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Traugott Giesen Kolumne 03.06.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Katholiken, macht es gut!

Wenn ich nicht evangelisch wäre, wäre ich wohl katholisch. Es ist ja viel Erbe dabei und wenig eigene Entscheidung. Je südlicher geboren, um so wahrscheinlicher römisch-katholisch – nur weil der Retter der Reformation, Gustav-Adolf, aus Schweden, also von Norden kam.
Wir haben viel Gemeinsames. Wir haben ja die Bibel, wenn auch die körnige Luthersprache mehr zupackt als die schlichte Universal-Übersetzung. Gemeinsam haben wir die tragenden Glaubensbekenntnisse, das Vaterunser, die Ahnung einer Weltfamilie, die Auferstehungshoffnung. Gemeinsam haben wir ein ethisches Netz; die Zehn Gebote und das Gebot der Nächstenliebe halten uns in beiden Konfessionen.
Verschieden sind unsere Vorstellungen von Kirche. Einer hat mal gesagt: Für Katholiken entscheidet sich das Verhältnis zu Gott an der Haltung zur Kirche; bei den Protestanten ist es umgekehrt. Für Protestanten ist Kirche nicht so wichtig. Sie haben „ohne irdischen Zwischenhandel“ den direkten Draht, meinen sie. Gut, wenn das der Fall ist, aber wenn nicht, dann ist man als Evangelischer ziemlich allein mit seinem Gewissen. Man muss schon eine Art Begeisterung zu Jesus haben, muss aus dessen Geschichten und Worten sich ein Heimatgefühl ziehen.
Katholiken haben eine grosse heilige Familie um sich – heiliggesprochene Frauen und Männer bilden ein Team, das zur Rettung unserer Seelen im Dienst stehen soll. Diese Fürbitter bei Gott, vorneweg der Christus, bilden den Schatz der Kirche. Darum ist sie so kostbar, weil sonst das Einzelmenschlein allein dasteht in den Ängsten – die oft erst von der katholischen Erziehung geschürt sind.
Die Katholische Kirche inszeniert den Tod Christi in der Eucharistie jeweils neu und bringt das Opfer des Sohnes dem Vater immer wieder dar. Dieser erlässt dann die Sünden um der Liebe Christi willen. Bei uns Evangelischen versöhnt Gott die Welt mit sich selbst. Gott bittet uns, seiner Liebe zu vertrauen. Jesus dolmetscht die Wirklichkeit als gottdurchwirkt. Wir sind von guten Mächten wunderbar geborgen; und sind Mitarbeitende Gottes und oft genug auch seine Gegenspieler, die ihre Bekehrung erst noch vor sich haben, spätestens durch den Tod.
Für Protestanten ist Kirche das Gefäss der Glaubensschätze, die weit darüber und auch jenseits davon sprudeln. Auch das Abendmahl ist eher Mahl der Freunde Jesu, ist Energie für den Alltag, auch Pfand für Vergebung: In der Gemeinde erbaut sich der Leib Christi immer wieder, wir werden einander Brot und Wein.
Die Evangelische Kirche hat viele Meinungen und Grüppchen und Kirchlein in sich. Das ist Reichtum und Schwäche zugleich. Die römisch-katholische Kirche hat andere Defizite: Die Diktatur des Zölibats, die Männerdominanz, die Missachtung des persönlichen Gewissens – sagte doch eben ein Kardinal: Wer weiter Schwangerschaftsberatung mit offener Entscheidung wolle, der habe ein objektiv falsches Gewissen! Ja, mit Bruder Papst als unfehlbarer Lehrautorität ist das schlüssig. Aber ein Mensch als Hort der Wahrheit – das geht nicht, das ist zuviel der Ehre, sagt da der Protestant. Und bestaunt schon mal die prächtig inszenierten Hochämter aber freut sich doch an freisprechenden, fröhlichen Gottesdiensten, wenn sie denn gelingen. Doch die Kirchentage beider Konfessionen ähneln sich, sie sind schon fast Familientreffen.
 


 



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