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Kolumne 20. Dezember 2003 - <br>Freude haben am Schenken und Beschenktwerden

Traugott Giesen Kolumne 20.12.2003 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Freude haben am Schenken und Beschenktwerden

von Traugott Giesen

"Vieles wüsste ich, hätte man es mir nicht erklärt" (St. Lec). So ist es sicher mit der Liebe und dem Tod. Lauter Tatsachenwissen verschüttet den Sinn. Wer Kunst studiert hat, malt nicht mehr, wer Religionswissenschaft gelernt hat, weiß Gebete aus allen Himmelsrichtungen, aber ob er noch betet, steht auf einem andern Blatt.

Man sollte Weihnachten nicht erklären. Helfen sollte man, dass die eigenen Kinder oder Enkel ein Krippenspiel mit aufführen, und selber sollte man einem Weihnachtsoratorium lauschen - da wird der Jesus Christus, der beste Dolmetscher Gottes, wieder neu geboren. Im Leuchten der Kinder betritt Gott immer wieder die Erde, vollkommene Musik schmückt unsere Seele zum Lichthaus. Es gibt viele Gründe, den Menschen schlecht zu reden, doch das Fest der Feste erhebt den Menschen zum Sohn, zur Tochter Gottes. Menschenwürde wurzelt tief in diesem Krippenkind, ob wir seine Geburt feiern oder uns "gar nicht drum kümmern". (Ein Tipp für Nichtkirchensteuerzahler: Sponsert ein Krippenspiel, bezuschusst Kirche wenigstens als kulturelles Ereignis.)

Bei uns ist Weihnachten das prägendste Fest, es ist eins der drei, vier grundlegenden Menschheitsfeste überhaupt. Unermesslich aufgefaltet ist die Geschichte von der Geburt des göttlichen Menschen: Man kann die ganze Kirchengeschichte als Folge des Lebens Jesu sehen und kann die Menschheitsgeschichte als Ringen sehen um Frieden, Liebe und Verzicht auf Privilegien - wie Jesus das wunderbar vorgelebt hat. Die Szene der Madonna mit Kind, die heiligen Familie in ihrer Armut und ihrer Herrlichkeit hat stilbildend in der Kunst gewirkt wie kein anderes Motiv. Auch unser Herr bekam Geschenke. Die Gaben der Sterndeuter: Gold, Weihrauch und Myrrhe begründeten den Brauch, Weihnachten die Lieben zu beschenken, vor allem die Kinder. Und die Armen. Die Spendenbereitschaft zur Weihnachtszeit - verrückt, wer darüber spottet, bewahrt ein Wissen von der Unanständigkeit eigenen Prassens im Angesicht des Hungers.

Und die Lichterfülle, die Schmückungen, das stilisierte Einpacken und Schönmachen ist ja Sternenglanz, auf die Erde geholt und für alle erschwinglich gemacht. Das Besorgen von Geschenken lasst uns nicht abtun als Tand. Lasst uns doch Freude haben am Schenken und Beschenktwerden. Fantasie ist eine Schwester der Liebe und nichts zu schenken ist zuallererst Armut im Geist.

Am besten übersetzt man die Geburt Christi ins Eigene, indem man selbst ein Stück Frieden macht. Gut ist zu überlegen, welchen Streit man über Weihnachten mitschleppt und frisch hält. Was an dir ist, leg den Streit bei, versöhn dich, und lad ein zum gemeinsamen Mahl. All die Kränkungen zwischen Eltern und Kindern schreien doch nach Erlösung. Vielleicht war einer mehr schuld, aber der andere, das Opfer wird doch zum Mit-Täter durch Ausschlagen der bittenden Hand. Brich das Schweigen, ruf an, lad ein und du machst, dass Weihnachten wird.


 



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