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Predigt 7. Dezembr 1997

Keitumer Predigten Traugott Giesen 07.12.1997 2. Advent

Lukas-Ev. 1, 26 - 35 Von Marias und unseren Engeln

Und der Engel Gabriel wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer jungen Frau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und sie hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Gott ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?

Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Da sprach Maria: Ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Behutsam sollten wir uns dieser Geschichte nähern. Sie hat die Würde, den Goldgrund, die Verehrung vieler Generationen bei sich. Sie spricht uns an und wir wissen - das ist Fruchtfleisch des wahren Lebens, da höre ich, insgeheim den Pulsschlag des Werdens. Engel sind intensive heilige Energien, meist sieht man sie nicht, weiß nur hinterher: ein Engel hat mich berührt. Ich weiß es daran, daß in mir es heller wird, ich selbst mir weniger unheimlich bin, mehr Güte mir zuwächst, ich weniger laste und beschwere, meiner Seele Flügel werden.

Und der Engel Gabriel wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth - Boten hat Gott die Fülle. - Das Ungewöhnliche, das uns anrührt, uns Einstrahlung und Einsicht bringt, uns sanft berührt und wegführt, uns aufbrechen läßt, zur Tat treibt oder die Hände in den Schoß legen läßt - was auch immer, - wir wissen, es ist gut. Jeder hat schon Engelskraft in sein Leben eingreifen sehen, sanft aber bestimmt, wir wußten, was wir mußten.

Engel - das beschreibt eine Erfahrung: Nicht ich bin der Macher, sondern ich werde zu etwas entwickelt, nicht ich mache mich gesund oder schön oder großmütig, sondern mir, dir wird diese Gestalt verliehen, du wirst promoviert - nach vorn bewegt, du wirst zu einem Menschen hinbekehrt, für eine Mühe bekommst du den Ruf, ein Weg wächst dir zu, ein Auftrag wird dir aufgetragen. - Ein Ruck in der eigenen Person widerfährt uns, wir erhalten eine Weisung, einen Blick, ein Wort trifft uns - wir wissen, was wir müssen. -

Es gibt eine Theorie, daß wir die Abbilder von Engeln seien, die irdischen Darstellungen himmlischer Wesen, - im Traum erscheint uns unser Vorbild, verschlüsselt, wir haben mehr Klarheit am Morgen, als wäre unser Ich, unser Engel schon mal vorweg den Weg gegangen, wir gehen dann an die Aufgaben wie am Schnürchen, - wir sehen uns dann von unserm Engel in die richtige Position geschoben. Wir gedeihen dann von innen her angetrieben, wie ein aus sich rollendes Rad, das den Schwung mitbekommen hat.

Auch Maria, so bin ich sicher ist so was passiert, ein Ruck in ihrer Biographie, ein Wink des Himmels da in Nazareth, ein Dorf, wie Millionen andere auf der Welt. - Eine junge Frau, wohl verlobt mit einem Josef, Tischler, aus dem Geschlecht Davids - was die Bibel schön unterstreicht, Maria, wie alle Frauen dieser Erde, vormals jedenfalls, darauf bedacht, nicht schwanger in die Ehe zu gehen.

Ihr geschieht ein Traum, oder wie im Traum: Ein Engel tritt zu ihr, ein Engel mit Namen Gabriel - der Name ist Programm: "Meine Kraft ist Gott".

Ihr geschieht ein Traum, oder geschieht wie im Traum - ich lasse es mir offen: Die Begegnung war für Maria real, ob geträumt oder ob der Engel wie ein Fahrrad dastand - Maria lebte diesen Traum, ihr widerfuhr die Erscheinung: Der Engel sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Gott ist mit dir! Du wunderbar, du herrlich und wichtig! Gott ist mit dir - heißt doch: Dein So-sein ist im Sinn. Dein Sein ist gut.

Normalerweise versuchen wir, unser Gutsein zu erarbeiten durch Guthaben. Durch Tun und Leisten und Sichmühen - dann gibt's auch was aufs Konto: aufs Freundschaftskonto: für einen einstehen, oder aufs Markkonto: Lebensunterhalt kommt ein, oder aufs Gewissenskonto: mit mir im Reinen sein, oder aufs Freudenkonto: mir Gutes tun; - auf welches Konto auch immer: wir mühen uns. Aber der Engel sagt zu Maria dir: Du gut. Nichts ist zu machen, zu zwingen, zu schaffen: Du, sei Du, wissend, deine Kraft ist Gott. So heißt dein Engel - das ist dein Wesen: Und aus diesem guten Sein fließt die Arbeit mit links. Du gut, bringst Gutes. Du läßt Menschen gestärkt zurück, jeder, der dir begegnet bekommt eine Scheibe Engelsbotschaft mit: Du gut.

