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Traugott Giesen Kolumne 03.08.2002 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Familientreffen - doch ganz schön

Die Eltern hatten sich noch regelmäßig zu Festen in der Familie getroffen, jedenfalls von der einen Seite. Es waren große Ereignisse; schwierig wenn Konfirmationen kurz hintereinander anstanden, man wollte keinen verletzen; also wurden sie möglichst zusammengelegt, zur Not loste man aus. Übernachtet wurde irgendwie, alle legten Hand mit an, es war ein freundliches Palavern über ganze Tage in wechselnden Gruppierungen, mit Kaffeetafeln und gediegenen Mählern. Die Kinder wurden von einer pädagogisch begabten Tante zu Scharaden und allerhand Mummenschanz angehalten, ein Onkel erlaubte erstes Steuern des schnellen Autos. Die es am weitesten gebracht hatten, führten das große Wort, Jux gab es oft auf Kosten der ledig gebliebenen Schwester. Und immer wieder Dönchen aus der ziemlich glücklichen Kindheit; die schon verblichenen Großeltern ließ man im Himmel hochleben.

Spannend die Rangfolge, die unterschwelligen Sympathien und Animositäten zu den angeheirateten Schwägerinnen und Schwagern etwa. Vettern und Cousinen genossen sich als erste berührbare Interessante, man lernte von einander das Küssen und Rauchen. Wir junges Volk machten unsere Studien, genossen auch die Fürsorge der einfühlsamen Patin, die uns im erstem Liebeskummer beriet. Manch Mitgebrachter bestand die Feuerprobe nicht, andere Lieben zerbrachen unter aller Augen. Später wurden Hochzeiten, dann Beerdigungen die Anlässe für die weniger werdenden Treffen, die dann ganz versiegten.

Im Gedächtnis bleibt die ehemals kraftvolle Sippe, wie sie an einander teilnahmen, sich halfen, dämpften und ermutigten. Jetzt ist man selbst großelterlich, freut sich am Gedeihen der Brut. Und schaut zurück, wo sind sie geblieben, die Vettern und Cousinen, von denen man nur in Halbsätzen hörte dann und wann. Dann legte einer Hand an und rief und macht sich die Mühe, sie alle noch mal und wieder zusammen zu holen. Das wird ein Tag!

Schon sind einige der eigenen Generation gestorben, Ehen sind gelungen oder hielten nur auf Zeit. Beruflich um die Welt Gereiste planen die Heimkehr, aber wohin? Ob man sich noch wieder erkennt? Man soll ein Foto mitbringen, das unsere je gewonnenen Sprösslinge mit vorzeigt, das Bild wird dann in den Herkunftsbaum der Sippe einmontiert - mal gucken, ob Verwandtschaft noch festzustellen ist.

Geschwister sind noch mal eine Sache für sich, da bleiben immer Fäden, und wenn sie abreißen, klebt Schuld daran. Aber Verwandte können auch Fremde sein, vielleicht hat man über die erste Begrüßung hinaus sich wenig zu sagen; man muss auch nicht für einander haften. Um so spannender ein Wiedersehen, vielleicht springt ein Funke, ein Schmelz kann sich finden; vielleicht entsteht Vertrautheit fürs Gegenwärtige; sicher kann man sich trösten, empfängt neuen Schwung. Mal schauen, ob man Freunde wird; von denen hat man ja immer zu wenig.


 



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