L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
0955282
Kolumne 13. März 2004 - <br>Erst stirbt das Haus, bald ist Gott weggezogen

Traugott Giesen Kolumne 13.03.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Erst stirbt das Haus, bald ist Gott weggezogen

Kolumne

von Traugott Giesen

Jede dritte Kirche in Deutschland ist zu viel. Sie wird zu wenig gebraucht. Menschen, die sie einst füllten, sind gestorben oder weggezogen oder haben sich anders besonnen, denken sich Gott anders. Die Gottesdienste waren zuletzt nur gespensterleer.

Lang siecht eine Gemeinde dahin, bis zuletzt die Auszehrung offensichtlich ist. Die Letzten kamen nur wegen des Pastors noch. Inzwischen tagten Gremien und Vorstände, Mitarbeitern wurden Stunden genommen. Dann ist das Ende da. Und die übrig gebliebenen Christen im Bezirk feiern ein Abschiedsfest und ziehen in einer kleinen Prozession zur Nachbarkirche. Dort hat man Brunch vorbereitet und heißt die Neuen herzlich willkommen. Das Sterben der einen Kirche sichert das Überleben der Nachbarkirche.

Aber weh tut eine Entwidmung von Kirche allemal. Es ist ein "die Segelstreichen", ein Rückzug, ein Aufgeben mit Wehmut. In einer Generation ist die Gemeinde auf die Hälfte geschrumpft, oder nur noch ein Drittel der Bewohner bezeichnen sich als evangelisch. Es sind die Bäcker und Metzger, die Gemüseläden und Friseure verloren gegangen, die Kneipen und Läden, wo man noch mit Namen begrüßt wurde. Die Familien, die es sich leisten konnten, sind ins Grüne gezogen, Menschen anderer Herkunft und Religion sind hergezogen, machen neue Läden auf. Die Kirchen sind soziale Lazarette geworden, die Gottesdienste verloren ihre Anhänger, viel mehr Sozialarbeiter als Priester müssen die Pastoren, Pastorinnen sein, dazu braucht es keine Orgel mehr und keine Kanzel, keine Predigten, kein Glockengeläut.

Aber seelsorgende Menschen braucht es um so mehr und Menschen verknüpfende priesterliche Mütter, die Gemeinde neu bauen. Wie die Alten und die allein stehenden Mütter mit ihren Kindern und die Jugendlichen ohne Hirten, die Arbeitlosen und die in Einsamkeit Verwahrlosten - wie sie retten? Viel mehr Kirche ist nötig. Auch wenn manche Kirchenkästen überflüssig geworden sind.

Aber Kirchen sprengt man nicht. Es sträubt sich alles, des schnöden Geldes willen, den Ort einzureißen, an dem mal viel Gemeinschaft lebte. Auch liegt es ja nahe zu denken: Erst stirbt das Haus, dann stirbt der Glaube; ist kein Pastor, keine Pastorin mehr da, ist bald Gott auch weggezogen oder ist nur unter dem fremden Namen "Allah" zu erreichen.

Vielleicht zeugt es nicht für eine große Seele, wenn Christen eher ihre überflüssig gewordene Kirche abreißen, als dass sie Moschee wird. Eigentlich ist der Islam kein missionarischer Konkurrent bei uns - es ist im Sinne der Nächstenliebe und Gottesdemut, andern Gläubigen bei der Suche nach Quartier behilflich zu sein. Aber gäben wir eine traditionsreiche Kirche ab, kann es wie eine Niederlage aussehen. Manche Kirche, die zum Verkauf steht, findet eine Bürgerinitiative, die das Stück Heimat retten will, jetzt wo es so bedroht ist. Was fehlt, merkt man erst, wenn es weg ist. Geht's nicht auch anders? Geh Sonntag zur Kirche; mach, dass sie bleibt.


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2024 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...  

 
Online 3