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Traugott Giesen Kolumne 23.08.1997 aus Hamburger Morgenpost

Alles hat seine Zeit. – Gut, Herr Waigel!

Das gibt Ärger, das sieht ja nach Handtuch werfen aus, das riecht nach Verzicht und Müdigkeit. Gratuliere, Herr Weigel. Sollten Sie wirklich den Mut haben, die Segel zu streichen? Einfach melden, man stehe nach der Zeit, die man versprochen habe, nicht wieder zur Verfügung, das braucht Courage – warum eigentlich?

„Leistungsträger“ heißen die Menschen, die an Brennpunkten des öffentlichen Lebens ihren Dienst versehen. Es gibt die Übereinkunft unter diesen hohen Damen und Herren, daß sie Außerordentliches leisten und unvergleichlich verantwortlich ihre Arbeit tun. Sie schlafen so gut wie nie, nur damit wir Normalmenschen unsere Ruhe haben. Rastlos und rücksichtslos gegen sich selbst sind sie pausenlos am Entscheidungen treffen. So einer hat auf Posten zu bleiben, bis der Herr ihn abruft, wer immer diese letzte Instanz auch sein mag. – Das gehört zum staatstragenden Image derer, die in Regierung und Wirtschaft die Fäden ziehen.

Und wir schlichtes Volk wünschen uns auch die Patriarchen und Leitenden Mütter ganz oben. Die sollen das Nötige veranlassen, während wir uns unserer Arbeit und unserm Vergnügen widmen.

Und da sagt der Finanzminister, bis in zwei Jahren hätte er in diesem Amt genug getan, weil ja die 10 Jahre in diesem Amt siebenfach zählen, wie Hundejahre. –

Das ist gegen den Strich der Regierungsraison. Da muß man so tun, als wäre das Fach ein Gesundbrunnen und das Leiten reine Freude. Den alten Leitspruch der so treuen Diakonissen hätte der Kanzler sicher auch von Weigel gehört: „Mein Lohn ist, daß ich dienen darf.“ – Aber die Säule der Koalition deutet an, er wolle es künftig leichter haben.

Richtig so. Er hat doch gute Arbeit geleistet, im Rahmen seiner Kräfte. Er hat genug Schmäh eingesteckt und Häme ausgeteilt. Er hat anscheinend Einsicht in seine Grenzen, und möchte auch noch was anderes tun.

Viele können nicht wählen, sie müssen in der Fron bleiben, die gerade genügend für die Familie abwirft. Aber je mehr Hochdotierte und Gerühmte auf den ganzen Haufen Verpflichtung und Ehre verzichten können, desto eher ist uns Berufswechsel nicht Schande und Abschied, nicht Verrat.

Sicher ist Waigels Ausstieg auch für andere Anlaß zu bedenken, ob sie es weiter so wollen. Und du kannst doch auch noch ganz anders. Wann läßt du die Jungen ran; wann wagst du auf die Routine zu pfeifen; wann erprobst du dich noch einmal anders?

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – diese vielversprechende Fanfare des Neubeginns blase auch dir zur richtigen Zeit. So viel ist noch nicht probiert und erfahren von dir, so viel hast du noch nicht zugelassen. Es steckt noch ganz anderes in dir und mir. Im Alten können wir nicht besser werden – oder doch?

Hinweis: Am Sonntag 07. September 1997 um 10:00 Uhr Leifübertragung des Rundfunkgottesdienstes aus St. Severin über NDR4 und WDR5


 



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