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Traugott Giesen Kolumne 25.10.1997 aus Hamburger Morgenpost

Meine Krisen, meine Rettung

Oft sind Krisen auch Rettungen. Meist sind sie ja gefürchtet – das Unbekannte scheint bedrohlich. Krisen machen die Lage instabil, das ist gefährlich beim Autofahren, bei der Ehe, bei der Arbeit. Und doch kann eine Krise heilsam sein.

Mir hat mal eine Krankheit geholfen. Oder besser: Ich habe mir mit einer Krankheit geholfen; oder vielleicht am Zutreffendsten gesagt: Gott hat mich mittels einer Krankheit gesund gemacht: Ich dachte als junger Pastor, mit mir würde die Rettung der Welt anfangen, ich würde den ganzen Laden reformieren. Aber ich übernahm mich, wollte zuviel auf einmal, meine Seele kam nicht mehr mit – da nahm der Körper eine Auszeit (was Boris kann, steht jedem zu). – Ich war ein halbes Jahr außer Dienst, und alles ging weiter ohne mich. Ich lernte, daß das Wichtigste nicht mein Machen ist, sondern das Wichtigste geschieht von selbst wie das Rieseln des Wassers, das Atmen, das Wachsen und Reifen der Früchte. – Ich lernte zu akzeptieren; und daß ich geliebt bin auch ohne was zu leisten – ja, und so langsam kam ich mir wieder. Daß ich jetzt schon ganz schön viel Leben geschafft habe, liegt sicher auch an dieser Krise, die mir Lehre war.

„Ich kriege gleich ‘ne Krise“ – sagen die Jungen und meinen: „Ich kann nicht mehr nach hören, sofort hör auf damit.“ – Krise kommt aus dem Griechischen und meint Urteil, Richtspruch, Entscheidung. – Wohl uns, wenn wir noch entscheiden können, also auch, daß unsere Sinne durch eine Krise auf Entscheidung getrimmt werden. Daß ich endlich klar Schiff mache, endlich überlege, wovon ich mich trennen muß und was endlich ich bewege. –

Ich mußte mich von meinem überzogenen Selbstbildnis verabschieden; ich lernte zu akzeptieren, daß ich auch nur mit Wasser koche und die andern auch gut sind und ihre Arbeit tun.

Und was mußt du lernen? Deine Schwierigkeiten in der Firma, was sagen sie dir? Sollst du freundlicher werden oder klarer deine Grenzen zeigen? Was sagt das Schweigen in deiner Ehe? Solltest du Worte suchen für die verfluchte und verhätschelte Verstrickung? Oder mußt du Zuhause gestehen, daß ihr den Lebensstandard nicht mehr halten könnt, mußt die Krise deiner Entwertung zulassen – mußt die Familie in die Pflicht nehmen, daß ihr jetzt gemeinsam spart und Geld reinholt: Das alte Lied geht nicht mehr: „Der Papa wird’s schon richten, es gehört zu seinen Pflichten“ (H. Qualtinger).

Also laß die Krise zu. Sie hebt euer Leben auf ein anderes Niveau – bei allem schmerzlichen Erwachen werdet ihr wahrer und gesünder leben. Auch könnt ihr jetzt noch was entscheiden, seid nicht nur Opfer sondern auch Täter, Mitentscheidende. Das ist überhaupt das Wichtigste: Stell dich nicht als Opfer dar, du bestimmst auch die Lage, machst mit, bist Kompagnon, Partner. Bekomm ruhig die Krise. Das ist besser als immer so weiter.


 



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