L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
0734372

Traugott Giesen Kolumne 02.03.2002 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Vom Enden der Täuschung

Wir brauchen mehr Vertrauen und mehr Wissen, dass auch alles anders kommen kann. Beides brauchen wir: Zutrauen und Misstrauen, Sich-verlassen-können und Achtsamkeit.

Gut: ein tiefes Lieben zweifelt nicht; "Die Liebe höret nimmer auf" ist zwar vom Überirdischen gesagt, aber ein, zwei Menschen muß man haben, an die ich keinen Zweifel ranlasse. Ich weiß mich mit meinem Lieben auf der richtigen Seite; fast egal, was der andere tut. Mein Vertrauen macht den Geliebten schön. Er kann sich irren, aber mich nicht enttäuschen. Ich liebe ihn auch mit seinem Schatten, ich halte ihm mein Vertrauen zugut, was er auch tut. "Die Liebe deckt zu", sagt die Bibel.

Aber Alltagsbeziehungen sind ein anderes Ding. Da muß das Wort bare Münze sein. Da ist Verlass aufeinander, oder es gibt kein zweites Geschäft. Da wird schnell bestraft; neigt sich die Bonität, fordert die Bank mehr Zinsen. So einfach, so klar ist das. Und wenn ein Chef sein Wort nicht hält? Wollte er nicht deine Beförderung vorschlagen und hat mit diesem Versprechen von dir im letzten halben Jahr viel unbezahlte Arbeit geschenkt genommen? Und wenn das gebrauchte Auto doch nicht so top ist, wie dein Freund sagte? Und dein Hauswirt die größere Wohnung doch anderen weitergab? Und die Clique wollte auf Fahrt, aber zuletzt hatten mehrere was anderes vor, nur du hast dir alles freigeschaufelt, und jetzt bist du gekniffen? Und du hast ihm dein Geheimnis verraten, aber er hielt sich bedeckt, ist weiter der Rechtschaffene? Hätte man nicht alles wissen müssen? "Wer sich im anderen irrt, hat das größere Unrecht", sagt Christa Wolf. Gemeint ist wohl, dass wir Raum uns lassen sollen für eine Spanne Irrtum und Rausreden. Wir haben alle nicht die Kraft, so gut zu sein, wie wir's gern wären. Auch sind die Umstände schnell anders und die Karten neu gemischt. Behafte andere nicht zu sehr auf ihren Versprechungen, sie galten dir von damals, jetzt bist du ein anderer und der dir was versprach, ist auch gereift oder geschrumpft oder neuerdings anders gepolt. Man steigt niemals in denselben Fluß.

"Hoffe das Beste und fürchte das Schlimmste", ist wohl das Wissen der Menschenkenner. Es ist klug, Vertrauen anzubieten, fast ins Blaue - es verpflichtet enorm, die Auto- oder Hausschlüssel der auf Reisen Gehenden zu bekommen. Hütet man das Fremde nicht genauer als das Eigene? Es ist geschickt, gute Ideen an den Tag zu legen, bevor man Garantien hat. Lieber vertrauen und sich eines schlechteren belehren lassen als ständig auf der Hut zu sein, und darum auch selbst gar nicht vertrauenswürdig zu erscheinen, was wiederum dem andern die Stachelhaare des Argwohns sprießen lässt.

Wie oft bist du denn schon ernstlich enttäuscht worden? Swift sagt, er sei für eine Million Enttäuschungen geboren. Wie viel Versprechen wurden dir gebrochen? Und wie viel von dir? Sei barmherzig mit denen, die viel versprechen, - sprich sie frei, zeig ihnen dein lächelndes Gesicht und mach Deins.


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2021 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...  

 
Online 7