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12.03.2001
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Wochenspruch mit kurzer Auslegung (T.G.)

4. Advent 20.12.1998
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! Philipper 4, 4. 5

Keines Menschen Geburt hat solche Freude ausgebreitet auf der Erde wie Christi Geburt. Schließlich ist er der Mensch, dessen Lebenslauf Gott lebt. Und dem nach wir von uns auch viel halten dürfen; in uns bringt sich auch das Herz der Welt zur Geltung. So sind wir unermeßlich wichtig. Jedes neue Menschenkind ist ein neuer Entwurf der Welt. Darum wohl ist auch Freude �das gigantische Geheimnis der Christenheit� (C. S. Lewis). Also laß das Mürrische, verabschiede Griesgram, sei dir eine Freude und anderen auch.

 
Keitumer Predigten   Traugott Giesen   20.12.1998  4. Advent

Lukas 1. Der Engel kommt zu Maria. Sie läßt sich gefallen, gebraucht zu werden vom Schicksal. Das kann ein Vorbild sein für die Christus-Art: Goethe faßt diese Denk- und Lebensweise in folgende Worte: �Alles fügt sich und erfüllt sich, mußt es nur erwarten können. Und dem Werden deines Seins, Zeit und Felder reichlich gönnen�.

In diesen Tagen vor Weihnachten sind wir alle aufgeladen mit Erwartung. Gerade diese festlichen Tage müssen gelingen. � Die Familienbande spüren wir sehr deutlich. Das ganze Jahr über hat sich normale Nähe und Distanz eingespielt. Aber in diesen heiligen Tagen sollen und wollen wir besonders sein, besonders freundlich, besonders verwandtschaftlich. Manche Menschen fangen geradezu an zu leiden � sie müssen sich sehr um Haltung bemühen, sie brauchen Abstand � und fliehen dann am liebsten, um dort in der Einsamkeit aber auch wieder Nähe zu suchen, nur nicht welche, die Folgen hat.
Weihnachten ist mit Gefühlen besetzt, die aus der Kindheit stammen � und besonders wohl tun oder auch weh tun. Darum gilt vor allem, nicht zu enttäuschen. Die innigsten Tage des Jahres sind sowas wie ein Prüfstand des Gutseins � alle dienenden Berufe und die Muttersorge ist überfordert. Auch die Väter müssen sich bewähren � sie sollen ranschaffen und Fürsorge walten lassen. Die jungen Erwachsenen sind da etwas draußen vor � viele drücken sich gern weg. Ist man dann zu dritt, zu viert, entwickelt Weihnachten einen Sog, selber die heilige Familie um den eigenen Baum zu bilden. Jedenfalls sind die Tage der Vorbereitung mühsam.
Auch in der großen Politik ist Weihnachten eher Anspruch als Geschenk. � Eben die Bilder aus Bethlehem: Familie Clinton in der Geburtskirche, Frau Hillary und Tochter Chelsea bewahren Haltung. Neben den Clintons stand traurig Yassir Araffat, dem sein israelischer Kontrahent Netanjahu gerade weitere Bedingungen für etwas Truppenabzug diktiert hat. Die Fernsehbilder strahlten am Geburtsort des Erlösers keine Erlösung aus. Weder Harmonie im Kleinen � in der Familie � noch Frieden in Nahost. Da war nur Zusammenreißen; Beherrschung, nicht blank übereinander herzufallen. Und doch war da noch etwas mehr: Der Geburtsort des Christus steht für die größere Sehnsucht: Daß doch Friede werde und wir mit Erbarmen die Schwächen tragen.
Was ist denn an dem Jesus so wichtig?
Mit Jesus wird ein Menschsein offenbar, jenseits von Streß und Druck. Mit Jesus ist der Mensch geboren, der mit sich und anderen im Reinen ist. Und das ist auch die tiefere Wunschkraft, die uns zu einem harmonischen Weihnachten treibt: daß wir dem Jesus ähnlich werden, wäre gut. Und dies Ähnlichwerden mit Jesus fängt jetzt an � jetzt, da wir ruhig in St. Severin sitzen � jetzt mit gelassenem Atmen, ein Spüren ist da, ich bin gehalten, in der Schwebe gehalten.

