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Traugott Giesen Kolumne 31.08.2002 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Trotz allem Mut zur Ehe

Auch wenn im Schnitt die Ehen nur zwölf Jahre halten, ist das Ziel: "Bis dass der Tod uns scheidet" begehrenswert - wenn auch nicht für jede Frau, nicht für jedermann. Gut, dass wir auch ohne Ehe vollwertig sind. Und auch auf den Bindungen liegt Segen, die währen, "solange es gut geht".

Es gibt Menschen, die sich für eine, einen zu schade finden; viele auch, die sich einer, einem nicht zumuten wollen. Es gibt Stromer, es gibt freie Frauen. Jesus liebte einen großen Freundes- und Freundinnenkreis. Paulus hatte keine Zeit für die Ehe. Und überhaupt: Der Volksmund, der sang immer schon: "Und der eine liebt die Einz'ge, die der Himmel ihm beschert. Und die Andre all die kleinen Lümmelchen, die es gibt auf der Welt."

Keine Frage, Ehe und eheähnliche Gemeinschaft ist die anspruchsvollste Verbindung, die Menschen eingehen können. Zwei verbünden sich, immer wieder einig werden zu wollen. Sie wollen ein Konto, eine Wohnung, einen Urlaub, gemeinsame Kinder oder nicht, eine Ehre, vielleicht auch einen Namen, gemeinsame Freude, geteiltes Leid. Sie wollen für einander einstehen, sich gut sein von der Haut bis in die Seele. Sie wollen auch miteinander tragen, was jeder nur für sich begeht. Sie wollen eine gemeinsame Wahrheit, zu der auch das Beschwiegene gehört.

Ehe ist das Projekt, mit diesem Menschen alt zu werden. Ob es gelingt, das erweist sich am Ende. Ehe ist kein Hafen, Ehe ist der einzigartige Weg dieses einzigartigen Paares durchs Leben, mit den Höhen der Freude und den Tiefen der Enttäuschung, mit den Durststrecken und den Festen, mit Streit und Versöhnen, Schweigen und Reden, Klagen und Tanzen. Immer wieder diesen Menschen aufrichten, ihn entschuldigen, Gutes von ihm denken und ihm das Ungeziefer von der Seele kehren. Immer wieder ein Stück Unterwerfung leisten, eben nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern das Einverständnis suchen, die gemeinsame Waage für die Interessen bauen; Kompromisse erarbeiten, die beiden gerecht werden, die also keinen verkürzen und lähmen.

"Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner ist, der ihm was tut", so W. Busch, ziemlich resignierend, und doch auch die Würde des Singles bezeichnend. Er ist notgedrungen oder aus freien Stücken bereit, seinen Ärger allein zu bestehen; er will lieber seinen Kopf an die Wand dötschen als seinen Nächsten niedermachen; will auf keinen warten, keinen warten lassen, will frei sein für die Angebote des Tages und der Nacht. Und will mal auf eigenwillige Weise skurril werden, ohne den sanften Wahn des andern sich zu Eigen machen zu müssen.

Ehe ist nur möglich, wenn man sich, dem Einen zugefügt und anvertraut, weiß von guten Mächten; und der umgekehrt genau so. Dann habt aber auch Mut zur Ehe, zielt auf Immer und Ewig. Doch jede Liebe, eine zärtlichere Wiederholung deiner selbst, ist Gnade, Wunder, Köstliches, ist, ob kurz oder lang, Himmelsgeschenk und Hauch von ewigem Leben.


 



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