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Traugott Giesen Kolumne 13.09.1997 aus Hamburger Morgenpost

Zwei Frauen lehrten uns Erbarmen

In derselben Woche starben zwei Vorbilder der Nächstenliebe, Lady Di und die albanische Greisin Mutter Teresa. Sie gaben uns zu denken. Wir halten uns Leid ja möglichst vom Leibe. Eigenes Erkranken oder Verarmen verstecken wir noch vor uns selbst, lügen uns daran vorbei solange es geht. Und Leid der andern wollen wir erst recht nicht wahrnehmen: In einem Musterprozeß erstritt ein Urlauber Rabatt mit dem Argument, Behinderte im gemeinsamen Hotel minderten ihm den Erholungswert.

Di und Teresa taten das Gegenteil. Sie suchten die Nähe zu Leidenden: Di besuchte Aids-Infizierte, umarmte sie gar; sie meinte, ihre Söhne auf Königswürden vorzubereiten, wenn sie sie auch zu Obdachlosen mitnahm. Sie genoß die Aufmerksamkeit der Welt und lenkte einen nicht geringen Teil auf Notleidende, die sie besuchte. Bei sechs mildtätigen Stiftungen hatte sie den Ehrenvorsitz inne, sie machte Millionen für Werke der Barmherzigkeit locker. Die Ächtung der Landminen könnte sich noch als die sinnvollste Beileidskundgebung der Menschheit erweisen.

Di konnte viel, sie machte auch viel anderes, was unserm Geldverdienen gleichkommt oder unserm Spaß am Glanz, nur ein paar Nummern größer. Doch wie nebenbei hat sie das Thema Nächstenliebe wieder nach vorn gebracht.

Mit Haut und Haaren bei den Armen war die schroffe, dogmatisch sehr päpstlich denkende Schwester. Verhutzelt und schnellen Schrittes, unter ihrer Nonnentracht fast versteckt, hat sie mit festen Händen Nächstenliebe in den Slums Indiens organisiert. Sie ist diesem riesigen Land ein Fanal: Jahrtausende hat man da gelassenes Ertragen geübt. Dagegen kämpfte die Christin, dies Energiebündel, für Veränderung. Entgegen der hohen Schule des Duldens riß sie die zum Verhungern verurteilten (meist weiblichen) Babys ins Leben, baute Heime, vermittelte Patenschaften, stärkte die Mütter.

Für die Menschheit sind beide Frauen ein Segen gewesen – denn sie haben uns unsere Verwandtschaft miteinander aufgedeckt, haben uns das Mitfühlen wieder nahegebracht. Sie haben die Mauern zwischen arm und reich, gesund und krank abgetragen – haben uns angesteckt mit Lust der Nächstenliebe und haben uns damit auch ein Stück Angst genommen vor Krank- oder Armwerden.

Der Leuchtfeuermensch Jesus sprach: Hoffentlich werde ich dir/euch einst sagen können: „Ich war hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben; durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen; ich war krank und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ – Vielleicht werden wir fragen: „Wann haben wir dir Gutes getan?“ Und er wird sagen: „Was ihr tatet einem dieser meiner geringsten Brüder und Schwestern, das habt ihr mir getan. Und was ihr an ihnen versäumt habt, das bliebt ihr Gott schuldig.“ Zwei Frauen lehrten uns das Mitfühlen. Ihnen Dank.


 



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