Dies schwebende Ahnen, im Guten zu sein, kann man auch Elisabeth und Maria abgucken. Diese beiden ersten Menschen in Jesu Leben sind fein gezeichnet. Das kommt davon: die ersten Christen waren so von Jesus ergriffen, daß sie den Schatz dieses Lebens immer bei sich haben wollten. Sie erzählten sich Geschichten von ihm, seine stärkenden Sätze und seine Zwiesprache mit Gott. Sie erzählten sich auch, wie sie sich Jesu Kindheit vorstellten und die Zeit vor Jesus Geburt. Die Glücksgeschichten mit Jesus warfen auch Licht in dessen Vergangenheit zurück: Viele Frauen wären gern Mutter des Jesus geworden, viele Männer gern ein Jünger oder Johannes, der Täufer Jesu.
Was vor Jesu Geburt wohl hat gewesen sein können, das erzählte man sich in immer neuen Legenden � und die ältesten hat uns Lukas bewahrt. � Es ist der Stoff für die ewigen Bilder der Kunst, eins schöner als das andere, wie Maria von ihrem Engel die Weisung entgegennimmt und zuläßt, daß in ihr das Kind Gottes reift. Und das andere Glücksbild: Maria, schwanger, läuft ins Gebirge zu einer anderen Schwangeren � und sie haben es gut miteinander.
Menschen, die mit sich ins Reine kommen, mit sich im Reinen sind, stehen am Anfang von Jesu Lebensweg.
Maria: Wir wissen nichts von ihr persönlich. Sie ist wichtig über die Zeiten als Symbol �Christusträger�, sie wird geschildert als junge Frau, verlobt, und ist bestimmt, das Gotteskind zu tragen, zu gebären und großzuziehen mit ihrem Josef.
Die Mutter des Jesus ist uns zum Vorbild gesetzt, daß auch über uns eine Bestimmung verfügt ist. � Du sollst dein göttliches Wesen austragen, auch in dir, mit dir soll ein Einzigartiges wachsen und werden. Dein Eigenes � was ist das?
Es ist eine ganz eigenartige Farbe, ein Duft, ein Farbenspiel, ein Charaktermuster, das du zur Geltung bringen sollst, das mit dir Gestalt gewinnt.
Du magst andere beneiden, es wird dir nichts nützen: Du bist du. � Dazu eine kleine Geschichte: Frau Ingrid und ich � wir kamen gerade ziemlich gehetzt aus der Stadt, Sorgen um Gemeinde, Kinder, Enkel. � Da stehen unsere Nachbarn mittags um 14 Uhr vor ihrem Haus, wirklich aufs feinste herausgeputzt und warten � ja warten auf ihre Taxe, daß sie mit dem Sonderzug nach Kiel zum Wundergeiger und wieder zurück fahren, mit hunderten festlich gestimmter Sylter. � Sie konnten das, und ich war einen Augenblick neidisch. Aber wir hatten ein anderes Skript, ein anderes Drehbuch. �
Jeder hat seinen Engel, der sagt: Gott ist mit dir, und hat einen Auftrag für dich.
Deinen Auftrag � du mußt dich ihm nur hinhalten � dein Auftrag entwickelt dich, wenn du nur unter ihm bleibst. Das ist wohl mit dem Bild von der Jungfrauengeburt gemeint: Keine biologische Einmaligkeit soll was beweisen. Sondern gemeint ist: Gott legt in dich die Begabung und die Aufgabe. Du mußt nichts machen, du mußt nur geschehen lassen. �Mir geschehe, wie du gesagt hast� � sagt Maria zum ihrem Engel. �
Und ein weiteres Bild für das Zulassen, das aktive Sichfügen. Maria geht zu einer andern Schwangeren � Mutter des Johannes, der ja erste Leitfigur für Jesus sein wird. Die beiden Schwangeren verstehen sich gut, sie bleiben drei Monate zusammen � sie erzählen sich immer wieder ihre Träume von den kommenden Kindern. Und Elisabeth verrät Maria, ihr Kind habe in ihrem Leib einen Freudensprung getan, als Maria eintrat � und beide phantasieren, daß einer den andern schon sieht und begrüßt und mit ihm schon das gemeinsame Werk anpacken will.
Da wird nichts geschildert, was sie leisten und zwingen müssen. Wichtig ist, was sich begibt: die Sympathie füreinander � das Zueinanderbestimmtsein wahrnehmen und Früchte bringen lassen.
Was nun deine Berufung ist, die in dir Gestalt gewinnen soll? Das wird sich dir erschließen � aber dabei wisse:
Alles fügt sich und erfüllt sich, mußt es nur erwarten können. Und dem Werden deines Seins, Zeit und Felder reichlich gönnen.
Hörst du deine Bestimmung? Glaub an den Engel, der dir deinen Entwurf zum Sohn, zur Tochter vorhält.
Bitte fixier dich nicht kalt. Sieh dich bitte als bestimmt, berufen, begabt an zu einem Projekt und komm der Realisierung näher � halt dich in Wegrichtung. In dir, mit dir erfüllt sich was, das mit dem Schicksal der Welt zu tun hat.
Und auch den neben dir fixier nicht kalten Blickes, du gesteh ihm eine Berufung zu, sieh ihn auch als Kompagnon Gottes.
Und es gibt auch im Haus Gottes Unterschiede. Relative Gewinner und Verlierer, aber keine Verlorenen. Darauf bauen � Zeit und Felder dir reichlich gönnen. In dir wächst ein Teil von Gottes Willen und wird schön. Durch dich findet Schönes in die Welt, woran Zusammenhalt erlebt wird.
Und bitte glaub deinem Engel: �Du bist im Werden.� � Es ist ein Zuwachs bei dir, ein Anwachs an Erkenntnis und Geschick � du kommst klar, auch unter Tränen. � Das Tatsächliche ist berauschend � manchmal halten wir nur wenig Wirklichkeit aus � dann schlafen dürfen, ins Gebirge laufen oder was dir hilft, ins Reine zu kommen.
Dir ein gesegnetes Weihnachten. � Und setz auch drauf: Mach nicht alles vorauseilend allein; wer Hunger hat � der deckt auf. Amen.
 