Es gibt auch Begegnungen, daraus gehen wir niedergeschlagen hervor - wir fühlen uns ausgenommen, mißverstanden, schlechtgemacht - aber das Engelwort: "Gott ist bei dir, du begnadet" haben wir viel öfter vernommen. Jeder Blick, der uns gut tat, ist doch Himmelsnahrung; jeder Dank, den wir bekamen, ist doch die Widmung: gut, daß du da bist. Dein Kuß, dein Wort, dein Rat, deine Geste mir Pfand, daß die Welt gottvoll ist und von ihm beschirmt.

Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Auch dieses Kind mit dem Lichtnamen Jesus: "Gott rettet", auch dieses Kind ist geschenkt, zugemutet, geschickt, aufgegeben, anvertraut - und nicht gemacht. Nicht unser Tun macht uns schwanger, höchstens wird unser Tun vom Leben genutzt, daß es sich weitergibt durch uns hindurch, daß Gott sich weitergibt durch uns hindurch.

Maria hört: Sie wird empfangen den, der Sohn Gottes, erster Sohn, Erstgeborener unter allen Töchtern und Söhnen genannt werden wird. Ziemliche Zumutung diese Widmung. Ein Mensch wie du und ich soll Gottes Sohn bringen, - aber nicht das erstaunt Maria - sondern: Maria sagt zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?

Anrührend diese Distanz - dieser Versuch, sich die Zumutung vom Leibe zu halten, - sie war ja wohl schon Josef anverlobt, von ihm gewußt muß sie schon haben; aber ist es nicht dies Überraschtwerden aller Frauen und - mit Verzögerung doch auch aller Männer - das hier Echo gibt?

Ich Mutter, ich Vater? Das schüttelt uns doch, das haben wir doch nicht gemacht, nicht zustande gebracht, uns besorgt. - Es ist doch eher so, wie der Engel sagt: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.

In jedem Fall hat uns Heiliger Geist überschattet, wenn wir zeugen; in jedem Fall hat Gott uns übermannt oder genutzt. Es ist Sohn oder Tochter Gottes, was uns aus dem Bauch kriecht oder in die Arme gelegt wird: Ehrfurcht überkommt uns, wir haben Heiligem zum Leben geholfen. Ehrfurcht und dann auch Stolz; das macht doch den Stolz des Gebärens aus: Du bist Mitschöpferin, du Braut Gottes, ungefähr, und du Mann, Knecht Gottes, Gehilfe der Schöpfung, glücklicher Vater. -

Und Maria: Ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.

Maria läßt es zu: Mir geschehe das Kind. - Als hätte Maria lange mit sich beraten, was ihr Weg sei. - Und dann geschah ihr der Traum: Und sie wußte, was sie mußte: Geschehen lassen, was der Engel sagt, geschehen lassen, was der Himmel dir eingibt.

Sind wir einverstanden, Helfende des Lebens zu sein - dann wird die Entscheidung leicht. Ich weiß, was ich muß. Und der Engel kann gehen.

Der Engel schied von ihr.

Die Geschichte hat so viele Schichten, wie der Goldgrund der Ikonen: Ein Mädchen vom Lande wird Gottes Braut. So wird Gott welthaft und die Menschen werden nah an Gott herangerückt, nicht nur Maria, wir alle.

Von Josef ist nicht sehr die Rede. Aber er hat auch seinen Schöpfungsauftrag. Die Männer stehen mehr als die Macher da, darum müssen sie gedämpft werden; Gott nutzt doch beide, Maria und Josef, Frau und Mann, um seine neue Schöpfung zur Welt zu bringen.

Jesus - wird dann der Engel Mensch, der Menschenengel, - wer ihn trifft, wird ins Licht geführt, - auch noch heute - und er verwandelt uns zu seinen Boten, - die berühren oder sagen oder tun was, und die Betreffenden gehen erleichtert, gehen beschwingt: doch gut zu sein. Leb wohl Engel. Amen.


 



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