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Traugott Giesen Kolumne 27.12.197 aus Hamburger Morgenpost

Als flögen wir davon

Genial portioniert ist doch das Jahr: Zwölf Teile, die je ihre eigene Geschichte mit der Sonne haben und damit wärmer, heller oder kälter und dunkler werden. Jeder Monat hat vier Wochen zu sieben Tagen, übersichtlich also, jeweils mit Gefälle hin zum Wochenende; da ist Ruhen und Feiern dran, daß man gestärkt in den Alltag starte. Auch der ist klug dosiert. Ein Drittel zum Gelderwerb oder Haushalt, ein Drittel Lachen, Lieben, Leiden, ein Drittel Schlaf und aus der Welt sein.

Genial auch portioniert ist das Menschenleben. Rund zwanzig Jahre Heranwachsen; dann zwanzig Jahre Aufbauen, Stand gewinnen, Familie bauen, Versuch und Irrtum die Fülle; dann zwanzig Jahre kontinuierlich arbeiten, Anwachs der eigenen Person geschehen lassen, sich ablagern in Lebendigem, ein Stück Lebenswerk mit einiger Selbständigkeit besorgen, Verläßlichkeit in sich selbst ausbilden, beziehungsfähig werden, ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper finden, Herzens- und Geistesbildung, Kinder loslassen und doch noch fördern, wenn nötig. Und ab sechzig, endlich kommen und gehen lassen, wie es will, dankbar werden, geschickt und zuvorkommend mit den Bedingungen klar kommen, mehr anerkennen, immer weniger zwingen, Freude an Enkeln, wenn’s gewährt ist, einverstanden werden mit dem Kleinerwerden. Und mal das Leben gerne segnen.

Auch die Zahl der Jahre ist wohl unserer Seele gut. „Das Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt achtzig Jahre und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es voll Mühe und Arbeit gewesen. Es fähret schnell dahin, als flögen wir davon (Psalm 90).

Was hat dir das Jahr gebracht? Und was du dem Jahr? Und wofür willst du noch ein nächstes? Das klingt erschreckend: noch ein Jahr. Dabei ist es doch Realität: Wir haben auf nichts ein Anrecht, jeder nächste Atemzug ist Gnade. Darum staune ich schon sehr, noch hier zu sein unter dieser Sonne auf dieser schönen Erde. Es ist doch Wunder, daß das Leben mich noch mag und nährt, ich bin doch auch nicht besser als die Vielen, die schon starben, so früh.

Hat sich bei dir was gerundet, ein Weg sich aufgetan, ist ein Abschied vollzogen, ein Anfang gemacht, hast du dich gehäutet, machst du endlich mal ein paar neue Fehler oder nur die alten? Merk ein Stück auf dich selbst. Frag einen Vertrauten nach dir, ob du was dazugelernt hast. Bist du schwieriger geworden, ungeduldiger? Wird mehr von dir verlangt?

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die andern Windmühlen. Schotte dich nicht ab, mauer nicht – du hast Freudemut und Wandellust. Säe noch ins Leben ein, zeig dein gutes Gesicht. Augenblicke höchster Freude dir und dringende Ziele.


 



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