 

1. Sonntag nach Weihnachten 27.12.1998
Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Johannes 1, 14
Das Wort ist mehr als nur ein Wort, es ist Sinn, Grund, Idee, Wille, das Geheimnis von allem. Das Geheimnis von allem wurde Mensch. In Jesus machte sich das Herz aller Dinge, der Grund von allem, anfaßbar. Und durchfuhr Himmel und Hölle menschlichen Lebens. Und stellte klar: Liebe ist Gott, Zusammengehören ist Leben, vor uns ist immer Zukunft, durch wieviel Nein und Versagen wir auch hindurch müssen. Wär Christus nicht geboren, wäre die Welt verloren � die Welt bekommt mit ihm das Gütesiegel: Gottes Welt, Du ein Gotteskind.

2. Sonntag nach Weihnachten 03.01.1999
Wir sahen seine Herrlichkeit als die des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1, 14 b
Der erstgeborene Sohn unter vielen Brüdern und Schwestern ist uns der Jesus Christus. Seine Herrlichkeit ist das Aufleuchten von Gnade und Liebe auf Gottes Antlitz. Seitdem ist uns das Lebendige wunderbar. Hiersein ist herrlich � unser Alltag ist durchflutet von Freudestrahlen. Wir müssen nur Jesu Haltung uns die Wahrheit sein lassen. Er war gern Kind Gottes und den Mitmenschen geschwisterlich verbunden. � Das nachzufühlen in unsern Problemen und Freuden � und wir werden es gut finden, das schöne schwere Leben; versprochen.
 


 



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