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Traugott Giesen Kolumne 29.01.2000 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Das Ehrenwort – ein Rettungsring ohne Halt

Wenn die Stützen der Gesellschaft wanken, bekommt man richtig wieder Lust auf festen Grund für Recht und Anstand. Da kann man schon mal wieder Bibel befragen, was ein Ehrenwort denn wert sei.
Jesus sagt in der Bergpredigt: Unsern Vorfahren ist aufgegeben: „Du sollst keinen falschen Eid schwören.“ Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, noch bei eurem Haupt. Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Nehmen wir das Ehrenwort als bürgerliche, abgeschwächte Form des Schwures – heißt Jesu Maß: Sag schlicht, was du mußt. Hol dir nicht Gott zur Hilfe, um dein Wort glaubwürdiger zu machen, vergreif dich nicht an Göttlichem, um dir Wahrheitskarat zuzulegen. Nicht mal deinen Kopf kannst du verwetten, erstens, weil dir dein Leben nicht gehört, und zweitens, weil du ja nicht mal dir ein Haar hinzuschaffen kannst.
Aber wichtiger als das Verbot ist, daß Jesus uns Glaubwürdigkeit zuspricht. Du Mensch, deine Wahrheitsleuchtkraft reicht. Dein Ja ist groß, Dein Nein ist groß. Suche und riskiere selbst Vertrauen. Aus Vorschußvertrauen wird Erfahrung, im Glücksfall dann eine Geschichte von Vertrautheit.
Gern wollen wir Vertrauen absichern. Durch Schwur, durch Wort vorm Altar, durch Ehrenwort. Aber wir haben nicht mehr als eben unser Wort. Und das kann nicht mal in der wichtigsten Bindung des Lebens festlegen, was ich tun werde – sondern nur, was ich tun will. Was wir tun werden, erweist die Zeit. Wir können nur sagen, was wir tun wollen, wenn es gewährt ist; können den Horizont beschreiben, von dem wir jetzt mit ganzem Herzen wünschen, daß er gültig bleibe. Diese Bescheidenheit ist realistisch und befreiend.
Was wir nicht schaffen da, wo unsere Ohnmacht einsetzt, da können wir darauf setzen, daß Gott, das Schicksal es anders vorhat. Wir sind nur zuständig im Rahmen unserer Kräfte. Und unsere Ehre, unsere Würde sichern, das liegt nicht in unserer Macht. Ein falscher Zungenschlag – und die Lawine ist losgetreten. Wir sind eben nicht gerecht. Wir können immer nur von anderer Seite gerechtgesprochen werden. Das ist das bleibende Pfund der Reformation: „So halten wir dafür, daß wir gerecht werden ohne des Gesetzes Werke, allein aus Glaube."
„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ – das ist ein Rettungsring ohne Halt. Was kann man mehr geben als sein Wort? Aber ob das Wort wert ist, gehalten zu werden, steht dahin. Versprechen, die nicht hätten gegeben werden dürfen, sollten gebrochen werden zwecks Neuanfang. Und vergebungsbedürftig sind wir alle.
 


 



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