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12.03.2001

Traugott Giesen Kolumne 25.03.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Unlust braucht der Mensch zuweilen

Von allen Seiten wird einem schlechtes Gewissen verabreicht, wenn man einfach nur da ist. Als müsse man ständig sich rentieren, so in Eile scheinen viele. Faules Leben ist geächtet. Die Traumbilder der Werbung für Lottomillionäre zeigen immer nur flotte Täter und Macherinnen, irgendwie in Fahrt, in Aktion, zumindest mit Fitness oder Flirten beschäftigt.
Früh bekamen wir zu hören: „Häng nicht rum, tu was.“ Nachdenklicher gemahnt: „Es ist später als du denkst!“ Und Endzeit scheint eingeläutet mit dem Bibelwort: „Kauft die Zeit aus, es ist teure Zeit.“
Dabei ist einfach mal nur da sein, schlicht einfach nur vorhanden sein, auch gut. „Sehet, die Lilien auf dem Felde“ lockt Jesus und reizt damit nicht zu botanischen Studien, sondern zum gelassenen Mitleben des Daseins, ohne sich zu zersorgen. Wenn wir Hunger haben, treibt’s uns schon an die Arbeit, wir wollen auch wirken und für andere mitsorgen. Wir stehen schon wieder auf nach einer Ruhezeit.
Oder haben wir Angst, in Stieren und Dösen zu versinken? Fürchten wir, uns risse der Triebfaden? Menschen an der Ampel stellen ungern den Motor ab aus Angst, er springe gleich nicht an – und dann steht man da wie blöd und blockiert den ganzen Verkehr. Rufen wir uns beim kleinsten Durchhängen schnell zur Tagesordnung zurück, fassen irgendeine Arbeit an, oder gehen wenigstens einkaufen – nur um uns zu beweisen: Ich bin noch da, mit mir ist noch zu rechnen.
Eine Frau macht einen ganzen Monat Urlaub im Jahr von Familie, Mann und anstrengendem Zuhause. Dann lebt sie ihren Rhythmus, lässt sich fallen in grenzenlose Müdigkeit, wie sie sagt. Danach hält sie wieder das Drucktempo Zuhause durch. Jetzt will sie auch im Alltag ein Stück mehr auf ihr Tempo achten, ihre Hochs und Tiefs.
Das einzig Beständige ist der Wechsel – allein schon diese scharfe Wahrheit ist auch eine Lizenz zur Unlust. Du hast auch Phlegma – griechisch: „zähflüssiger Körpersaft“ – du darfst auch mal schwerfällig, stumpfsinnig, missmutig, träge, drög und ziellos sein. Deine Antriebsfeder wird schon wieder gespannt. Du weisst von dir: du bist ein Spezialist der Auferstehung. Du kommst pünktlich wieder bei zu Erlebnis und Begeisterung.
Lass auch Dürre bei dir zu. Felder brauchen Brache, Bäume stellen fünf Monate das Wachstum ein. Zieh dich mal aus dem Verkehr. Erblühen wirst du und wieder erfreuen. Entspannt von falschen Kompliziertheiten siehst du wieder klar. Und dringlich wirst du wieder an ein Werk gehen. Lust wird dich wieder in Gebrauch nehmen, du bekommst wieder Appetit auf Freude, verlass dich drauf.
 


 



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