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Traugott Giesen Kolumne 15.04.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Schweigen und Reden hat seine Zeit

Gut, sich auszusprechen. Stärkend ist es, sich loswerden zu können beim geliebten Menschen. Lebensmittel ist das Reden unter Freunden. Und Eheleute sollten sich Lebensgesprächspartner sein. �In Freude und Leid nicht verlassen� heisst auch, durchzuhalten mit allem Wissen inklusive; wenn man auch nur fragen sollte, was man muss. Liebe deckt auch zu.
Wir leben ja in wachsenden Ringen. Je näher man sich steht, um so grösser ist die Teilmenge des Gemeinsamen. Kostbar ist das gemeinsam gehütete Geheimnis, tragbar die gemeinsame Schuld, beglückend die Projekte, zu denen sich zwei wechselseitig erheben. Übereinstimmen nimmt Selbstzweifel. Meinung austauschen öffnet Welten. Miteinander reden ist einen Weg gehen.
�Kommt, reden wir zusammen, wer redet ist nicht tot, es züngeln doch die Flammen schon sehr um unsere Not� (Gottfried Benn). Wenn du einen hast zum Reden, bist du nicht verloren. Wenn du keinen zum Reden hast, lässt du auch welche hängen. Ich kenne einen Lebenskünstler, weit über achtzig, der noch Purzelbäume schlägt und mit dem 35-Mark-Ticket Deutschland rauf und runterfährt und er redet, flirtet, erzählt sich durch die Tage. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber lieber ein gutes Adressbuch führen, als dass einem der Mund zuwächst. �Es ist die Notwendigkeit der Seele, sich nach aussen zu stülpen� (Fernando Pessoa). Zu vielen wurde der Mund verboten. Aber das Selbst-zur-Sprache-kommen kann man immer noch lernen.
Es beschädigt, mit denen zu diskutieren, die nur auf Bestätigung ihrer Vorbehalte lauern oder die eines andern masters voice sind. Die geben nichts von sich ab sondern bringen zur Strecke. Auch wenn zwei, die sich lieben, hassen, dann hören sie nicht, sondern verhören einander; statt Zwiesprache herrscht Zwietracht.
Oft ist Schweigen die Rettung. Aber Schweigen kann auch unheilschwanger sein, teilnahmslos, kann Leere sein aus Mangel an richtigen Worten. Dann war er nicht weise, er war nur müde. Beglückend ist ein Schweigen tiefer Teilnahme. Wenn die Lehrerin doch noch in der Pause den langwierigen Bericht über die kranke Katze anhört, rettet diese Geduld am Ende die Welt.
Reden ist Aktivsein, Machen, Vereinnahmen, ein Weghauen von Geheimnis. � Zuhören nimmt auf, lässt sich beeindrucken. Beichten erleichtert, weil es den Andern beschwert. Auch Verstummen muss mal sein, wo jeder mit seinem Fühlen und Denken allein ist, und das Unberühren ausgehalten wird.
Alles hat seine Zeit. Manches muss rausgeschrien sein, um nicht zu ersticken. Anderes soll in eigener Brust verwahrt bleiben, weil es sonst ein falsches Gewicht bekommt. Ein Wort, geredet zur rechten Zeit, ist wie ein goldener Apfel auf silbernen Schalen (Sprüche 25, 11).
 


 




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