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Traugott Giesen Kolumne 16.12.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Sich beschenken lassen ist auch Liebe

Gut, sich um das richtige Geschenke zu mühen. Nur schmerzlich, wenn Kinder der Mutter einen Pralinenkasten schenken, dem Vater die wievielte Nackenrolle. Leicht daneben auch, wenn Eltern und Grosseltern zusammenlegen, um ihrem Liebling die Video-Konsole zum Preis eines Gebrauchtwagens zu finanzieren.
Sich einfühlen, was dem andern gut tut, ist eine Form der Liebe. Doch hat man denn so viel davon? Was wären wir ohne die Vorschläge der Schaufenster und der Hochglanzwerbung. Da zerbrechen sich kreative Menschen für uns den Kopf, zeigen uns, was sie gern bekämen, gern verschenkten. Und es muss uns doch gesagt werden, was unser Bedarf ist, ehe wir dessen bedürfen. Was brauchen wir denn unzweifelbar? Was ist denn nicht vierte, fünfte Variante der Vase, des Schlipses, des Morgenmantels. Gar nichts einander schenken, wäre das nicht das Einfachste?
Nichts schenken ist einfach nur phantasielos, erklärt den Bankrott. Wir brauchen das Ungeahnte, das Schöne, das Abenteuer, das Offenbarende. Wir brauchen, was uns staunen macht, vielleicht uns Selbsterkenntnis öffnet. Ein Gedicht, von eigener Hand aufgemalt, könnte eine neue Welt aufschliessen, eine Keramik aus dem letzten Urlaubsland brächte das Glück zurück, die Abdrücke von Hand und Fuss des Enkels können weinen machen.
Es muss nicht viel kosten. Aber merken sollte man�s schon. Es ist wohl, wie Musil es sagt: �Wir vorsichtigen Sparer bestehen im wachen Zustand meistens aus Hingabe und Zurücknahme; wir nehmen teil, und bewahren uns dabei. Aber im Traum ahnen wir zitternd, wie herrlich eine Welt ist, die ganz aus Verschwendung besteht.� Doch. Wir können auch rauschhaft grosszügig sein, es hat mit unserm Bild von Gott zu tun: Die Welt in ihrer Üppigkeit sehen als Geschenk, und du darfst mit deiner kleinen Kraft den Garten Eden mitbestellen, geniessen und ausmalen und schmücken. Ganz tief innen sind wir kleine Mitschöpfer, und beschenken gern, machen leuchtende Augen und sind gern bedankt. Darum sind Weihnachten mit Kindern höchstes Glück. Sie lassen sich sorglos beschenken, sie können die Überraschung gar nicht abwarten. Bei Kindern kann man noch zaubern, noch gross sein. Später wird das schwieriger. Wir mit allen Wassern Gewaschene sind oft zur Hingabe zu müde.
Und wir tun uns schwer, Hingabe uns gefallen zu lassen. Berechnen wir insgeheim schon die Wiedergutmachung? �Sag Dankeschön� klebt als elterlicher Befehl an jedem Geschenk, wie ja auch in der Bibel steht: �Geben ist seliger als nehmen.� Doch vielleicht musst du das Annehmen lernen. Lass dich beschenken, gib dich hin dem, der dir Freude macht. Letztlich ist alles Gnade � auch dein Leisten und Machen und Schenkenkönnen. Du bist so gern aktiv. Im Geben fühlst du deine Kraft am meisten (darum tun die sich selbst auch Gutes, die �Brot für die Welt� abgeben � getreu dem Satz von Joseph Beuys: �Ich ernähre mich durch Kraftvergeudung�). Aber jetzt empfang auch, lass dich beschenken und du schmückst andere mit deinen leuchtenden Augen.
 


 




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