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Kolumne 05. November 2005 - <br>Die Jungen ranlassen

Traugott Giesen Kolumne 05.11.2005 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Die Jungen ranlassen

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Da rasselte es mächtig im Karton der Partei. Und ruck, zuck findet ein Wachwechsel statt. Die nächste Generation zieht in die Stellungen ein, die durch einen Knall frei wurden. Einer wird entthront, da fällt der ganze Vorstand. Und in drei Tagen steht die neue Garde. Das zeigt, wie es Zeit war. Man hatte sich immer schon vorgenommen, die Jungen sollen mit ran, aber gemach, gemach. Immer noch gibt es zuviel verdiente Männer und Frauen, denen längst ein hohes Amt zusteht - so die treue Denkschablone. Der Übergang soll doch fließend sein.

Nun ist er mit einem Ruck getan. Und auch die andern Parteien werden munter, werden die nächsten freien Posten Jüngeren geben. Vielleicht wird es einen Sog geben zur Verjüngung, einen Drive von den Alten weg, wenigstens hin zur mittleren Generation. Ein berühmter Physiker sagte eben: Die Misere des deutschen Wissenschaftsbetriebes liege darin, daß 25jährige 65jährige begeistern müßten. In den USA müssen die Jungen andere, erfolgreiche Junge überzeugen. Ja, hier führt Erfahrung das große Wort, anderswo das Wagnis. Die Katholische Kirche kürte eben einen 78jährigen zum Papst. Auch die Evangelische Kirche hält sich noch Bischöfe, die meinen, ihre Amtsgnade sei von Natur aus üppiger ausgestattet - und naßforsch bleiben sie bis 70, obwohl sie jeden Pastor spätestens mit 65 aufs Altenteil setzen und viele andere früh in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Wir müssen die Jungen eher ranlassen an die Schalthebel, müssen jedenfalls eine bessere Mischung von Erfahrung und Wagnis organisieren. Die Jungen sind mit den modernen Techniken großgeworden. Sie sind die Einheimischen in Internet und Handytechnik. Die ältere Generation ist der Einwanderer in die Moderne. Und wir werden immer fremdeln bei SMS und DVD und den kommenden noch schnelleren Systemen. Die Technik aber prägt das Denken mit. Schreibt jemand sein Buch, seine Rede, seine Predigt nur mit dem Füllhalter, wird er lange nicht druckfertig sein, wird sein Wort nicht wie selbstverständlich ins Netz stellen, wird nicht zur Diskussion auffordern, sperrt sich aus der öffentlichen Diskussion aus.

Dafür haben sie hoffentlich andere Gaben. Können zuhören, lassen Zeit, lassen neben sich andere groß werden, freuen sich an deren Erfolgen. Ja, das wäre schön, wenn die Jungen und die Alten einander ergänzen würden. Nicht, daß die einen ungeduldig drängen und die andern die Pfründen besetzt halten, sondern daß sie an gemeinsame Projekte gehen. Und jeder bringt seine Gaben ein. Das Unverhoffte werden sie erlangen, weil sie hoffen und kämpfen gemäß der Schuldigkeit, aber eine Reihe Irrwege werden sie meiden, weil sie das Ende schon wissen. Man muß doch neue Fehler machen, bitte, und nicht immer wieder dieselben. Das ist die Chance, wenn die Jungen die Alten noch teilnehmen lassen. Und die Alten nicht mehr belehren. Geben wir einander nicht auf, sondern geben einander Halt.

Pastor Giesen ist zu erreichen unter: [email protected]


 



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