiner Wunderbarkeit gar nicht auszuschöpfen. Denn Europa wächst jetzt wieder zusammen. Und wir Deutschen können in guter Nachbarschaft ringsum leben – was unsere Vorfahren lange nicht konnten.
Geschichte ist, was seinen Gang geht. Aber was? Vielleicht eine menschlichere Welt? Jedenfalls, wer sich erinnert, der muß weniger Schuld wiederholen.
 


 



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