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Traugott Giesen Kolumne 01.03.1997 Hamburger Morgenpost

Steine, Bäume, Tiere und ich

Steine in deiner Hand - schon lange her? Dann geh mal wieder los in eine Gegend, wo sie liegen, so fest und stumm und schimmernd; flach, daß sie gut übers Wasser ditschen können oder abgeschliffen zu Handschmeichlern - in deiner Hosentasche nehmen sie schnell die Wärme deines Körpers an. Oder sie sind aus Felsen gebrochen, verletzend scharf die Kanten, aber die vielen silbernen Einschlüsse glimmern verlockend. Du witterst Beute, sammelst, wägst, wählst, verwirfst, behältst. -

Und Bäume - wann hast du mal einen umfangen, deine Nase in die Rinde gesteckt, von unten in die Gipfelhöhe geäugt und die Wolken ziehen sehen, knapp über deinem Baum. Und einen frischen Stumpf siehst du auch, liest die Jahresringe, zählst sein Alter, vergleichst mit dir, erwägst, wie lange du noch Zeit hast, vielleicht. Und magst wieder einen Baum pflanzen - hast du einen, deinen Baum? Pate für ein Wäldchen werden, das gedeihen soll mit deiner Obhut, das wär' doch was.

Und Tiere - hast du Hund oder Katze, haben Hund oder Katze dich zum Gefährten. - Hattest du mal einen Genossen und willst wieder einen haben, irgendwann? Ein Hund soll den Blutdruck senken, überhaupt ist er ein Gegenüber, eine Tierpersönlichkeit von hohen Graden, und macht aus dir noch einen beziehungsfähigen Menschen. Was wir den Tieren verdanken, ist unbeschreiblich - nicht nur Nahrung und Daunen, Wolle und Leder sondern Seelsorge; Gott ist auch die Seele der Tiere. Kein Zweifel; sie werden in den Himmel kommen zuallererst, oder es gibt keinen.

Bück' dich mal wieder für Steine oder Muscheln, erlebe Wald, sieh' mal wieder einer Kuh in die Augen - es sollen die schönsten überhaupt sein. Oder lausch dem Zwitschern und Tirili der Vögel - jauchzen sie nicht, den Winter überstanden zu haben? Und unterdessen haben sie das Fliegen nicht verlernt, trotz aller Luftlöcher, und die Lust am Paaren auch nicht.

Die Natur ist ein Versprechen, daß Leben kein Irrtum ist. Auch du machst in dir wieder Ordnung, wenn du dich eine Zeit lang dem Rauschen der Bäume überlassen hast.

Wieder mal eine Landschaft lesen können - auch erschrecken, wie weit sie schon von Verkehr und Bebauung zerstört ist, aber auch bestaunen das Gewebe aus Wiesen und Äckern, Gesträuch und Wald - das jahrhundertelang Gewordensein aus Natur und Arbeit. -

"Wir sind ein Schilfrohr, aber ein denkendes" hat Pasqual gesagt, mit dem Auftrag, gut und böse zu unterscheiden. Castortransporte, Tierklonen und BSE sind Alarmzeichen, daß unser ausbeutender Umgang mit der Schöpfung uns jetzt wachsam und bescheiden machen muß. Suchen wir wieder Natur auf, wo sie uns die Wahrheit über uns sagt. Wir hören dann: Blieb' im Maß, Mensch.


 



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