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12.03.2001

Traugott Giesen Kolumne 12.02.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Fixerräume sind das Mindeste

Die rechtliche Absicherung von Drogenkonsumräumen hat der Bundesrat abgelehnt, und so sind auch die sieben Hamburger Einrichtungen wieder gefährdet (es stand in Die Welt vom 05.02.). Schon die Verschaffung einer Gelegenheit zum Drogenkonsum ist strafbar und wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet. Prozesse gegen die jetzigen Betreiber der Fixerräume sind in der Schwebe. Aber kann es angehen, daß wir die Drogenabhängigen noch mehr allein lassen als wir’s ohnehin schon tun?
Zumal es wieder die Ärmsten träfe. Die wohlhabenden Süchtigen haben Hygiene und sterile Utensilien bei sich daheim. Die armen Drücker, nach zerrissenen Verbindungen zu ihren Familien oft ohne Zuhause, sie würden sich wieder in Hauseingängen und Parkanlagen vor aller Augen das Zeug reintun. Und auf Spielplätzen möglicherweise die gebrauchten Spritzen liegenlassen.
Hamburgs Druckräume haben die Zahl der Drogentoten reduziert. Allein schon dies Ergebnis rückte ein Schließen der Räume in die Nähe von Beihilfe zum Töten. Doch die das Schließen der Druckräume fordern, argumentieren umgekehrt mit demselben Argument: Das Bereitstellen öffentlicher Räume zu hygienischem Einnehmen der verbotenen Mittel lade zu Drogengebrauch geradezu ein. Doch wer darf so reden? Eltern, die verzweifelt sind an der jahrelangen Drogenkarriere ihres Kindes können sich durchgerungen haben, keinen Pfennig, kein Trösten, kein sauberes Bett, kein Stück Brot mehr bereit zu haben sondern nur noch die verschlossene Tür. Ihnen, die gelitten haben fast bis zum eigenen Untergang, steht diese Abgrenzung zu. Aber unser Staat kann nicht Verwahrlosung bis zur völligen Entkräftung betreiben.
Öffentliche Druckräume tolerieren nichts und halten auch keine Drogen bereit. Es herrscht hier keine kuschelige Stimmung, eher ist der Vergleich mit einer Notambulanz geboten; die letzte Station vor dem Tod mit der Chance eines Notausgangs. Die Druckräume halten saubere Spritzen vor, Desinfektionsmittel, auch Waschräume und vor allem Beratung – nicht wie man an den Stoff rankommt, sondern wie man von ihm wegkommt.
Es gibt wenig Hilfe von außen. Vielleicht müssen Süchtige erst mal den Kanal voll haben, ihr Quantum hinter sich haben, um clean zu werden. Und daß sie dies Ziel erreichen, ohne hart infiziert zu sein, wenn sie es denn erreichen, dazu dienen die Druckeinrichtungen und deren menschenfreundliche Helfer.
Obwohl das Wort „Sucht“ von „siech“ stammt, nicht von suchen, sind Süchtige auch Getriebene. Sie sehnen sich nach dem von Heroin oder sonstigem Zeug ausgelösten warmen Strömen, das verbunden mit schönen Bildern ihnen das Glück bedeutet. Etwas warmes Strömen braucht jeder. Wer es ohne Droge erfährt, der danke.
 


 



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